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"Gute Arbeit geleistet": Erfolg des Basler Denkmalschutzes

Wessels sucht neuen Basler Denkmalpfleger – mit neuem Profil

Weg vom Verhinderungs-Image: Die Ausschreibung markiert ein neues Ausrichtungsprofil


Von Peter Knechtli


Der langjährige Basler Denkmalpfleger Alexander Schlatter tritt per Mitte Jahr altershalber zurück. Baudirektor Hans-Peter Wessels nutzt die Nachfolgeregelung, um die Amtsstelle seinen Vorstellungen von Stadterhaltung und Stadterneuerung anzupassen.


Als sich OnlineReports im Zuge der Porträt-Recherchen kürzlich mit dem neuen Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels traf, kam er von sich aus auf die Basler Denkmalpflege zu sprechen. Er äusserte sich anerkennend über ihre "hervorragende Arbeit" und zitierte Bauherren, die sich über den fachlichen Sukkurs durch die staatlichen Fachleute auf dem Gebiet der historischen Bauten äusserten. Tatsächlich ist vieles von dem, was in Basel an attraktiver historischer Bausubstanz nicht – wie der Sündenfall Aeschenvorstadt – der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist, der beharrlichen Arbeit der staatlichen Schützer zu verdanken.

Konflikt-Beispiel Solaranlagen

Doch Wessels sprach auch offen an, was ihm nicht so behagt. Die Denkmalpflege mit ihren weit gehenden Kompetenzen habe sich ein gewisses "Verhinderungs-Image" geschaffen – und das nicht nur in Kreisen, die den Denkmalschutz ohnehin für überflüssig hielten.

Ein Beispiel für den Konflikt zwischen Erhaltung und Erneuerung ist die Debatte um die Lockerung der Vorschriften für die Platzierung von Solaranlagen in denkmalschützerisch sensiblen Gebieten der Stadt. Ausgerechnet Andreas Albrecht, der liberale Präsident der grossrätlichen Bau- und Raumplanungskommission, war es, der in einer Motion die Zulassung von Solarkollektoren auf Dächern der Schutzzone forderte. In der "Güterabwägung" zwischen Denkmalschutz und ökologischen Erfordernissen sei die geltende "restriktive Regelung" nicht mehr zeitgemäss. Die Basler Denkmalpflege stand Albrechts Vorstoss aber sehr kritisch gegenüber. Dennoch überwies der Grosse Rat die Motion an die Regierung.

Verstärkter Akzent auf Erneuerung

Dass die Überweisung des Vorstosses ganz im Sinne von SP-Baudirektor Wessels ist, zeigt sich jetzt, wo die ordentliche Pensionierung von Denkmalpfleger Alexander Schlatter (Bild) auf seinen 63. Geburtstag Mitte Jahr hin öffentlich wird: Die heutige Ausschreibung der Stelle einer neuen Leitung der Basler Denkmalpflege signalisiert unmissverständlich die neue Handschrift Wessels und eine deutliche Kurskorrektur. "Gestalten Sie Basel" und "Bei uns können Sie etwas bewegen" sind allein schon die Slogans, die den departementalen Erneuerungsanspruch betonen.

Nicht weniger aufschlussreich sind Passagen im Anforderungsprofil, die klar auf eine Dynamisierung des einflussreichen Chefpostens hindeuten. Neben den unbestrittenen erhaltenden, beratenden und wissenschaftlichen Aufgaben soll der neue Stelleninhaber oder die Stelleninhabern auch – so der allererste Satz der Ausschreibung – "einen entscheidenden Beitrag zur dynamischen qualitativ hochstehenden Stadtentwicklung in Basel leisten". Es folgt gleich die nächste Erwartung: "In dieser Funktion fördern Sie die Neunutzung, die Umnutzung und den Erhalt unserer reichen, historisch wertvollen Bausubstanz. Ihr Ziel dabei ist, die hohe Attraktivität von Basel als Wohnort, Arbeitsort und Tourismusdestination zu stärken". Dabei sei "Ihr Beitrag zur aktiven und zeitgemässen Nutzung historisch wertvoller Bauten und zur Arealentwicklung" im Kanton Basel-Stadt "von zunehmender Bedeutung".

Gegen eine Stadt als "Ballenberg-Museum"

Grossrat Andreas Albrecht, der selbst in einer denkmalgeschützten Liegenschaft aufgewachsen ist und eine solche besitzt, hält es für "begrüssenswert", zeitgemässen Denkmalschutz zu machen, der ermöglicht, geschützte Objekte "noch mehr zu heutigen Gebrauchszwecken zu nutzen". Der Denkmalschutz dürfe "nie in seinen Grundfesten gefährdet" werden, doch müsse er "so praktiziert werden, dass die Stadt lebt und nicht zu einem Ballenberg-Museum wird", sagte Albrecht heute Freitagmorgen gegenüber OnlineReports. Auch müsse der Denkmalschutz den privaten Eigentümern helfen, "die Objekte so zu nutzen, das sie erhalten werden können". Die Auflagen sollten indes nicht so streng sein, dass der Staat die Liegenschaften letztlich übernehmen müsse.

Genau in diese Richtung dürfte Wessels Strategie zielen. Es geht insgesamt um eine in ihren Auswirkungen deutlich wahrnehmbare Akzentverschiebung, nicht um eine grundlegende Umdefinierung des Basler Denkmalschutzes. Dass der neue Baudirektor eine pragmatische Politik verfolgt, zeigt sich auch am Entwurf des neuen Zonenplans, der nicht etwa eine Verkleinerung, sondern im Gegenteil eine erhebliche Ausdehnung der Schutz- und Schonzonen vorsieht.

8. Januar 2010

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"Wessels will offensichtlich einen Manager"

Gerne wird der Denkmalpflege das "Verhinderung-Image" angeheftet. Dabei wird ausser Acht gelassen, dass die Denkmalpflege in erster Linie eine unterstützende Behörde ist. Denn es kommt seitens von Bauherrschaften und Behörden auf den Standpunkt an. Wer ein historisch relevantes Gebäude kauft und darin um jeden Preis Lift, Fussbodenheizung, Kellergarage und ein Schwimmbad einbauen will, und es zu guter letzt auch noch nach dem "Minergiestandard" umzurüsten gedenkt, ruft empört aus, wie bescheuert die Denkmalpflege sei, wenn sie gegen solche (weit verbreiteten) Bauvorhaben mit guten Argumenten berechtigte Einwände erhebt. Eine Bauherrschaft jedoch, die das Alte, Tradierte schätzt und wirklich erkennt, wes Geistes Kind das Gebäude ist, wird die Hilfe von Bauforschung und Bauberatung der Denkmalpflege trotz schwieriger Forschungs- und Abklärungsarbeiten und entsprechenden Verzögerungen des Bauvorgangs schlussendlich doch in Kauf nehmen. Auch dies geschieht, wenn auch in wenigen Fällen! Die überzeugenden Ergebnisse sprechen dann für sich.

 

Ich wundere mich nicht darüber, wie Herr Wessels seine Stellenausschreibung für einen neuen Denkmalpfleger formuliert. Er will offensichtlich einen Manager, einen Betriebsdisponent, der nach seiner und des Stadtbaumeisters Pfeife tanzt. Insgeheim will er insgeheim ohne Denkmalpflege seine Stadtentwicklungspläne zu Markte tragen. Bestenfalls darf diese Behörde noch alibimässig Kosmetik betreiben, da, wo's niemandem wehtut, zum Beispiel bei Kirchen und am Käppelijoch! Die Stadt sollte sich eben am besten selbst regulieren. Der Wirtschaftlichkeit gilt die oberste Priorität.

 

Das ist der Stil eines modernen Sozialdemokraten. Weil das so ist, hängt Regierungsrat Wessels der Denkmalpflege ein rosarotes Lätzchen um, das ihr schmeicheln und deren Image vor der Öffentlichkeit etwas retouchieren soll. Mag sein, dass die Denkmalpflege mit einer PR-Abteilung gut beraten gewesen wäre, um das Motto "Tue Gutes und rede davon" auch medial besser wirksam umzusetzen.

 

Übrigens: Der Stadt Basel "Ballenberg-Musealität" anzukreiden ist seit je her ein äusserst beliebtes Argument von Wirtschaftsleuten und Dienstleistern. Doch weit gefehlt: Diesen bornierten Leuten muss Deutsch und deutlich gesagt sein, dass über vier Fünftel der wertvollen Altstadt Basels gemäss wissenschaftlichen Erhebungen der Denkmalpflege seit 1870 abgebrochen worden sind. Nichts von Museum! Basel ist eine Dauerbaustelle.

 

Die Denkmalpflege handelt meist nur am Ende von Entscheidungsketten, deren erste Glieder in den Büros der politischen Entscheidungsträger geschmiedet werden. Dort wurde nach meinen Beobachtungen der letzten zwanzig Jahre eigentlich kaum je zugunsten des Schutzes eines einfachen Altstadthauses votiert, weil es dem Gewerbe nicht nützt. Insofern ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dem Herr Albrecht erlegen ist. Denn er spricht offensichtlich im Geist der gängigen Wirtschaftsideologie, nicht eines kultivierten Kulturbewusstseins.


Stephan Jon Tramèr, Basel


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Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

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"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.