Peter Achten: Brief aus ...

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... Peking: Diesmal zum Letzten

Dies ist der letzte Brief aus Peking, der letzte "Brief aus ..." überhaupt. Nun ist es nicht so, dass ich des Reisens oder Schreibens müde geworden bin. Im Gegenteil. Aber nach fünf Jahren und 72 Briefen ist mir die Tinte ausgegangen. Die Tinte? Ja, die Tinte! Liebe OnlineReports-Leserin, geschätzter OnlineReports-Leser, Sie erinnern sich gewiss, dass ich damals beim ersten Brief versprochen habe, jeden einzelnen von Hand mit Tinte auf weisses Papier zu schreiben, bevor ich ihn dem Zeitgeist ensprechend per Computer digitalisiere und Chefredaktor Peter Knechtli per Email zusende. So ist es geblieben. Bis auf den heutigen Tag.
 
Ein Detail sei hier hervorgehoben. Die Füllfeder, die ich immer benutzte, war eine, die noch nicht mit den modernen Tintenpatronen funktioniert. Ob Sie es glauben oder nicht, ich hatte ganz unzeitgemäss immer ein Tinten-Fässchen mit auf der Reise, um meinen Füllhalter hin und wieder aufzutanken. Einmal ist das Tinten-Fässchen im Koffer gar ausgelaufen. Mit bösen Folgen für meine weissen Hemden.
 
Neulich ist mir die Tinte schon fast ausgegangen, Zeit also für Nachschub zu sorgen. Nichts einfacher als das. Dachte ich. Aber dort an der Pekinger Einkaufsmeile Wanfujing im Zentrum Pekings, wo ich über Jahre immer meine Fässchen gekauft habe, liess mich die Verkäuferin wissen, dass dieser Artikel wegen allzu geringer Nachfrage nicht mehr im Sortiment geführt werde. Sie kenne mich ja schon lange, meinte sie, ob sie mir nicht diesen wunderbaren Füllhalter mit Patronen beliebt machen könnte. Sie konnte nicht. Ich lehnte dankend ab. Als Purist und Retro-Fossil begnüge ich mich natürlich weder mit Fülli-Patronen und noch viel weniger mit einem Kugelschreiber. Es muss schwarze Tinte im Fass sein. Wenn schon, denn schon. Folglich eindeutig der Computer.
 
Weil ich also mein anfängliches Versprechen – nämlich Tinte und weisses Papier – nicht mehr einhalten kann, ist dies nach all den Jahren der letzte handgeschriebene Brief. Es ist aber keineswegs ein Abschiedsbrief. Vielmehr geht es weiter. Mit dem Computer. Und dies vor allem: mit einer thematisch neuen Kolumne.
 
Neben dem Wetter ist Essen gewiss das wichtigste Konversationsthema. Weil Journalisten ja auch hin und wieder essen – und trinken ... – müssen, liegt das Thema auf der Hand. Auf all den Reisen in Asien ist Essen ein besonderer Genuss. In China gar nimmt Essen einen besonderen Platz ein. Zwar träumen auch Schweizer im Ausland von Bratwurst, Rösti, Cervelatsalat oder Fondue, doch Chinesen im Ausland sind spätestens nach dem dritten Tag in Europa, Amerika oder Australien todunglücklich, wenn sie nicht Nudeln, Reis, Jiaozi, Gemüse mit Stäbchen reinschieben oder scharf-saure Suppe schlürfen können.

Auch das hat, wie fast alles in China, einen ernsten  geschichtlichen Hintergrund. Seit Jahrhunderten nämlich wurde das Reich der Mitte regelmässig von grossen Hungersnöten heimgesucht, das letzte Mal vor knapp fünfzig Jahren, als beim utopischen "Grossen Sprung nach Vorn" des Grossen Steuermanns Maodsedung 1958-61 zwischen zwanzig und dreissig Millionen Menschen verhungerten. Hunger ist also im kollektiven Bewusstsein Chinas tief verankert. Essen hat deshalb einen besonderen Stellenwert.
 
Der Kolumen-Titel soll "De Gustibus" heissen. Schliesslich ist OnlineReports.ch in der Humanistenstadt Basel domiziliert, und deshalb ist ein lateinisches Sprichwort aus dem europäischen Mittelalter durchaus zumutbar. Im vollen  Wortlaut sagen wir alten Chinesen – exgüsi, wir alten Lateiner natürlich – "De Gustibus Non Est Disputandum", was auf Standard-Deutsch etwa heissen will, dass man über Geschmack nicht streiten kann. Allerdings könnte man auch sagen: "De Gustibus, Aut Bene Aut Nihil", das heisst, Geschmack hat man oder eben nicht.

So elitär wollen wir es in der neuen Kolumne "De Gustibus" ab Januar auf OnlineReports.ch allerdings nicht halten. Vielmehr sei dem salomonischen Diktum "Suum Cuique" nachgelebt beziehungsweise nachgegessen: Jedem das seine.

20. Dezember 2010
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Peter Achten, geboren 1939 in Basel, lebt und arbeitet in Peking (Beijing). Er ist seit 1967 journalistisch tätig. Seine Karriere begann er bei "National-Zeitung" und "Basler Nachrichten" als Lokalredaktor, arbeitete später als Radio-Korrespondent aus Madrid. 1974 wechselte er zum Schweizer Fernsehen, wo er Produzent / Moderator der "Tagesschau" und Mitglied der Chefredaktion wurde. Mit Sitz in Beijing, Hanoi und Hongkong arbeitete Achten ab 1986 als Fernost-Korrespondent für Schweizer Radio DRS sowie verschiedene Schweizer Tageszeitungen. Zwischen 1990 und 1994 war er in Washington USA-Korrespondent für SF DRS. Von 1997 bis 1999 war er Chief Representative für Ringier in Vietnam. Von 1999 bis 2008 war Peter Achten Asienkorrespondent für Schweizer Radio DRS sowie für Ringier-Titel und Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins "China International Business". Spektakulär waren seine Radio-Reportagen über den blutig niedergeschlagenen Volksaufstand im Frühjahr 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Beijing, den Tsunami in Banda Acah 2004 und den Zyklon in Burma 2008. Heute arbeitet PA als freier Asien-Korrespondent mit Sitz in Peking.

© Foto by OnlineReports.ch

mailto:peter.achten@usa.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Wie schön, dass es trotzdem weitergeht"

Wir, die wir gerne aus dem Fässli schreiben, sind halt im wahrsten Sinne des Wortes "Auslaufmodelle". Wie schön, dass es trotzdem weitergeht mit den Kolumnen, denn das Lesen hat neben vielen anderen Qualitäten den unstreitbaren Vorteil, dass es (laut NZZ) "keinen Lärm macht".


Beatrice Alder, Basel


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Frisch pubertiert

Nicht nur "fräch und härzig"
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"An jedem Dienstag im Mai 1994 reiste ich (...) mit dem Zug in die Romandie, um für Radio Basilisk die Partie zwischen Carouge und dem FCB zu kommentieren."

Basler Zeitung
vom 3. Mai 2019
in einem Zitat
von Jakob Gubler
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Damals wurden im Wonnemonat die Spiele aus Wonne jeden Dienstag wiederholt.

RückSpiegel


Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Die OnlineReports-Recherche über die Zukunft des Basler "Viertel-Kreis" wurde von der Gundeldinger Zeitung aufgenommen.

Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augustburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.