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Ausschwärmen statt erratisch sein: Studenten-Akquisiteur Professor Richli

Die Basler Uni gibt sich Sporen

Mit unkonventioneller Akquisitions-Offensive gegen sinkende Studentenzahlen


Von Peter Knechtli


Im Kampf gegen sinkende Studentenzahlen geht die Universität Basel unter der Federführung von Rechtsprofessor und Vizerektor Paul Richli in die Offensive: Statt zu warten, bis sich der intellektuelle Nachwuchs für sie interessiert, will die älteste Uni der Schweiz jetzt in der ganzen Schweiz aktiv Studentinnen und Studenten akquirieren.


Das Projekt mit einem Budget von gut einer halben Million Franken startet am 1. Januar 2001 und ist auf drei Jahre befristet.

"Etwa 30 Bewerbungen" waren das Echo auf ein Stelleninserat der Uni Mitte August, freut sich der Rechtsprofessor und Vizerektor Paul Richli. Unter ihnen sollen jetzt eine Frau und ein Mann ausgewählt werden, die sich 120 Stellenprozent teilen mit dem Ziel, den Abwärtstrend an der Basler Alma Mater zu brechen: 7'958 Studierende waren im Wintersemester 1996 immatrikuliert, letztes Wintersemester waren es noch deren 7'783. Während die Zahlen aus der übrigen Schweiz und dem Ausland leicht anstiegen, ist der Einbruch im Heimmarkt der beiden Basler Halbkantone besonders krass. Der Rückgang an Studierenden aus dem benachbarten Baselbiet wähend der letzten vier Jahre beträgt gegen zehn Prozent.

Teilweise verstaubtes Image

Die einen sehen im dringend renovierungsbedürftigen Kollegiengebäude mit seiner unzeitgemässen Infrastruktur den Inbegriff eines teils verstaubten Rufs. Andere wie Rolf Soiron, Präsident des Universitätsrates, wollen nichts von einem Notstand wissen und ordnen die geplanten Marketingaktivitäten als "rechtzeitige Reaktion auf eine demografische Entwicklung" ein.

Herrscht in den Fächern Psychologie und Geografie starker Andrang, sind teure leere Studienplätze insbesondere in den Bereichen Chemie, Zahnmedizin, Biologie, Teilen der Phil.I-Fakultät sowie Mathematik, Physik und Theologie auszumachen. Darum hat die Akquisitions-Offensive auch einen finanziellen Hintergrund: Laut der neuen interkantonalen Universitätsvereinbarung mit den Nichthochschulkantonen spielt jeder Student jährlich zwischen 9'500 (Geisteswissenschaften) und 46'000 Franken (Human-, Zahn- und Veterinärmedizin) ein. Darum ist Standort-Beliebtheit politisch von Belang: Laut Soiron entwickelt sich neben der Einwerbung von Drittmitteln und der Intensität an Forschungskooperationen immer mehr auch die genügende Auslastung mit Studierenden zum Subventions-Kriterium.

Akquirierende sollen "Dynamik und Frische ausstrahlen"

Als Akquisiteure wünscht sich Projektleiter Richli zwei kommunikative Fachkräfte, die "Dynamik und Frische verbreiten" und gleichzeitig über "optimalen Sachverstand" verfügen. Sie sollen Konzepte, Drucksachen, Powerpoint-Präsentationen und spritzige Websites erarbeiten, aber auch in Gymnasien ausschwärmen und durch persönliche Präsenz überzeugend wirken. Zielgruppen sind hauptsächlich die angehenden Studierenden, Rektorate und Lehrer, selbst die Eltern kommen in Frage.

Aufgabe der Werbetreibenden ist es zunächst, die doppelten Jahrgänge an den Berner und Zürcher Gymnasien für das Basler Bildungs-Mekka zu begeistern. "Wir sind in der Schweiz am konsequentesten daran, die Studiengänge zu erneuern und attraktive Kombinationsmöglichkeiten anzubieten", glaubt Paul Richli. Überdies sollen auch kulturelle Vorzüge und Lebensqualität der Rheinstadt am Dreiländereck bis hin zu den "enormen Angeboten im Bereich Universitäts-Sport" sinnlicher als bisher vermittelt werden. Weiterer Pluspunkt: Diese Woche hat der Universitätsrat massgeschneiderte kleine Bilingue-Angebot für jurassische Studenten beschlossen, so beispielweise einen Intensivkurs in Deutsch.

25. September 2000


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