© Foto by OnlineReports.ch
"Lange Gesichter möglich": Baselbieter Wahl-Werbung in Basel*

Die Baselbieter Mitte-Parteien sind diesmal die wichtigsten Player

Der Verbund von CVP, BDP, GLP und EVP entscheidet über das Schicksal von Freisinn oder Sozialdemokratie


Von Peter Knechtli


Die Nationalratswahlen sind dieses Jahr im Baselbiet besonders spannend: Es könnte zu einer historischen Wende kommen – nämlich dann, wenn die Freisinnigen ihren einzigen Sitz verlieren. Oder wenn die SP eines ihrer beiden Mandate an die Zentrums-Parteien, die entscheidenden Player dieses Wahlkampfs, abgeben muss.


Soviel ist sicher: Die SVP braucht nichts zu befürchten. Ihre beiden Nationalratssitze  sind ihr sicher. Caspar Baaders Mandat ist ohnehin gesichert, weil er auch noch für den Ständerat kandidiert. Auch Christian Miesch, der hemdsärmlige Politiker aus Titterten, dürfte vier weitere Jahre auf die gut 100'000 Franken Jahres-Sold zählen dürfen, den das Berner Mandat abwirft.

SVP: Begehrter dritter Platz

Allerdings ist bei Miesch ein minimer Vorbehalt anzubringen: SVP-Fraktionschef Thomas de Courten, der bei der Nomination zum Regierungsrat vor fünf Jahren den Kelch an den mittlerweile abgewählten Jörg Krähenbühl weiter geben musste, strebt mit aller Kraft höhere politische Weihen an. Ist das Glück ihm hold, könnte er das frühere FDP-Mitglied Miesch noch aus dem Amt verdrängen.

Selbst wenn es de Courten nicht gelingen sollte, das Mandat aus eigener Kraft zu erringen: Auch die Position des ersten Nachrückenden, die er schon vor vier Jahren einnahm – allerdings 4'000 Stimmen hinter Miesch –, könnte schon bald höchst attraktiv sein. Das zeigt sich auch daran, dass sich weitere Bewerber wie insbesondere Kantonalpräsident Dieter Spiess oder Hanspeter Weibel kräftig ins Zeug legen. Wenn nämlich im Dezember Caspar Baader zum Bundesrat gewählt werden sollte, erbt der Erstnachrückende unvermittelt sein Nationalratsmandat. Dasselbe gilt für den Fall, dass Miesch, im 64. Lebensjahr, im Verlauf der kommenden Legislatur zurücktreten sollte.

Die CVP ist hoffnungsfroh

Noch ganz anders als zu Beginn des Wahlkampfs macht sich unter der CVP Zuversicht breit. Den Christdemokraten (Wähleranteil 9,3 Prozent 2011) ist es im Anschluss an die Landratswahlen vom März gelungen, eine kraftvolle Listenverbindung mit ihrer klassischen Partnerin EVP (4,7 Prozent), aber auch mit den neuen Mitte-Parteien BDP (5,5 Prozent) und Grünliberale (4,5 Prozent) zu arrangieren.

Diese Zentrums-Allianz hat rein arithmetisch das Potenzial für zwei Sitze. Jener der erst vor einem Jahr nachgerückten Elisabeth Schneider ist gesichert. Schlägt der (Atomstopp-)Doris Leuthard-Effekt durch und legen BDP und GLP nochmals etwas zu, liegt ein zweiter Sitz in Reichweite, der bisher eher wenig bekannten Politikern zufallen könnte: Den Neu-Landräten Peter H. Müller von der BDP oder Gerhard Schafroth von den Grünliberalen.

Besiegeln Mitte-Parteien FDP-Schicksal?

Schafft das Zentrum die kleine Sensation, wird es entweder bei der SP lange Gesichter oder bei den Freisinnigen noch längere Gesichter geben: Die SP, die mit den beiden Bisherigen – der Wirtschafts-Sachverständigen Susanne Leutenegger Oberholzer und dem Energieexperten Eric Nussbaumer – antritt, verlöre einen der beiden Sitze.

Nach meiner Meinung fast eher möglich ist, dass bei zwei Zentrums-Sitzen die FDP ihren einzigen Nationalratssitz (seit 24 Jahren von Hans Rudolf Gysin gehalten) verlieren wird. Denn im Gegensatz zu früheren Jahren, als die drei traditionell bürgerlichen Parteien mit einer Wahlallianz ("Bürgerliche Zusammenarbeit") vereinigt in die Wahlen stiegen, kämpft der Baselbieter Freisinn, von der CVP als "nicht mehr der Mitte angehörend" bezeichnet, dieses Jahr allein gegen alle und ohne Aussicht, von Reststimmen anderer bürgerlicher Parteien profitieren zu können.

Gysin beschaffte wichtige Fremd-Stimmen

Auch wenn sein Stern am Polit-Himmel schon vor vier Jahren etwas gesunken ist, war Hans Rudolf Gysin als Direktor der Wirtschaftskammer doch immer noch die Wahlkampf-Lokomotive, die 7'000 Stimmen von andern Parteien als der FDP hereinholte. Er fehlt nun auf der Liste, die kein vergleichbares Stimmenwunder enthält.

Dass es unter der Voraussetzung eines Sitzgewinns im Zentrum eher die Freisinnigen als die Sozialdemokraten treffen könnte, hängt auch mit dem Erstarken der Grünen (Landratswahlen: 13,7 Prozent) zusammen, die im Frühling Baselbieter Regierungspartei wurden und auf deren Stärke die SP (22 Prozent) diesen Herbst in höherem Mass angewiesen sein wird als je zuvor. Die Listenverbindung mit den Grünen, die mit einer starken Liste antreten, dürfte das Risiko eines Sitzverlustes in engen Grenzen halten.

Bühne frei für Grüne

Ein Glanzresultat erwarten darf die grüne Nationalrätin Maya Graf, die in Bern festen Tritt gefasst hat und im November kommenden Jahres zur Nationalratspräsidentin und damit zur "höchsten Schweizerin" gewählt werden dürfte.

Die Kernfrage der Baselbieter Nationalratswahlen ist die, ob es der "Starken Mitte" (wie die Zentrumsparteien um die CVP auftreten) gelingen wird, das Doppelmandat zu schaffen. Gelingt es nicht, dann bleibt bei der Sitzverteilung alles beim Alten und der FDP der Berner Sessel erhalten. Favoriten sind in meiner Wahrnehmung der Arlesheimer Landrat Balz Stückelberger, der mit seiner überparteilichen Affinität bei der Nomination am meisten Stimmen der FDP-Basis erzielte, oder der Dugginger Franz Saladin, neuer Direktor der Handelskammer beider Basel.

Ein "Plan B" der Wirtschaftskammer?

Auffällig innerhalb der FDP ist nur, wie sehr sich die Wirtschaftskammer – sonst mit Abstand die leistungsfähigste PR-Maschinerie in nationalen Wahlen – und ihr Direktor zurückhält. Hans Rudolf Gysin könnte ein Kalkül verfolgen und über einen Verlust des FDP-Mandats gar nicht so unglücklich sein: In vier Jahren könnte sich sein Nachfolger, der Prattler Landrat Christoph Buser, so weit entwickelt haben, dass er als freisinniger Spitzenkandidat – und mit tatkräftiger Unterstützung seines PR-Apparats – in den Wahlkampf zieht. Einziger Fokus: Die Rückeroberung des FDP-Mandats.

Könnte die FDP ihren Sitz dieses Jahr verteidigen, bliebe er wohl für die nächsten zwölf Jahre für andere als den siegreichen Amtsträger unerreichbar.

* FDP-Kandidat Martin Wagner fasste auch die Pendler ins Auge und warb geschickt an mehreren strategischen Pendler-Strömen in Basel. So auch, wie auf dem Bild ersichtlich, auf dem Balkon seiner Anwaltskanzlei mitten in der Basler City.

17. Oktober 2011

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Ihre maximale mobile Download-Geschwindigkeit ist ab sofort 1.5-mal schneller als vorher. Sie surfen also neu mit bis zu 15 Mbit/s."

Swisscom
SMS
vom 8. Juni 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Solchen Tempo-Versprechen gegenüber ist Vorsicht geboten. Seien wir mal froh, wenn die Geschwindigkeit nicht sinkt.

Frisch pubertiert

Küssen, nicht spucken!
RückSpiegel


Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Bericht über den Rückzug des potenziellen Baselbieter FDP-Regierungs-Kandidaten Daniel Recher Bezug auf OnlineReports.

20 minuten online
bezog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

Ueli O. Kräuchi, Geschäftsführer des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), gibt die Leitung der VBLG-Geschäftsstelle per 31. März 2019 altershalber ab.

• Das Bürgerspital Basel übernimmt per 1. Januar 2019 die Spektrum Werkstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

• Die Gewerkschaft Unia hat am 4. Juli 2'300 Unterschriften für das Referendum gegen längere Ladenöffnungszeiten eingereicht.

• Der Basler Gewerbeverband reichte zusammen mit den Parteien FDP und SVP, der "IG Lysbüchel" sowie verschiedenen Branchenverbänden das Referendum "gegen die Fehlplanung Lysbüchel" mit 2'972 Unterschriften ein.

Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.