© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Fehler wieder gutgemacht": Psychiatrie-Doppelfunktionär Konrad Widmer

Für UPK-Präsident Konrad Widmer könnte die Luft dünn werden

Er ist für die Fehlbesetzung von Rita Anton als Direktorin der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel hauptverantwortlich


Von Peter Knechtli


An der Spitze der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) herrscht eine Führungskrise: Verwaltungsrats-Präsident Konrad Widmer rückt nach dem Abgang von Direktorin Rita Anton in den Fokus. Unternehmenskenner halten die Zeit für reif, dass er seinen Präsidenten-Sessel räumt.


Deutlicher als am Mittwoch könnte das Malaise an der UPK-Spitze nicht sein: Das Basler Psychiatrie-Spital trennt sich nach nur zwei Jahren von ihrer Vorsitzenden der Geschäftsleitung Rita Anton (56). Ein Nachfolger ist bei weitem nicht in Sicht. Der vom früheren Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti installierte Verwaltungsrats-Präsident Konrad Widmer ist innerhalb von zwei Jahren interimistisch nun nicht nur der dritte CEO des Unternehmens, sondern derzeit auch operativer und strategischer Leiter zugleich.

Kader-Karussell dreht sich endlos

Diese Rochaden sind keine unglücklichen Einzelfälle. Die Abgänge im obersten Kader der UPK häuften sich in den vergangenen Jahren derart, dass sie nicht mehr als Zufall bezeichnet werden können – vielmehr schon als System. Mehrere Kader verliessen die UPK freiwillig, teilweise ohne eine neue Stelle in Aussicht zu haben, oder Kündigung hin.

Beispiele: Nach dem Abgang von Finanzchef Peter Vogt folgte Christian Schüpbach, doch zu einer langfristig erspriesslichen Zusammenarbeit kam es nicht: Schüpbach hat den Sessel bereits wieder geräumt, neu ist er Finanzchef des Felix Platter-Spitals. Auch Personalchefin Lola Riz a Porta verliess die UPK und wirkt nun ich gleicher Funktion im Universitätsspital.

Auch der langjährige Pflegedienst-Leiter Christoph Cassidy wandte sich von der Geistes-Klinik ab und arbeitet nun im Unternehmensstab der Psychiatrischen Dienste Aargau AG. Kommunikations-Chefin Nicole Riethmüller warf das Handtuch und wechselte als PR-Chefin zur Schweizer Salinen AG. Professor Klaus Schmeck als Direktor und Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie will seine Tätigkeit in der Klinik Ende Jahr aufgeben und sich künftig auf universitäre Forschungsaugaben konzentrieren. Die Liste der Abgänge könnte noch fortgesetzt werden.

Teure Kurzfrist-Direktorin

So flexibel eine universitäre Klinik im Alltag auch sein mag – diese Vielzahl an Mutationen auf Kaderebene und die daraus entstehende Instabilität können nicht ohne Auswirkungen auf den Betrieb bleiben. Unruhe und Verunsicherung machen sich breit und hohe Zusatzkosten fallen an: Die Knall auf Fall verabschiedete Rita Anton wird noch während sechs Monaten den vollen Lohn erhalten – über 100'000 Franken. Ob mit der Kurzfrist-Direktorin zusätzlich eine Abgangs-Entschädigung vereinbart wurde, erfährt die Öffentlichkeit nicht: Die entsprechende Frage von OnlineReports "können und dürfen wir nicht beantworten", liess Widmer ausrichten. "Darüber wurde Stillschweigen vereinbart."

Erfahrene Klinik-Kenner erinnern sich: "Die beste Zeit hatte die UPK unter Direktor Fritz Jenny." Die Ernennung seines Nachfolger Gerhard Ebner, der sich "mit vielen Beratern umgeben" habe, sei "der erste Fehlentscheid" gewesen. Der zweite Fehlentscheid sei – nach der Verselbstständigung des Unternehmens – die Wahl der theologisch weitergebildeten Finanzwirtschafterin Rita Anton durch den von Widmer präsidierten Verwaltungsrat zur Direktorin gewesen.

Klausurtagung ohne Wirkung

"Da ging es bergab mit der Kultur" in der zweitältesten psychiatrischen Klinik der Schweiz, meinte die Quelle. Die sehr redefreudige Deutsche sei "unglaublich egomanisch" aufgetreten und habe die Chefärzte "teilweise wie Buben behandelt". Aus zwei unabhängigen Quellen wurde OnlineReports Aussage Antons zugetragen, sie sei "nicht gewählt worden, um die Ärzte glücklich zu machen".

Vergangenen Sommer soll die Chefin an einer Klausurtagung "hoch anständig" auf ihre schlechte Wirkung auf das Kader hingewiesen worden sein. Fazit: "Sie ging überhaupt nicht darauf ein." Es sei nicht verwunderlich, dass sie auch als frühere Direktorin des Kantonsspitals Obwalden in der Innerschweiz nicht als Glücksbesetzung betrachtet worden sei.

Trainiert Widmer den Rollenwechsel?

Insider wundern sich hingegen über das Arrangement des Interregnums: Dass Widmer die operative Führung übernimmt und nicht etwa der noch vom früheren CEO Ebner eingesetzte stellvertretende Direktor Andreas Windel, der nach Ebners Abtritt die Klinik vorübergehend leitete. Dass in der neuen Krisensituation nicht Windel, der gegenüber OnlineReports mehrfach als "guter Typ" bezeichnet wird, den Betrieb führt, sondern sein Präsident, ist merkwürdig. Denn wozu dient ein Stellvertreter, wenn nicht in erster Linie für den Fall, dass der Chef oder die Chefin ausfällt. Ein Insider hält Widmer zugute: "Indem er sich von seiner Direktorin getrennt hat, hat er wenigstens einen Fehler wieder gutgemacht."

Ein Branchenkenner über den ausgebildeten Psychiater mit MBA-Titel Widmer, dem ein anderer Vertrauter das Prädikat "topkorrekt" gibt: "Er ist viel zu operativ und zu wenig strategisch." Mit der Fehlbesetzung durch Finanzexpertin Anton hält die Quelle auch "das Ende von Widmer als Verwaltungsrats-Präsident" für nicht ausgeschlossen. Macht sich Konrad Widmer mit dem wohl angenehm besoldeten Doppelmandat schon warm für den Rollenwechsel als CEO der Psychiatrischen Universitätsklinik?

"Kein unternehmensweites Wir-Gefühl"

Aus der Pflege-Basis sind differenzierte Meinungen über den Zustand der Klinik zu hören. Da ist die Rede von einer hervorragenden Zusammenarbeit über Abteilungen und gar Bereiche hinweg. Aber zwischen den Mitarbeitenden und der obersten Führungsebene klaffe eine Lücke: "Es gibt kein Wir-Gefühl. Wir sind nicht richtig informiert, wo unsere Klinik überhaupt steht." Begründet wird die fehlende Informations-Durchlässigkeit auch nur schon mit Ausbreitung der Angebote auf einer Fläche von über 14 Hektaren.

Eine Quelle betätigt, dass das UPK-Personal "ausgesprochen treu" ist, räumt aber ein, dass "viele wie in einem Betrieb im Betrieb arbeiten". Das Pflegepersonal habe "ein Verständnis von Basis-Demokratie, das teilweise zu weit geht". Dies äussere sich beispielsweise in einer Ablehnung der Leistungserfassung. So oder so: Klinik-Vertraute sehen der Zukunft mit Besorgnis entgegen.

Noch kaum Resonanz in der Politik

Anders als die Causa "Basler Verkehrsbetriebe" (BVB) – auch sie ein ausgelagerter öffentlich-rechtlicher Betrieb – stiess das Malaise auf UPK-Führungsebene bisher erstaunlicherweise kaum auf Resonanz in der baselstädtischen Politik. Die grossrätliche Geschäftsprüfungs-Kommission (GPK) beschäftigt sich zwar schon seit geraumer Zeit mit der Public Corporate Governance bei verschiedenen selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalten. GPK-Präsident Tobit Schäfer sagte gegenüber OnlineReports, seine Kommission äussere sich "grundsätzlich nicht zu ihren laufenden Geschäften". Vielmehr berichte sie "zu gegebener Zeit" über die Ergebnisse ihrer Beratungen und gebe "Empfehlungen ab, soweit sie von öffentlichem Interesse sind".

Aus dieser etwas sibyllinischen Formulierung kann interpretiert werden, dass auch die Vorgänge im Psychiatrie-Spital bei den staatlichen Geschäftsprüfern angekommen sind.

21. November 2014

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Das alles andere als erstaugustige Wetter heute"

BZ Basel
Wetterprognose
im Newsletter
vom 2. Februar 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das ist aber ein zweitauglustiger Satz.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.