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"Tierschutz ist für das Wohl der Gesellschaft": Gefangenes Hausschwein

Bei Tierquälerei sollten die Alarmglocken schrillen

Weniger Gewalt gegen Tiere bedeutet weniger Gewalt in der Gesellschaft


Von Matthias Brunner


Zwischen Tierquälerei und Gewalt gegenüber Menschen besteht oft ein Zusammenhang. Bei Tiermissbrauch sollten deshalb im Verfahren die staatlichen Stellen vernetzt zusammenarbeiten, wurde an einer Tagung in Zürich gefordert. Das Ziel müsse eine Gesellschaft mit weniger Gewalt sein, erklärte der Gerichtspsychiater Frank Urbaniok.


Fast täglich sind wir mit Machtmissbrauch konfrontiert: Sei es der Manager, der seine Kompetenzen zu seinen Gunsten überschreitet, der Chef, der ungerechtfertigte Forderungen gegenüber seinen Untergebenen stellt, der Ehemann, der seine Frau oder Kinder physisch oder psychisch unter Druck setzt. Auf der untersten Sprosse dieser Hierarchieleiter stehen die Tiere. Sie sind deshalb oft besonders leicht Opfer von Gewalt.

"Ein Täter kann eine Straftat deswegen begehen, weil er sich in diesem Moment gegenüber seinem Opfer im Vorteil befindet", stellte Frank Urbaniok, Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PDD) des Justizvollzugs im Kanton Zürich, an der Veranstaltung mit dem Titel "Tierquälerei und Kriminalität" des Schweizer Tierschutzes (STS) im Nobelhotel "Marriot" in Zürich gestern Mittwochabend lapidar fest.

Wer Tiere quält, könnte auch Menschen quälen

Aufhorchen lässt die Aussage von Andrea M. Beetz, die am Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation der Universität Rostock in Deutschland tätig ist: "Tierquälerei kann wichtige Hinweise auf eine grundlegende Störung eines Gewalttäters geben." Immer mehr klinische Studien lägen vor, die einen Zusammenhang von Tierquälerei und zwischenmenschlicher Gewalt belegten. So hätten beispielsweise rund 25 Prozent der untersuchten pädosexuellen Täter auch Tiere gequält. Deshalb sei Tierquälerei ein wichtiges Kriterium zur Diagnose von Störungen des Sozialverhaltens. "Tierschutz ist nicht nur für das Wohl der Tiere, sondern der Gesellschaft wichtig", folgerte Beetz.

Urbaniok bestätigte, dass dieser Aspekt bei Risikokalkulationen zur Beurteilung von Gewalttätern eine hohe Aussagekraft zukomme. Allerdings könnten Menschen, welche solche risikorelevanten Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, kaum im Voraus an einer Gewalttat gehindert werden. Von härteren Strafen könnten nur jene potentiellen Täter abgeschreckt werden, welche aus dem Moment heraus handelten. "Wenn zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug unterschieden wird, erleichtert dies bestimmte Verhaltensweisen", meinte Urbaniok nicht ohne eine gewisse Ironie mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse in der Schweiz.

Tieranwälte sind notwendig

Anschaulich konnte Antoine F. Goetschel aus der Praxis des Kantons Zürich berichten. Der bisher weltweit einzige Tieranwalt belegte seine Ausführungen mit Zahlen. Von 1982 bis 2008 hat die Stiftung Tier im Recht (TIR) insgesamt 6'495 Straffälle im Zusammenhang mit Tieren erfasst. Seit 2008 sei eine deutliche Zunahme feststellbar, wobei vor allem Hunde betroffen seien.

Allerdings sind die kantonalen Unterschiede bei den gemeldeten Delikten gegen das Tierschutzgesetz erheblich. "Tiere können ja ihren Wohnsitz nicht aussuchen", meinte Goetschel mit einem sanften Seitenhieb auf einzelne Kantone, die kaum Tierschutzvergehen verfolgen. Deshalb verlangt der STS mit seiner eidgenössischen Volksinitiative, die am kommenden 7. März zur Abstimmung kommt, dass alle Kantone Tieranwälte zur Vertretung der Tiere als betroffene Opfer einsetzen müssen.

"Eine Gesellschaft mit weniger Gewalt"

Eine der Ursachen für die allgemein zunehmende Gewaltbereitschaft sieht Gerichtspsychiater Urbaniok in einer Mentalität des "anything goes" und der "immer noch schnelleren und skrupelloseren Lebensweise", die heute als "cool" gelte.

Ohne romantische Verklärung spannte der Psychiater und Forensiker einen gesamtgesellschaftlichen Bogen: "Es geht darum, sich für eine Gesellschaft mit weniger Gewalt, weniger Missbrauch, weniger Ausbeutung, weniger Betrug und damit auch mit weniger Opfern einzusetzen." Dazu gehörten zweifelsfrei auch die basalen, also die grundsätzlichen Rechte der Tiere.

11. Februar 2010

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