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"Völlige Unverhältnismässigkeit": Genozid-Schauplatz Srebrenica 2007

Umstrittener serbienfreundlicher Autor sitzt in Basler U-Haft

Alexander Dorin alias Boris Krljic wurde am 17. Juni verhaftet – die Gründe sind mysteriös


Von Markus Sutter


Der Autor zweier umstrittener Bücher über die Massaker in Srebrenica sitzt seit mehr als einem Monat im Basler Untersuchungs-Gefängnis "Waaghof". Der Fall ist mysteriös: Laut Angaben der Staatsanwaltschaft ist die Festnahme nicht politisch motiviert. Doch über die Haftgründe schweigen sich die Strafverfolger hartnäckig aus.


Der in Basel wohnhafte Publizist Boris Krljic, besser bekannt unter dem Pseudonym Alexander Dorin, befindet sich seit dem 17. Juni dieses Jahres im Untersuchungs-Gefängnis "Waaghof". Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine diesbezügliche Information von OnlineReports. Die Verhaftung des gebürtigen Serben mit Schweizer Staatsbürgerschaft soll keinen politischen Hintergrund haben. Als Autor zweier Bücher über die Massaker von Srebrenica hat sich Dorin einen zweifelhaften Ruf erworben.

"Hilferuf: In der Schweiz ist unter ungeklärten Umständen der Publizist Boris Krljic, bekannt unter seinem Pseudonym Alexander Dorin, verschwunden", verkündete "fit4Russland.com" in einem "Update" am 16. Juli. Dieses Informationsportal mit Kontaktadresse in der Zürcher Gemeinde Neerach will "fit machen für Russland. Wir verstehen uns als Partner von allen Interessenten an Russland, Russischer Sprache, Kultur und Politik."

Spielte der Geheimdienst mit?

Gerüchte und Fragen aus anderen Quellen wie Facebook machten schnell die Runde: In welchem Ausmass wohl der Geheimdienst bei dieser Razzia in Basel beteiligt gewesen sei? Und ob ein Zusammenhang mit Dorins Veröffentlichungen zu den Geschehnissen in Srebrenica während des bosnischen Bürgerkrieges bestanden habe?

Wie dem auch sei: Die Meldungen über den verhafteten serbisch-aktivistischen Schriftsteller aus Basel müssen im hiesigen Blätterwald untergegangen sein. Von den regionalen Medien wurde der Vorfall jedenfalls nicht aufgegriffen.

Verhaftung nicht kommuniziert

Das ist aber auch kein Wunder: "Wir haben die Verhaftung nicht aktiv kommuniziert", sagte Kriminalkommissär René Gsell, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, gegenüber OnlineReports. Öffentliche Bekanntmachung Ja oder Nein: Das hänge nicht zuletzt von der Tragweite ab. Der Fall Dorin wurde vermutlich als zuwenig bedeutend erachtet.



Gsell bestätigte die Verhaftung aber im Grundsatz. Detektive hätten den Schriftsteller am 17. Juni in seiner Wohnung in Basel festgenommen. Er befinde sich nach wie vor im Untersuchungsgefängnis "Waaghof". Festgehalten werden könne jemand, wenn nach wie vor ein Haftgrund bestehe. Das Basler Zwangsmassnahmengericht habe diese Frage bejaht.

Wohnung soll verwüstet worden sein

Laut Angaben der Behörden muss die Staatsanwaltschaft innerhalb von 48 Stunden nach der Festnahme einer beschuldigten Person beim Zwangsmassnahmengericht die Anordnung einer Untersuchungshaft oder einer Ersatzmassnahme beantragen. Sonst ist die Person freizulassen. Haftgründe können Fluchtgefahr, Kollusions- oder Verdunkelungsgefahr sein.

Bei der Razzia soll Dorins Wohnung verwüstet worden sein. Die Kriminalpolizei habe unter anderem Parkettböden aufgerissen, meldet die Tageszeitung "Junge Welt". Gemäss Wikipedia handelt es sich bei der "Jungen Welt" um eine in Berlin domizilierte überregionale deutsche Tageszeitung mit "marxistisch orientiertem Selbstverständnis".

In der Zwischenzeit hat sich auch der Dorins nahestehender Ahriman-Verlag in Freiburg (i.Br.) zum Fall geäussert. Alexander Dorin werde Cannabis-Handel angedichtet. Bei der Verhaftung seien alle seine schriftlichen Unterlagen und Dokumente konfisziert worden. Der Verlag spricht von einer "völligen Unverhältnismässigkeit der Gewaltakte". Dorins Anwalt habe sofort Rechtsmittel eingelegt.

Protest an der Leipziger Buchmesse

Auch auf Nachhaken von OnlineReports bestätigte Gsell nur, dass "Herr Dorin durch die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt verhaftet wurde" und dass eine Strafuntersuchung gegen ihn eröffnet worden sei. "Über die Gründe der Verhaftung können wir Ihnen keine Auskunft erteilen". Nur soviel nochmals: Alexander Dorin werde nicht aus politischen Gründen im Basler Untersuchungsgefängnis festgehalten.

Der gebürtige Serbe Alexander Dorin soll die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzen. Er hatte sich mit seinen zwei Büchern ("Srebrenica. Die Geschichte eines salonfähigen Rassismus" (2009) sowie "Srebrenica wie es wirklich war" (2010) einen umstrittenen Ruf erworben. Der "Tages-Anzeiger" bezeichnete Dorin als "Genozid-Leugner".

An der Leipziger Buchmesse, bei der Vorstellung seines neuen Buches, hatte der Autor einen Proteststurm ausgelöst.

Laut offizieller Version wurden im Juli 1995 vom serbischen Militär mehr als 8’000 Bosniaken – fast ausschliesslich muslimische Männer und Jugendliche zwischen 13 und 78 Jahren – in der Gegend von Srebrenica umgebracht. Das Massaker gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.



Kritische Journalisten als "Serbenhasser" bezeichnet

Aufgrund von eigenen Recherchen relativiert Krljic diesen Sachverhalt kategorisch. In seinen Büchern kommt er zum Schluss, dass es nicht mehr als 2’000 Tote gegeben habe, und dass es sich hierbei zum grössten Teil um Gefechtstote, nicht um Massaker-Opfer gehandelt habe. Dorin erhielt eigenen Angaben zufolge mehrere Morddrohungen.  Selber war er aber auch nicht gerade zimperlich: Gemäss dem "Tages-Anzeiger" vom März dieses Jahres prangerte Dorin kritische Journalisten als Serbenhasser an und publizierte deren Koordinaten.

30. Juli 2015


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