© Foto by OnlineReports.ch
"Partymusik ist kein Straftatbestand": Politiker Wessels und Gass, Polizist Lips

"Die Polizei handelte zweckmässig und bedauert Sachbeschädigungen"

Basler Regierung rechtfertigt in Harmonie die Polizeitaktik rund um die "Revolta"-Randale


Von Peter Knechtli


Die Basler Regierung hält das Vorgehen der Polizei während der Ausschreitungen rund um die Voltamatte am frühen Sonntagmorgen für angemessen. An einer Medienkonferenz heute Dienstagnachmittag demonstrierte sie entgegen von Äusserungen der letzten Tage Harmonie. Allerdings sollen künftig illegale Besetzungen nicht mehr geduldet werden.


"Die Polizei handelte zweckmässig und bedauert die Sachbeschädigungen", sagte Polizeikommandant Gerhard Lips und verteidigte das Vorgehen seiner Einsatzkräfte gegen die Ausschreitungen, die gegen Mitternacht und am frühen Sonntagmorgen aus einer weiteren Party von Okkupanten auf der Voltamatte hervorgingen.

"Nur 10 bis 15 gewalttätige Chaoten"

Dabei übte er auch eine Spur Selbstkritik. So kritisierte Lips die "falschen und unzweckmässigen" Angaben, mit denen empörte Bürger am Telefon von Polizisten "abgespiesen" worden ("wir müssen künftig eine Sprachregelung definieren"). Ebenso sei stimme nicht, dass sich 150 Randalierer im "Revolta"-Bretterdorf aufgehalten hätten. Diese Angabe stand im Communiqué der Polizei. In Tat und Wahrheit habe es sich bloss um einen "härteren Kern" von 10 bis 15 Chaoten gehandelt, die sich aus einer etwa 200 Teilnehmer starken friedlichen Party gelöst und nach Begehen der Sachbeschädigungen wieder in die feiernde Menge zurückgezogen hätten.

Lips verwies darauf, dass es sich bei der Party nicht um eine bewilligungspflichtige Veranstaltung gehandelt habe. "Partymusik bis 22 Uhr ist nicht grundsätzlich ein Straftatbestand." Verschiedene andere Anlässe in der Stadt und ein anonymes SMS ("Basel brännt"), das anspielend auf Zürichs Event-Chaoten auf heisse Szenen in der Umgebung des Bahnhofs hin deuteten, führten zu einem erhöhten Personalaufgebot. Bis am späten Abend habe indes "kein Anlass für eine Intervention" am Voltaplatz bestanden.

Keine Duldung von illegalen Hausbesetzungen

Die Aussagen von Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass und Baudirektor Hans-Peter Wessels erweckten den Eindruck, die Regierung beurteile den Polizeieinsatz unter dem Vorbehalt aller bei solchen Fällen herrschenden Unwägbarkeiten als zufriedenstellend – auch wenn die Sachbeschädigungen in Höhe von 100'000 bis 200'000 Franken zu bedauern seien. "Wir dulden keine illegalen Hausbesetzungen, wollen aber friedliche Zwischennutzungen zulassen", gab Gass die Strategie bekannt, auf die sich die Regierung offenbar an ihrer Sitzung heute Morgen geeinigt hatte.

Wessels bedankte sich bei der Polizei, verwies auf die je nach Besetzung angewandten "unterschiedlichen Taktiken". An der Voltamatte sei "auf meinen Entscheid hin" auf eine vorzeitige Räumung verzichtet worden, nachdem es anfänglich bei Bestehen eines bescheidenen Info-Standes "nur zu zwei bis drei Lärmreklamationen" gekommen sei: "Wir tolerierten die Besetzung, um möglichst wenig Anlass zu Krawall zu geben."

Etwas schönfärberische Harmonie

Schon etwas schönfärberisch wirkte die Einigkeit, die die beiden Regierungsräte zur Schau stellten. Nach dem allzu späten Polizeieinsatz gegen Randale und mindestens vier Feuer (siehe Video-Link unten) waren auch seitens des Sicherheitsdepartements Hinweise genährt worden, wonach der Polizei-Verantwortliche Gass ("ich habe die Schnauze voll") von der links-grünen Regierungsmehrheit zur Duldung der Besetzung samt ihren Lärmimmissionen gezwungen worden sein könnte.

Gass wollte dies an der Medienkonferenz so nicht bestätigen, liess sich aber auf Nachfrage von OnlineReports die Aussage entlocken, "als Polizeidirektor" sei er naturgemäss "eher sensibilisiert" und zu Eingriffen bereit. Auf eine weitere Journalisten-Frage sagte Gass wiederum: "Weder bindet mich die Regierung zurück noch binde ich den Polizeikommandanten zurück." Aber: "Eine absolute Sicherheit gibt es nicht." Wessels: "Wir waren uns zu siebt einig, dass es kein Patentrezept gibt."

Wessels machte geltend, dass die heute Dienstagmorgen geräumte Voltamatte ein "öffentlicher Park" sei, in dem weder Parties noch Rauchen und Trinken verboten werden könnten. "Es gab Lärm bis in die Nachtstunden, aber das haben wir auch an andern Orten." Fragen um den interdepartementalen Informationsfluss kamen auf, als der sozialdemokratische Baudirektor Wessels sagte, "in letzten Zeit" seien "keine Reklamationen aus dem Quartier zu mir durchgedrungen". Merkwürdig: Von solchen Reklamationen an die Polizei ist in der Umgebung des Voltaplatzes an jeder Strassenecke zu hören.

Gewalttäter politisch nicht einzuordnen

Laut Polizeikommandant Lips handelt es sich bei den Gewalttätigen – sei es in den Freien Strasse, im alten Kinderspital oder auf der Voltamatte – um eine neue Pesonengruppe, die "politisch nicht eingeordnet" werden könne und deshalb vom Staatsschutz nicht überwacht wird. Und er räumte ein: "Wir wurden auf dem linken Fuss erwischt."Die parlamentarische Nagelprobe stehe aber noch bevor, wenn der Grosse Rat demnächst über eine Aufstockung des Polizeibestandes und den Aufbau zusätzlicher Videokameras entscheiden müsse.

27. September 2011

Weiterführende Links:



 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Extrem gewunden und um klare Aussagen gedrückt"

Die Herren Gass und Wessels haben sich an der Pressekonferenz vom 27. September extrem gewunden und um klare Aussagen gedrückt. Hingegen wurde wiederholt betont “Wir tolerieren keine illegalen Besetzungen“. Ach ja? Wie war das denn damals beim AJZ, bei der “Alten Stadtgärtnerei“, der Müllheimerstrasse, dem Kino “Union“, usw. ? Und wie ist das heute bei der Rosenau, dem Kinderspital, der Uferstrasse oder der Voltamatte ?

 

Die Rosenau-Besetzer wurden längst “legalisiert“ und den Uferstrasse-Besetzern wurde als Belohnung ein Gelände an der Freiburgstrasse als Ersatz zur Verfügung gestellt.

 

Die Regierung behauptet des Weiteren, es habe keine Weisung an die Polizei gegeben, nicht einzugreifen. Verschiedene Anwohner und Augenzeugen behaupten unabhängig von einander von der Bezirkswache West gegenteilige Auskunft erhalten zu haben. Die Frage ist nun, wer lügt?

 

Könnte es vielleicht sein, dass das Tun der Klientel der rot-grün-netten Regierungsmehrheit von dieser zumindest geduldet, wenn nicht gar gefördert wird um dann, wenn sich die Bürger gezwungenermassen selbst gegen den Pöbel zur Wehr setzen, diese als “Rechtsextreme“ zu brandmarken und mit aller Härte gegen sie vor zu gehen ? Nur so ein Gedanke …

 

Auffällig ist jedenfalls, dass die Verantwortlichen auf dem linken Auge extrem blind sein müssen. Veranstalten z.B. so genannte “Rechtsextreme“ ein fröhliches Fest – notabene im privatem Rahmen auf privatem Grund und in geschlossenen Räumen – fährt die Staatsgewalt innert Stunden mit aller Vehemenz ein. Saubannerzüge, 1.Mai- und Anti-WEF-Krawalle oder eben Besetzungen aller Art werden wohlwollend und diskret begleitet. Irgend etwas ist extrem faul im Staate Basel !

 

Und noch ein Wort zum Kommentar von Herrn Steiner: Verbreiten Sie eigentlich bewusst oder unbewusst falsche Zahlen? Richtig ist, dass ein alleinstehender Sozialhilfeempfänger im Minimum folgende Leistungen bezieht:

 

CHF 960.- Grundbedarf

CHF 100.- Integrationszulage (über 16-jährige)

CHF 600.- max. Netto-Miete plus Nebenkosten

CHF xxx.- 90% der durchschnittlichen KK-Prämie plus Franchisen/Selbstbehalte

Total rund CHF 2‘300.- rein netto und steuerfrei.

 

Fragen Sie mal eine Verkäuferin, Kassiererin, Coiffeuse oder einen AHV-Rentner, was ihnen nach Abzug der Steuern vom Lohn noch übrig bleibt.


Abdul R. Furrer, Basel


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.