Peter Achten - De Gustibus

<< [ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 30 ] >>

Harry’s Bar in Sanlitunr: Peking-Mojito

Die Pekinger Sommer haben es in sich. Monatelang ist es heiss, glimmernd heiss, und der Durst entsprechend gross. Der kluge Leser und die charmante Leserin erinnert sich vielleicht, dass ich mich einmal in einer Kolumne vergangenen Februar als  bekennender Tee-Liebhaber zu erkennen gab. Das Beste gegen den Durst freilich ist Wasser. Mit oder ohne Krälleli. Die Amerikaner haben es am liebsten eisgekühlt. Doch Lehrer Liu Laoshi unterwies mich schon in meinem ersten Peking-Sommer vor ach so manchen Jahren, dass der Durst am besten durch warmes, ja heisses Wasser gestillt werden kann. Er hat recht. Deshalb bin ich ja dann auch Tee-Liebhaber geworden.

Aber auch Wasser pur ist meist nicht ohne Grund von der Tischkante zu weisen. In Peking und Shanghai ist man in noblen, extrem teuren Restaurants bereits so weit, dass einem ein Wasser-Sommelier gute Ratschläge erteilt. Vielleicht doch etwas übertrieben, aber für die Reichen und Schönen wohl angemessen. Evian, Perrier oder San Pelegrino? So fragt der Sommelier etwa. Mit oder still? Höflich antworte ich, ob denn das Eptinger oder Henniez meiner Jugend oder das Aproz meiner Mitlife-Crisis hier erhältlich sei. Oder noch besser ein Rhäzünser weil gsünzer. Gibt es natürlich nicht. Ebensowenig allerdings ein Laoshan, ein vorzügliches Mineralwasser aus heimischer Produktion. Auch Hahnenburger ist tabu, obwohl – man staune – im umweltverschmutzten Peking durchaus trinkbar.

Dem Wasser-, Wein-, Bier- oder Tee-Sommelier ziehe ich Liu Peng vor. Seit wenigen Monaten hat er sich mit viel kalkuliertem Risiko in Sanlitunr etabliert, einer Pekinger Nachbarschaft, wo schon in den nachrevolutionären 1980er Jahren die erste Bar Chinas eröffnet worden ist. Damals ein "bourgeoiser" Akt des Widerspruchs. Heute blüht Sanlitunr. Die Schönen, Reichen, Halbreichen und einige Ausländer bevölkern abends zu Tausenden das Quartier. Wie im Westen ist bei einigen Chinesinnen und Chinesen die Spassgesellschaft zur Norm geworden. Also Fun, Party, kurz anything goes.

Der 28 Jahre alte Liu Lipeng (Bild), der sich auch Harry nennt, hat klassische chinesische Literatur studiert, mit Abschluss. Ein brot- beziehungsweise reisloser Beruf in seiner Heimatprovinz Hubei. Durch einen Designer-Freund darauf aufmerksam gemacht, dass in Peking die Post abgeht, hat Xiao Liu – der kleine Liu, wie Ältere Junge nennen dürfen – seine Sachen gepackt und seine Ersparnisse zusammengekratzt. Die Bar, die Xiao Liu eröffnet hat, trägt den etwas komplizierten Namen "Ich warte in der Ecke auf Euch". Warum nicht "Harry's Bar"? – schlage ich vor. Liu wird es sich überlegen. Er hat direkt an einer belebten Strasse acht Quadratmeter für seine Bar gemietet. Kostenpunkt: satte 8'000 Yuan pro Monat, umgerechnet rund 1'200 Franken. Dazu hat er umgerechnet rund 10'000 Franken für die Einrichtung, Kühlschrank, Eismaschine, Spirituosen und dergleichen investiert.  

Bereits nach vier Monaten hat Xiao Liu seine Investition herausgeholt. Kein Wunder, denn er hat sich auf wenige Cocktails spezialisiert, die abends reissend Absatz finden. Die Leute drängen sich um die kleine Bar. Die Preise sind verglichen mit der Konkurrenz äusserst moderat, vor allem aber ist die Qualität verglichen selbst mit noblen, exklusiven Clubs herausragend. Xiao Lius bestselling Cocktails sind der kubanische Mojito (siehe Rezept), gefolgt vom Cuba Libre, der Frozen Mango Marguerita und der brasilianischen Caipirinha.

Pro Becher mit Strohhalm kostet das 15 Yuan oder umgerechnet 2.10 Franken. Unschlagbar. Aber bei Xiao Liu gibt es auch Nicht-Alkoholisches, zum Beispiel Mango-Tee, Hong Kong Milch-Tee, eisgekühlter Orangen-Tee oder – wie Lehrer Liu Laoshi es gerne hat – ein simpler heisser Schwarztee mit Zitrone.

Liu Pengs Bar in Sanlitunr kann sich, was die Qualität des Mojitos betrifft, durchaus mit jenem im "Ambos Mundos" in der Altstadt von Havanna messen. Papa Hemingway hätte an Xiao Lius Mojito seine helle Freude gehabt, und er hätte auch in Sanlitunr einen Extra-Schuss Rum bekommen. Vom besten, wohlverstanden, denn Liu Peng verwendet vor allem Ron Mulata de Cuba Silver Dry, direkt importiert von den Genossen in Kuba. Lius Mojito, finde ich, ist der beste östlich und westlich von Havanna. Hier das Rezept. Prost!

Peking-Mojito

Zutaten:

-    5 cl weisser kubanischer Rum (Ron Mulata)
-    2 cl Limettensaft
-    Fein geraspelter Ingwer
-    Vanilla-Pulver
-    Frische Minze (Mentha Nemorosa, Hierba Buena, auch Hemingway-Minze genannt)
-    4 Teelöffel Zucker-Sirup
-    4 cl Sodawasser

Zubereitung:
Frischen Limettensaft, Zucker, Minzblätter, Vanilla-Pulver und Ingwer in eine grosses Glas geben. Zerstampfen und umrühren. Danach Rum hinzugeben. Wenige Minuten ziehen lassen. Zerstossenes Eis dazu geben. Sodawasser darüber giessen.

20. August 2012
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Achten, geboren 1939 in Basel, lebt und arbeitet in Peking. Er ist seit 1967 journalistisch tätig. Seine Karriere begann er bei "National-Zeitung" und "Basler Nachrichten" als Lokalredaktor, arbeitete später als Radio-Korrespondent aus Madrid. 1974 wechselte er zum Schweizer Fernsehen, wo er Produzent / Moderator der "Tagesschau" und Mitglied der Chefredaktion wurde. Mit Sitz in Beijing, Hanoi und Hongkong arbeitete Achten ab 1986 als Fernost-Korrespondent für Schweizer Radio DRS sowie verschiedene Schweizer Tageszeitungen. Zwischen 1990 und 1994 war er in Washington USA-Korrespondent für SF DRS. Von 1997 bis 1999 war er Chief Representative für Ringier in Vietnam. Von 1999 bis 2008 war Peter Achten Asienkorrespondent für Schweizer Radio DRS sowie für Ringier-Titel und Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins "China International Business". Spektakulär waren seine Radio-Reportagen über den blutig niedergeschlagenen Volksaufstand im Frühjahr 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Beijing, den Tsunami in Banda Acah 2004 und den Zyklon in Burma 2008. Heute arbeitet PA als freier Asien-Korrespondent mit Sitz in Peking.

© Foto by OnlineReports.ch

pedro.achten@gmail.com

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Temperaturen kratzen heute am Gefrierpunkt."

BZ Basel
Newsletter
vom 1. Dezember 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Hinterliessen sie Spuren, die Temperaturen?

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.