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"Ich erkläre meinen Rücktritt": Demissionierender Gysin, Parteifreunde

Hans Rudolf Gysin wirft das Handtuch: Rücktritt

Überraschender Verzicht auf Wiederkandidatur / Ex-BaZ-Verleger Martin Wagner als Nationalratskandidat nominiert


Von Peter Knechtli


Paukenschlag am Nominations-Parteitag der FDP Baselland heute Dienstagabend: Nationalrat Hans Rudolf Gysin gab überraschend den Rücktritt bekannt. Jetzt gehen die Freisinnigen ohne Bisherigen-Bonus ins Rennen, dafür unter anderem mit zwei Frauen und dem ehemaligen BaZ-Verleger Martin Wagner.


Der 70-jährige Baselbieter FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin gab am Nominationsparteitag heute Dienstagabend in Pratteln den Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt. Er wird damit nach 24 Jahren zu Ende der Legislatur zurücktreten. Seinen Rücktritt gab Gysin gleich zu Beginn des Nominationsverfahrens bekannt. Er begründete seinen Schritt nicht näher, obschon er durch den Parteirat vor wenigen Wochen in den Status des "Vornominierten" erhoben wurde. Wörtlich sagte Gysin: "Ich erkläre meinen Rücktritt von der Nominationsliste. Das heisst, ich stelle mich nicht mehr für die Wiederwahl zur Verfügung."

Stehende Ovation für Gysin

Die Parteileitung war von Gysins Entscheid offensichtlich überrascht worden. Bei Gysins Rücktrittserklärung ging ein Raunen durch die Versammlung, die dem Demissionierenden anschliessend eine stehende Ovation (Bild) bot.

Zuvor sagte der langjährige Volksvertreter, die Liste der potenziellen Kandidierenden weise "Persönlichkeiten auf, die mehr als nur valabel sind". Er habe in den letzten Wochen "auch meine eigene Position überdacht" und eine "Standortbestimmung" vorgenommen. "Oft ist ein Rücktritt auch ein Fortschritt." Gegenüber OnlineReports sagte Gysin, er habe diesen Entscheid "heute Dienstagnachmittag" gefällt, nachdem ihm die "gute Liste von insgesamt elf Interessenten vorgelegen habe". Erst heute Nachmittag habe er auch seine Rücktrittsrede geschrieben.

Noch acht Bewerber blieben

Wie OnlineReports heute Dienstag schon vermutete, zogen auch Vizepräsidentin Christine Pezzetta und der Laufener Landrat Rolf Richterich ihre Bereitschaft zur Nomination zurück, so dass noch acht Bewerbende blieben. Dagegen bot sich Franz Saladin, der gestern Montagabend nach 22 Uhr frisch gewählte neue Direktor der Handelskammer beider Basel, als Kandidat und Mann der Wirtschaft an. Die Basis gab dem 44-Jährigen einen Applaus zu Ehren seiner Wahl an die operative Spitze der Handelskammer. Diese Organisation werde sich "stark dafür einsetzen, dass wir erfolgreich sein werden in diesem Wahlkampf".

Mit Spannung war die Vorstellung des Quereinsteigers Martin Wagner (Bild) erwartet worden. Der 50-jährige Wirtschaftsanwalt und Multi-Verwaltungsrat aus Rünenberg bot sich als einer an, der mithelfen wolle, den Baselbieter FDP-Nationalratssitz zu retten. Diese Partei brauche in der zunehmend virtuellen Welt eine Verjüngung, sagte Wagner.  Die FDP müsse "wieder zur Marke des Freisinns" werden. Der Versammlung stellte sich das FDP-Neumitglied als grundliberaler Freisinniger und als Fan des FCB ("der wird nächstes Jahr in der Champions League spielen") vor. Als "Weltwoche"-Präsident bekräftigte der frühere Tettamanti-Geschäftspartner, er werde auch in Zukunft für "guten Journalismus" kämpfen.

Zwei Frauen auf der Siebnerliste

Obschon sie heute Mittag beim gemeinsamen Lunch in einer Bubendörfer Gaststätte von einem aufmerksamen OnlineReports-Leser erblickt worden waren, dementierten sowohl Gysin (auf Audio-File unten klicken) wie Wagner, als langjährige Geschäftspartner eine "Seilschaft" gebildet und den Coup vorbereitet zu haben.

Nominiert wurden im ersten Wahlgang sodann: Stephanie Eymann Schneider (Eptingen), Paul Hofer (Oberwil), Franz Saladin (Duggingen), Patrick Schäfli (Pratteln), Daniela Schneeberger (Thürnen), Balz Stückelberger (Arlesheim) und Martin Wagner (Rünenberg). Heiner Schärer (Therwil), erreichte ebenso das Absolute Mehr, fiel aber als überzählig aus dem Rennen.

Stimmfreigabe zu den Ständeratswahlen

Für die Ständeratswahlen beantragte der Parteivorstand Stimmfreigabe. Der ehemalige Landrat Paul Schär regte an "klar Position zu beziehen". Eine Stimmfreigabe müsse "klar begründet" werden. Nach einer lebhaften Diskussion folgte die Partei dem Antrag des Vorstandes. Zuvor war eine Antrag auf Unterstützung der CVP-Ständeratskandidatin Elisabeth Schneider-Schneiter klar abgelehnt werden. Der Antrag von alt-Landratspräsident Hanspeter Frey, im Fall eines zweiten Wahlgangs die bestplatzierte bürgerliche Kandidatur zu unterstützen, wurde deutlich abgelehnt.

Zur Listenverbindung beantragte der Vorstand, diesen Entscheid dem Parteirat zu überlassen, was die Versammlung grossmehrheitlich absegnete.

Zu Beginn des Parteitags sagte Kantonalpräsident Michael Herrmann, die Baselbieter FDP habe bei den Gesamterneuerungswahlen am 27. März "eine regelrechte Klatsche" eingefangen. Die Parteileitung habe aber reagiert und  Massnahmen eingeleitet. Seither spüre er eine "grosse Solidarität". Die Partei müsse jetzt "zusammenstehen für die Monate, die bevorstehen". Denn, Herrmann: "Wir sind und bleiben das liberale Original. Ich will gewinnen, ich kämpfe wie ein Löwe. Und ich spüre die Kraft, die in dieser FDP steckt", machte Herrmann seiner Basis Mut.

10. Mai 2011

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