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"Bewusst niederschwellig": Staats-Informatiker Peter Frankenbach

Basler Grossrats-Debatten kommen live in die gute Stube

Erstmals in der Schweiz werden kantonale Parlaments-Debatten per Internet-Fernsehen übertragen


Von Peter Knechtli


Die Basler Grossrats-Debatten können seit heute Mittwoch per Fernsehen im Internet live verfolgt werden. Das Parlament stimmte heute der künftigen Direktübertragung zu. Basel-Stadt ist damit das erste Schweizer Kantonsparlament, das Grossrats-Fernsehen via Internet einführt.


Peter Frankenbach (40) hatte heute Mittwochmorgen einen besonders hektischen Arbeitsbeginn. Auf dem Bildschirm des studierten Biologen und heutigen Informatik-Verantwortlichen der Basler Parlamentsdienste in Basler Rathaus lief off-line bereits die Live-Übertragung der Debatte, die wenige Schritte daneben im Grossratssaal im Gange war. Plötzlich ein kurzer Schreck: Das Bild gefriert ein, der Ton läuft weiter. Peter Frankenbach springt einmal mehr auf, um das Problem zu fixen. Der Grossrat debattiert jetzt die Frage, ob die Debatten künftig live ins Internet übertragen werden sollen. Es ist kurz vor 10.30 Uhr. Das Parlament stimmt zu. Jetzt aktualisiert Peter Frankenbach die vorbereiteten neuen Seiten, welche die Übertragung möglich machen. Jetzt ist die Debatte online.

Basler Pionierleistung

Mit dem Grossrats-Fernsehen im Internet betritt Basel-Stadt gesamtschweizerisch Neuland: Noch kein Kantonsparlament lässt seine Debatten bildgestützt via Internet direkt verbreiten. Übertragen werden auf Bundesebene die Sessionen der eidgenössischen Räte. Verschiedene Kantone - wie das Baselbiet - bieten bereits eine direkte Ton-Übertragung an. Basel-Stadt bietet nun Ton und Bild zusammen, was den Genuss beträchtlich erhöht.

Wie Grossratspräsidentin Brigitta Gerber gegenüber OnlineReports erklärte, war es im Jahr 2003 ein Besuch des Ratsbüros im Kanton Waadt, der die Idee eines Grossrats-Fernsehens zündete: "Mit grossem Erstaunen und etwas Neid" musste die Basler Delegation in der Romandie zur Kenntnis nehmen, dass die Debatten dort live in ein Lokalfernseh-Programm eingespeist werden. Beatrice Inglin, Brigitta Gerber und Leonhard Burckhardt waren es sodann, die das Projekt anschoben, Grossrat André Weissen reichte einen Vorstoss ein. Thomas Dähler, Leiter der Basler Parlamentsdienste, und sein Web-Spezialist Peter Frankenbach nahmen die Idee auf und setzten sie in die Praxis um.

"Wir wollen näher ans Volk"

"Wir wollen näher an die Bürgerinnen und Bürger heran kommen", begründet Gerber das medienpolitische Aufbrechen der Rathaus-Mauern, und sie fügt an, dass "auch die Staatskunde in der Schule verbesserungswürdig" sei - in der Hoffnung, der eine oder andere Lehrer schalte sich mit seiner Klasse in die Direktübertragung ein.

Heute Mittwochmorgen war es so weit. Die Übertragung klappte, der Ton klingt sehr angenehm, die Bildqualität ist von einer Schärfe, die erlaubt, die Volksvertreterinnen und Volksvertreter klar zu identifizieren. Die Kamera ist schon seit September 2006 in einer Ecke des Grossratssaals platziert. Sie ermöglichte bisher dem Rathaus-Studio des Radio-"Regionaljournals", die Debatte auch optisch verfolgen zu können. Jetzt hat die Saal-Kamera mit dem Weg in die weltweite Öffentlichkeit eine Zweckerweiterung erfahren. Sie kann - Regie führt umsichtig der Radio-Redaktor - auch Sprechende am Rednerpult heranzoomen.

Bescheidene Kosten

Die Kamera-Einrichtung, an der sich auch das Radio massgeblich beteiligte, kostete 12'200 Franken, die Einrichtung des Live-Streamings weitere 8'800 Franken. "Das ist eine relativ primitive, aber günstige Lösung", sagt Brigitta Gerber. "Wir streben bewusst eine niederschwellige Zugänglichkeit an." Techniker Peter Frankenbach geht davon aus, dass die zur Verfügung stehende Bandbreite 30 gleichzeitige Internet-Besuchende problemlos schafft. Sollte aber die Debatten-Gier der Basler Bevölkerung zu einem Ansturm führen, könnte das Bild ruckeln. "Dann müssten wir die Bandbreite erhöhen."

Basel stützte sich auf Bundes-Erfahrungen ab: Nationalratsdebatten werden im Internet in der Regel von 70 bis 100 Usern gleichzeitig verfolgt, Bundesratswahlen von rund 300 Besuchenden.

Attraktive Dokumentation auf Website

Der Einstieg ins Basler Grossratsfernsehen erfolgt über die offizielle Seite des Grossen Rates. In der rechten Spalte bildet ein Bewegtbild den Link auf das Live-Streaming. Auf der attraktiv gestalteten Website sind nicht nur Traktandenliste und aktueller Stand der Debatte dokumentiert, sondern auch die notwendigen Unterlagen zu den jeweiligen Geschäften, die mit wenigen Klicks abgerufen werden können. Eine sehr überzeugende Dienstleistung, die darauf wartet, noch stärker genutzt zu werden.

Immerhin: Am ersten Sitzungstag wurden bereits an die hundert Besucherinnen und Besucher gezählt.

www.grosserrat.bs.ch

5. Dezember 2007


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