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"Wenn es Tote gäbe": Sicherheitsrodung bei Reigoldswil

Kettensägen am Strassenrand: Das grosse Aufheulen

Doch das Roden gefährlicher Strassenwälder ist nötig – und kann lebensrettend sein


Von Peter Knechtli


An exponierten Waldpartien entlang von Baselbieter Strassen kommt es seit zwei Jahren immer wieder zu massiven Rodungen: Was die Gemüter der Bevölkerung bewegt, kann Leben retten – und ist erst noch ökologisch sinnvoll.


Auch der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Peter Zwick (CVP) weiss es: Der Anblick gerodeter Waldstreifen entlang von Strassen seines Kantons ist nicht das höchste aller Gefühle – ganz im Gegenteil: Wenn Strassenstücke ganz oder teilweise gesperrt werden, wenn Forst-Profis die Kettensägen knattern lassen und der gewohnte Anblick von dichtem Wald plötzlich scheinbarem Ödland weicht, dann gehen die Emotionen der Passanten auch mal hoch, Automobilisten nerven sich über Verkehrsbehinderungen, Kritik wird laut.

Lehren aus dem Nass-Schnee-Segen von 2008

Doch was auf den ersten Blick wie Naturschändung wirkt, ist – gerade im Interesse der Passanten – dringend nötig: Der Kanton setzt derzeit zusammen mit den Waldeigentümern zur Sicherung der Verkehrswege ein sechsjähriges Notprogramm um. Zwischen 120 und 140 gefährliche Stellen im Kantonsgebiet sollen gerodet werden. Jedes Jahr müssen bis 30'000 Bäume dran glauben.

Zu den Rodungen kommt es nicht aus Freude an der Anwendung der Kettensägen. Grund ist ausschliesslich die Herstellung von Verkehrssicherheit, wie Fachleute des Kantons und des Forstwesens heute Freitag an einer Medien-Besichtigung in Reigoldswil (Bild) und Niederdorf darlegten. Als im Dezember 2008 Nass-Schnee in rauen Mengen fiel, offenbarte sich das Problem in aller Deutlichkeit: Bäume, die im Verbund mit andern Artgenossen noch standfest schienen, brachen wie Zündhölzer ein und blockierten Strassen. Das kann brandgefährlich werden.

Verantwortung liegt beim Kanton

Die damalige Situation liess den Kanton aktiv werden, denn, so Regierungsrat Peter Zwick heute, "wenn wir nichts gegen solche Gefahren unternehmen und wir Tote oder Verletzte zu beklagen hätten, trüge der Kanton die Verantwortung". Denn: Anders als beispielsweise Hauseigentümer haben Waldbesitzer keine Bewirtschaftungspflicht; als Eigentümer der Strassen hingegen haftet der Kanton. Grund genug, gefährliche Stellen zu sanieren – nicht zuletzt auch deshalb, weil der Staat die Pflicht hat, die Strassen offen zu halten.

Das derzeit laufende sechsjährige Rodungsprogramm ist ein Gemeinschaftsprojekt des Kantons sowie der Bürgergemeinden und privaten Waldbesitzer. Die Lust der Waldeigentümer, die gefährlichen Stellen freiwillig zu roden, hielt sich in Grenzen, weil der Holzverkauf bei den derzeitigen Preisen die Kosten der aufwändigen Rodungen in oft steilem Gelände bei weitem nicht decken. (40 Prozent der Kantonsfläche ist, vor allem an Hängen, von Wald belegt.) Deshalb beteiligt sich der Kanton jährlich mit 150'000 Franken an den forstlichen Eingriffen, wodurch die Kooperation zustande kam.

Erwünscht: Grosse Krone, kurzer Stamm

Der Augenschein im Gebiet "Riedholden" zwischen Reigoldswil und Ziefen zeigte deutlich eine kritische Passage. Zahlreiche dünne Baumstämme mit schwachem Wurzelwerk entlang der Kantonsstrasse recken sich weit in Höhe. Im Verbund mögen sie aussergewöhnliche Schneelast vielleicht noch zu tragen, als einzelner Baum bestünde rasch die Gefahr des Kippens, wenn sich Nass-Schnee in der Krone festsetzt. Den Medien präsentierten die Forstleute aber auch einen fetten hohlen Baumstamm, der nach aussen hin völlig gesund wirkte.

"Auch Fachleute sehen einem Baum nicht an, ob er gesund ist oder nicht", sagte Kantonsforstingenieur Ueli Meier. Entlang von Strassen sei aus der Sicht der Verkehrssicherheit jener Baumbestand ideal, "der grosse Kronen ausbildet und nicht allzu hoch wird".

Schutz einer wichtigen Transportachse

Ein etwas anderes Gefahrenbild zeigte sich im Gebiet "Cheesloch" in der Gemeinde Niederdorf. Dort erstreckte sich entlang der Kantonsstrasse und gleichzeitig dem Trassee der Waldenburgerbahn eine 500 Meter lange Waldzunge mit Bäumen, die teilweise eine Höhe von 30 Metern aufwiesen. Dieses Waldstück wurde vor gut zwei Jahren aus Sicherheitsgründen innerhalb weniger Tage vollständig gerodet – was angesichts des laufenden Bahnbetriebs organisatorische Präzisionsarbeit erforderte.

Nicht zufällig ist das Waldenburgertal ein Rodungs-Schwerpunkt: Die ist eine der wichtigsten Transportachsen zwischen dem Juranordfuss und dem Mittelland. "Deshalb ist dieses Tal für unser Sanierungsprojekt von besonderer Bedeutung", sagte Regina Wenk, Leiterin Strassenkreis 2 des Baselbieter Tiefbauamtes.

Aus Kahlschlag wird artenreicher Jungwald

Nach dem Kahlschlag präsentierte sich das "Cheesloch" als verwandelte Landschaft. Doch schon heute zeigt sich die Kraft der Natur: Junge Akazien zeigen schon ihr üppigen Dornen, die Elsbeeren und Speierlinge schlagen wieder aus und bilden bereits wieder so etwas wie eine Hecke (Bild, Vordergrund), in der sich Kohlmeisen und Buchfinken tummeln. Aus der Stock-Rasur wurde in kurzer Zeit artenreicher Jungwald.

Vielleicht werden in einigen Jahrzehnten wieder Förster im Niederdörfer "Cheesloch" stehen, um die dortige Waldzunge zum Schutz der Verkehrswege zu roden. Und die Fachleute werden der erregten Bevölkerung erklären müssen, weshalb der Eingriff nötig sei, und dass sich der Wald schon wieder erhole.

25. Februar 2011

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"Rentenmassaker auf Kosten der Staatsangestellten"

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Betreff einer Medienmitteilung
vom 31. Mai 2018
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