Die Basler Polizei hat "Fieber"

Kaum verhüllte Rücktrittsforderung an Kommandant Markus Mohler


Von Peter Knechtli


Der Basler Polizeikommandant Markus Mohler sei fachlich kompetent, aber extrem führungsschwach und somit Hauptverantwortlicher der schlechten Stimmung im Korps. Dies ist das Fazit der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates, die am Freitag ihren Untersuchungsbericht vorlegte.


Seit Monaten ist das Basler Polizeikorps aufgewühlt: Sylvia Burkhardt, die frühere Beauftrage für das Beschwerdewesen im Polizei- und Militärdepartement, hatte öffentlich die Stimmung im Departement und insbesondere das Verhältnis von Polizeikommandant Markus Mohler zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Basis kritisiert. Burkhardt sprach offen von Mobbing-Fällen und outete sich selbst als eines der Opfer von Kommandant Mohler.

Unüberhörbare Kritik

Die Geschäftsprüfungskommission des Basler Grossen Rates, die den Vorwürfen nachgegangen ist, bestätigt in einem sehr differenzierten Bericht die Tendenz von Burkhardts Aussagen. Zwar herrsche im Korps "im grossen und ganzen keine schlechte Stimmung" und die Mobbing-Fälle seien nicht häufiger als anderswo, doch ds Korps habe "Fieber". Auch sei die Kritik am Kommando, an der Lohngesetzrevision, an fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten und an vorschnellen Disziplinarverfahren unüberhörbar.

Diese Kritik hat eine Person an der operativen Spitze im Visier: Oberst Markus Mohler, seit 19 Jahren Polizeikommandant. Dem promovierten Juristen und leidenschaftlichen Polizeier mit hervorragenden internationalen Kontakten werden nicht nur seine intensiven Reisen "zu Interpol- und anderen Konferenzen in aller Welt" und seine Theorielastigkeit vorgeworfen. Die parlamentarischen Prüfer unter dem Präsidium des freisinnigen Max Pusterla trafen in Hearings auf einen "fachlich überaus kompetenten Polizei-Offizier, der indes selbstherrlich und abgehoben in einer andern Welt lebt, und dem dadurch der nötige Kontakt zur Basis, zum Gros der Korpsangehörigen, schlicht fehlt". Er spreche auch intellektuell nicht dieselbe Sprache wie seine Untergebenen und lasse es an Motivation vermissen.

In ihrem Fazit erkennt die Untersuchungskommission "ein Führungsproblem, das sich insbesondere in gravierenden zwischenmenschlichen Kommunikationsmängeln manifestiert". Zwischen Mannschaft, Offizieren und Kommando bestünden "Gräben, die die schwer zu überwinden sind". Die Kommission fordern möglichst rasche Abhilfe "und zwar ohne Rücksichtnahme auf Personen jedwelcher Hierarchiestufe".

Fehlende Einsicht des Kommandanten

Dies ist eine kaum verhüllte Rücktrittsforderung gegenüber Mohler, die der zuständige Regierungsrat Jörg Schild bisher konsequenz ablehnte. Doch jetzt steigt der Druck auf Schild. Denn zum einen ist nach seiner eigenen Aussage ist fraglich, ob Mohler seinen Führungsstil noch anzupassen in der Lage ist. Zum andern kam die Kommission zur Auffassung, dass bei Mohler Einsicht in die grundsätzliche Problemstellung "kaum wahrzunehmen" sei. Mohler, schon früher wegen der verschwiegenen Staatsschutztätigkeit schadlos unter Beschuss geraten, ist derzeit gefordert wie noch nie: Vergangene Woche verunglückte sein Stellvertreter Ronald Patzold tödlich, als er in einem Dienstwagen ungebremst in einen Brückenpfeiler raste.

3. April 1998


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