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"Es muss gemütlich sein": Hobby-Besenbinder Ueli Buess, Karl Erni und Max Gass

Wenslinger Besenbinder feiern Urständ

Im Oberbaselbieter Bauerndorf werden aus einheimischen Birken wieder Reisbesen hergestellt


Von Peter Knechtli


Im Oberbaselbieter Bauerndorf Wenslingen wird eine alte Tradition neu belebt: Aus Birkentrieben werden - wie früher - robuste Reisbesen hergestellt und später am Regionalmarkt in Oltingen verkauft. OnlineReports nahm heute Nachmittag einen Augenschein.


In der Scheune der Hinteren Gasse 77 ist Betrieb: Der Bauer Max Gass (72), der frühere Agronom und heutige Bauer Ueli Buess (65) und der pensionierte Versicherungs-Aussendienstmann Karl Erni (64) arbeiten einander in die Hände. Unterstützt werden sie vom Biologen-Ehepaar Dorli und Hans Meier sowie ihrem Sohn Remigius. Von massiven Birkenästen werden die brauchbaren Triebe abgetrennt, zurecht geschnitten, im so genannten Besenbinder zusammengezwängt und mit Draht zusammengebunden.

Straff gebündelt, solide zurechtgeschnitten und sorgfältig konfektioniert sind bis am Ende des Nachmittags gegen 50 Besen, die am 23. und 24. April zum Preis von zehn Franken am Markt im Nachbardorf Oltingen verkauft werden. Bierernst nehmen die Handwerker ihre Arbeit nicht: Zwischendurch gibt's Wein, Käse, Kaffee und Süsses - und keine geringe Menge an Spass. "Es muss gemütlich sein, da muss auch ein Spruch seinen Platz haben", sagt Max Gass und gibt gleich den nächsten zum Besten.

Billig-Konkurrenz aus China

Die Besenherstellung war einer der Hauptgründe, weshalb die Bauern früher entlang von Dorfstrassen und Bächen, aber auch in Baumgärten Birken pflanzten. Ihre feinen Äste haben, wie die Heckenkirsche, zur Herstellung von Reisbesen genau die richten Eigenschaften: Sie sind einerseits elastisch, anderseits aber recht widerstandsfähig. Birkenbesen wurden von den Bauern vorzugsweise zum Wischen von Vorplätzen oder Strassen verwendet, wogegen im Stall eher die etwas härteren Heckenkirschen-Besen verwendet wurden. Allerdings müssen die Birken als drei bis vier Jahre geschnitten werden, "damit es gutes Besenreis gibt", wie am Schauplatz zu erfahren ist. "Am stabilsten sind die Endtriebe." Doch das breit betriebene Handwerk zum Eigenbedarf ist längst verschwunden. "Ich habe vor 35 jahren den letzten Besen gebunden", erinnert sich Ueli Buess. Grund: "Es gibt weniger Ställe und die Strassen werden maschinell gewischt." Zudem kosten aus China importierte Stallbesen aus Bambus bloss rund vier Franken.

Die Besenbinder sind überzeugt, dass ihre ausschliesslich handgefertigten Produkte aus einheimischem Holz kommenden Monat ebenso reissenden Absatz finden wie vergangenes Jahr, als die robusten Wenslinger Wisch-Werkzeuge erstmals nach Jahrzehnten wieder auf einem Oberbaselbieter Markt auftauchten. Kunden sind nicht nur Landwirte, sondern "Querbeet"-Nutzer - so auch Eigenheim-Besitzer, denen das Wischen mit Besen aus eigener Produktion Lustgewinn bereitet.

Initiative einer engagierten Naturschützerin

Die Initiative zur Wenslinger Besen-Produktion hatte die mit ihrer Familie im 680-Seelen-Dorf auf dem Tafeljura ansässige Biologin und engagierte Naturschützerin Dorli Meier ergriffen. Von Landwirten, die das Handwerk noch beherrschten, erhielt sie spontan Unterstützung. Dieses Jahr war bereits personeller Zuwachs zu verzeichnen. Dorli Meier treibt nicht der Ehrgeiz, die Produktion zu steigern und allmählich in kommerziellen Dimensionen zu denken. Wichtig ist ihr, dass eine altes Handwerk nicht ganz verloren geht.

Für Max Gass, Ueli Buess und Karl Erni jedenfalls ist heute schon klar, dass sie nächstes Jahr beim Besenbinden wieder dabei sind - "wenn wir dann noch mögen und es uns noch gibt", wie Max Gass anfügt, um nach einer Lokalepisode gleich zum nächsten Spruch anzusetzen: "Am besten ist es immer noch, wenn jeder vor seiner eigenen Türe wischt."

30. März 2005


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"Dieses Projekt ist grossartig"

Ich finde es grossartig, dass diese Männer und Frau Meier das alte Handwerk der Besenbinder wieder aufgenommen haben. Ich durfte damals als kleiner Bub (Jahrgang 1929) bei meinen Grossvater auch mithelfen, Besen zu binden. Ich wünsche den Wenslinger Besenbindern viel Spass und Erfolg.


Othmar Freytag, Allschwil


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"Rentenmassaker auf Kosten der Staatsangestellten"

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