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"Ein offener Ort": Basler König Faysal-Moschee, Eingang

Faysal-Moschee: Zwischen Verdacht und fehlenden Beweisen

Was von den Vorwürfen salafistischer Umtriebe im muslimischen Basler Gebetshaus zu halten ist


Von Beat Stauffer


Die Faysal-Moschee im Basler St. Johann-Quartier steht nach Medienberichten im Verdacht, ein Dreh- und Angelpunkt salafistischer Radikalisierung zu sein. Die Nachweise dafür fehlen bisher. Der Moschee-Verwalter wehrt sich: Er sieht seine Institution wie eine Kirche als offenes Gebetshaus ohne Eingangskontrolle.


Die Faysal-Moschee an der Friedensgasse steht einmal mehr im Fokus des Medien-Interesses. Hier soll einer der Mentoren der Basler Salafistenszene ein und aus gehen, von hier aus soll ein junger irakischstämmiger Basler Muslim in den Dschihad gezogen sein. Basel, so tönt es zugespitzt, sei zu einer Islamisten-Hochburg geworden. Es lohnt sich, zunächst kurz einen Blick in die turbulente Geschichte dieser Stiftung und ihrer Räumlichkeiten zu werfen.

Wer, wie der Schreibende, seit über zwanzig Jahren die islamische Szene in Basel und insbesondere auch die Faysal-Moschee beobachtet, kann ein paar Dinge mit Sicherheit festhalten. Erstens wurde diese Moschee seit Anbeginn auch von Islamisten besucht, von Muslimen, die der konservativ-islamischen Ideologie der so genannten Muslimbruderschaft nahe stehen.

Zweitens fanden wiederholt Flügelkämpfe und Übernahmeversuche in der "Friedensgasse" statt. Und drittens besteht ein Grundkonflikt zwischen dem saudischen Geldgeber und dem von ihm bestellten Stiftungsrat und den Moschee-Besuchern, die aus allen möglichen muslimischen Ländern stammen und oft ein eher kritisches Verhältnis zu Saudi-Arabien und dem dort verbreiteten wahabitischen Islam pflegen.

Islamisten unter Asylbewerbern

Zum ersten Punkt. Mitte der neunziger Jahre verkehrten an der "Friedensgasse" unter anderem tunesische und algerische Asylbewerber, die islamistischen Gruppierungen angehörten und in der Schweiz um Asyl ersucht hatten. Zu ihnen gehörte ein "Docteur Ridha" (Kampfname), ein junger Mann, der in Algerien Medizin studiert hatte und nach eigenen Worten auch bei der algerischen Partei "Front Islamique du Salut" mitwirkte.

Dieser "Docteur" hatte offenbar einen beachtlichen Einfluss in der "Friedensgasse" und stand in engem Kontakt mit Moscheen in Mülhausen. "Brüder" von dort gingen in der Basler Moschee ein und aus. Später zog der Arzt in die Westschweiz. Neben dieser prominenten Figur verkehrten auch viele andere Gläubige mit islamistischem Gedankengut an der "Friedensgasse".

Das ist auch nicht weiter erstaunlich, erhielten doch in den neunziger Jahren hunderte von Islamisten aus dem Maghreb in der Schweiz Asyl. Auch Flüchtlinge, die in jüngeren Jahren in die Schweiz gelangt sind, haben häufig ein sehr konservatives Islam-Bild. Das betrifft auch Flüchtlinge aus Syrien.

In die Arrahma-Moschee gezogen

Zum zweiten Punkt. Zu den Machtkämpfen innerhalb der Moschee, ist wenig Konkretes bekannt, wollten doch die Gläubigen wie auch die Moschee-Verantwortlichen derartige Konflikte stets unter dem Deckel halten. Dennoch ist immer wieder nach aussen gedrungen, dass Auseinandersetzungen stattgefunden haben und dass die Verlierer dieser Revierkämpfe Basel häufig verlassen haben.

Eine Gruppe sehr konservativer Muslime war nach einem solchen Richtungskampf aus der "Friedensgasse" ausgezogen und hatte ein eigenes Zentrum an der Elsässerstrasse (heute an der Kleinhüningerstrasse) ins Leben gerufen, die so genannte Arrahma-Moschee. Das war im Jahr 2002. Für diese Gläubigen war die "Friedensgasse" offenbar zu wenig strenggläubig.

Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass in den letzten Jahren der so genannte Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) versucht hat, mehr Einfluss auf die Moschee zu gewinnen. Damit würde letztlich die wahabitische Fraktion wieder gestärkt, denn die meisten IZRS-Kader sind im saudiarabischen Medina ausgebildet worden.

"Ein verdammt schwieriger Job"

Verwalter der Faysal-Moschee ist der Syrien-Schweizer Nabil Arab. Er hat, etwas salopp formuliert, einen verdammt schwierigen Job. Er hat es als Gebetsraum-Gastgeber mit einer heterogenen Kundschaft aus ganz unterschiedlichen Ländern zu tun, die auch sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, welche Ausrichtung diese Moschee haben soll.

Zudem steht Arab mit Sicherheit auch unter einem gewissen Druck seitens des Stiftungsrates. Dem Verwalter ist indes zugute zu halten ist, dass er Journalisten gegenüber stets zu Gesprächen bereit ist. Zwar waren diese Gespräche oft nicht einfach. Doch Arab beantwortete stets Fragen, auch nach der Radikalisierung von jungen Muslimen. Andere, etwa die Arrahma-Verantwortlichen, verweigerten journalistische Anfragen.

Ob Nabil Arab seinem schwierigen Job gewachsen ist oder ob er, wie gewisse Beobachter meinen, hoffnungslos überfordert ist, kann von aussen nicht beurteilt werden. Klar ist, dass mit der dschihadistischen Radikalisierung der letzten paar Jahre ein neues Konfliktfeld entstanden ist. Während Arab vor zehn Jahren noch sagen konnte, es handle sich bei jungen Hitzköpfen um ein marginales Phänomen, und ihre Theorien seien "nur Luftbomben", ist nun offenbar ein junger Mann, der in der Moschee verkehrte, ins irakische Kampfgebiet gereist.

Keine Handhabe gegen Aktivisten

Der 24-jährige Ali J., "der Apotheker" genannt, befindet sich derzeit, wie OnlineReports schon berichtete, in Ausschaffungshaft. Sollte die Faysal-Moschee bei seiner Anwerbung und seiner Entscheidung, in den "Dschihad" zu ziehen, eine entscheidende Rolle gespielt haben, so dürfte dies für Moschee-Verwalter Arab und für den "Lies"-Aktivisten und bekennenden Salafisten Spetim Dauti gravierende Folgen haben. Dieser Beweis konnte bis heute aber nicht erbracht werden.

Laut Nabil Arab sei der junge Ali J., der die "Friedensgasse" seit seiner Kindheit besucht hat, stets ein "ruhiger, freundlicher und schüchterner" junger Mann gewesen. Er habe ihn nicht ein einziges Mal aggressiv erlebt, berichtet Arab, auch habe der junge Mann nie über den "Dschihad" geredet. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er vernommen habe, Ali J. sei ein Dschihadist. Nach seiner Rückkehr aus den Kampfgebieten sei er zudem bloss ein einziges Mal in die Moschee gekommen.

In der "Friedensgasse" predigt auch der Vater der beiden Therwiler "Handschlag-Verweigerer"; auch verkehrt dort der dem IZRS nahe stehende Aktivist Spetim Dauti. Was Dauti betrifft, den aus Mazedonien stammenden Teilnehmer der Koranverteil-Aktion auf dem Claraplatz, so hält Nabil Arab fest, er habe keine Handhabe, ihm den Besuch der Moschee zu verwehren. Die "Friedensgasse" sei ein offener Ort, an dem alle Muslime verkehren dürften, sofern sie die Hausordnung einhielten. Dass Spetim Dauti an der "Friedensgasse" verkehre, bedeute in keiner Art und Weise, dass die Moschee-Leitung dessen Aktivitäten und Projekte ausserhalb der Gebetsräume unterstütze.

Dschihad-Propaganda wäre strafbar

Zwei Aspekte sind festzuhalten. Zum einen gehen die meisten Experten davon aus, dass die Abgrenzung zwischen religiös-konservativen Muslimen und religiösen Extremisten oft sehr schwierig ist. So äusserte sich etwa Jürgen Endress, Islamwissenschafter an der Universität Luzern und Leiter des Projekts "Imame, Rapper, Cybermuftis" an einer Tagung Ende Mai in Basel. Auf eine andere Tatsache verweist der Autor Ahmad Mansour in seinem Buch "Generation Allah": "Niemand hatte die Signale seiner Radikalisierung erkannt." Gemeint ist: Sowohl Eltern als und Freunde aber Moschee-Verantwortliche erkennen bei jungen Muslimen nicht oder erst zu spät, dass sich diese radikalisiert haben.

Ein letzter Punkt betrifft eine mögliche Anstiftung, in den Dschihad zu ziehen. Nur Koranstellen zu zitieren, dürfte strafrechtlich nicht relevant sein. Viele Hassprediger achten denn auch peinlich genau darauf, diese rote Linie nicht zu überschreiten. Anders wäre es, wenn ein Imam klar dschihadistische Ideologen zitieren würde. Wer solche Texte in Predigten verwendet und damit direkt zum dem als bewaffneten Kampf verstanden Dschihad aufruft, macht sich strafbar.

Einen Beweis für solche Aufrufe konnte aber für die "Friedensgasse" bis jetzt niemand erbringen. Laut Informationen von OnlineReports hat unlängst ein renommierter Islamwissenschafter alle Traktate und Predigten der vergangenen Monate auf derartige Stellen untersucht. Dabei habe sich eine klar "salafistische Weltsicht" ergeben, aber keine eigentliche Dschihad-Propaganda.

Genau Beobachtung ist angezeigt

Ohne jeden Zweifel verkehren in der Faysal-Moschee auch Menschen mit salafistischem und islamistischem Hintergrund. Dennoch wäre die Behauptung übertrieben, die "Friedensgasse" sei ein salafistischer Hotspot. Nicht belegt ist zum jetzigen Zeitpunkt die Vermutung, in der Moschee würden Dschihadisten angeworben. Dazu kommt, dass derzeit bloss der Fall eines einzigen in der Faysal-Moschee verkehrenden jungen Mannes bekannt ist, der in die Kampfgebiete des Nahen Ostens gezogen ist.

Diese Einschränkungen können indes nicht davon abhalten, die Vorgänge in dieser Moschee genau zu beobachten. Doch die Fokussierung auf die "Friedensgasse" ist auch heikel: Die meisten Muslime, die dort verkehren, haben mit Radikalisierung nichts am Hut und fühlen sich nun stigmatisiert. Andere Basler Moscheen könnten verdeckter Schauplatz extremistischer Tendenzen sein – oder ein Sportclub wie dieses Frühjahr im Südtessin, wo ein marokkanischstämmiger Kickbox-Trainer seine Sympathien für den Dschihadismus offen zur Schau stellte. Es ist dafür zu plädieren, die Sache etwas nüchterner anzugehen und weitere Ergebnisse abzuwarten.

Der Kommentar von Peter Knechtli vom 30. September 2016


Info
Referat des international bekannten Dschihadismusforschers Gilles Kepel: 3. Oktober, 18.15 Uhr, Universität Basel Kollegienhaus, Saal 118

29. September 2016

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