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"Studium in der Champions League": Turm-Neubau für Life Sciences*

Aus den Urtiefen des Kerkers spriesst ein 300-Millionen-Forscherdorado

70-Meter Turm für Life Sciences entsteht auf dem Schällemätteli-Areal / Zürcher Architekten Ilg Santer Sieger des Projektwettbewerbs


Von Peter Knechtli


Wo früher das Basler "Schällemätteli"-Gefängnis stand, soll bis ins Jahr 2015 ein neues universitäres Life Sciences-Zentrum entstehen: Ein 70 Meter hoher Turm soll weit über tausend Forschenden und Studierenden Platz bieten. Den Zuschlag erhielten die Zürcher Architekten Ilg Santer.


Es gehört eher zu den seltenen Anlässen, wenn sich gleich je zwei Regierungsräte aus den beiden Basel zu einer Medienkonferenz einfinden. Doch heute Montagmorgen hatten Erziehungsdirektor Christoph Eymann und Baudirektor Hans-Peter Wessels (Basel-Stadt) sowie Bildungsdirektor Urs Wüthrich und Baudirektor Jörg Krähenbühl aus Baselland allen Grund, partnerschaftliche Zuversicht zu verströmen: Sie präsentierten zusammen mit dem Basler Kantonsbaumeister Fritz Schumacher, wie sich das "Schällemätteli"-Areal ab Ende 2015 (geplanter Eröffnungszeitpunkt) präsentieren soll.

Das ehemalige "Schällemätteli" präsentiert sich derzeit als riesige Baugrube (Bild, Blick aus dem Biozentrum auf die "Schällemätteli"-Baugrube, rechts angrenzend das Universitäts-Kinderspital). Doch wenn der politische Prozess um die Bewilligung der Investitionskredite rund läuft, soll aus den einst dunklen Urtiefen von Basels berüchtigtstem Strafgefängnis ein ästhetisch und funktional ansprechender 70-Meter Lehr- und Forschungsturm erheben, der 550 Forschenden und 800 Studierenden des Biozentrums Platz bietet und Hörsäle, ein Rechenzentrum sowie eine Cafeteria enthält.

Das Herz des künftigen Uni-Campus

Insgesamt hatten sich 58 Teams für den anonymen Wettbewerb beworben. 28 von ihnen waren für den Wettbewerb ausgewählt worden, deren vier kamen in die engere Wahl. Als Sieger gingen die Zürcher Architekten Ilg Santer (Bild, mit b+p baurealisation ag" und Aerni+Aerni Ingenieure AG) mit ihrem Projekt "Chroma" hervor, wie die Jury am 9. April, zehn Monate nach Bewilligung der Projektierungskredite von gesamthaft 22 Millionen Franken durch die Kantonsparlamente beider Basel, einstimmig beschloss. Der "stolze, autonome Bau" (Schumacher), dessen Untergeschoss ein Kranz mit Hörsälen säumt, soll das eigentliche "Herz" des universitären Life Sciences-Campus werden, der zur Hauptsache durch das Departement Biozentrum genutzt werden soll und sich in unmittelbarer Nähe zum Universitäts-Kinderspital beider Basel sowie dem künftigen ETH-Institut für Systembiologie befindet. Auch die benachbarten Kranzgebäude des Physikbereichs dürften in absehbarer Zeit Objekte der Neuplanung werden. Ein Auffrischung dürfte auch das alte Gebäude des Biozentrums erfahren.

Weil er von einer grosszügigen Freifläche umgeben ist, verursacht der Turm, gebaut nach der scharfen "Minergie P"-Vorschrift, kein Schattenproblem an Wohnquartieren. Aus Rücksicht sei das "Schällemätteli" schon vor der Eröffnung des neuen Kinderspitals abgerissen wurden. Auch werde beim Bau so schonungsvoll wie möglich vorgegangen: "Es gibt sicher keinen Drei-Schichten-Betrieb." Die Baukosten ohne Ausstattung und Parking belaufen sich auf 238 Millionen Franken, die Bruttokosten dürften bei knapp 300 Millionen Franken liegen. Daran beteiligt sich der Bund mit 30 Prozent, so dass bei den beiden Kantonen ein Betrag von knapp 100 Millionen Franken anfallen wird. Die Ungenauigkeit wird mit immerhin plus/minus 20 Prozent deklariert.

Wessels spricht von einer "Riesenkiste"

Die massgeblichen Politiker übertrafen sich in der Anwendung von Superlativen. Der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels sprach vor den Medien von einer "Riesenkiste": Es handle sich beim Life Sciences-Turm um das grösste Bauprojekt mit öffentlicher Finanzierung. Wessels sprach als Insider: Er hatte vor 25 Jahren sein Studium mit einer Dissertation am Biozentrum abgeschlossen. Nach seinen Angaben soll die Projektierung eineinhalb Jahre dauern und Ende 2012 abgeschlossen sein. Zu jenem Zeitpunkt sind auch die Entscheide über die Baukredite in den beiden Parlamenten fällig. Zwischen Anfang 2013 und Mitte 2015 soll gebaut werden. Ab viertem Quartal 2015 soll der Turm etappenweise bezogen werden können.

Von einem "Bauwerk mit enormer Dimension" sprach auch der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann. Schon der damalige Bau des Biozentrums mit seiner wissenschaftlichen Ausstrahlung sei ein "wichtiger Schritt in der Entwicklung der Universität Basel" gewesen. Es gelte, die Nähe der Universität zu den Life Sciences-Unternehmen (Eymann: "Fussdistanz") zu nutzen. Die Neubau-Realisierung markiere einen "entscheidenden Schritt in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit". sein Baselbieter Amtskollege Urs Wüthrich pries die "Grossinvestition in Bildung und Innovation" als ein "Bekenntnis der Behörden zum Industrie- und Forschungsstandort Basel". Diese "erste Etappe hin zu einem Campus" ermögliche dem wissenschaftlichen Nachwuchs erst recht, ein "Studium in der Champions League" zu absolvieren.

Sperrfeuer aus dem Baselbiet?

Auch Jürg Krähenbühl, dessen SVP an der kantonalpartnerschaftlichen Zusammenarbeit nicht nur Begeisterung zeigt, liess Freudesspuren erkennen: "Wir haben hart diskutiert, aber wir sind zum Ziel gekommen." Dass aus dem Baselbiet nun doch noch ein Submissions-Sperrfeuer lanciert werde, könne er sich "nicht vorstellen, aber vor Überraschungen ist man nie gefeit".

Vor knapp einem Jahr war es bei der Beratung des Projektierungskredites zu massiven (allerdings vorgehenden) Unstimmigkeiten zwischen den beiden Kantonen gekommen: Die Wirtschaftskammer Baselland drohte, das Referendum gegen die Baselbieter Beteiligung von 11 Millionen Franken am Projektierungskredit zu ergreifen, wenn die Baselstädter bei der Auftragsvergabe nicht einlenken (hören Sie dazu Urs Wüthrich im Audio-File unten).

* Bild Mitte. Im Vordergrund das bestehende Biozentrum

26. April 2010

Weiterführende Links:


Life Sciences-Neubau: Die Entwürfe

Die Wettbewerbsbeiträge zum Life Sciences-Neubau der Universität Basel sind vom 29. April bis 11. Mai an der Maiengasse 7 in Basel zu besichtigen. Der Zutritt ist von 17 bis 20 Uhr (werktags) und von 14 bis 18 Uhr (Samstag und Sonntag) geöffnet.



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