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"Problem Energielücke bleibt": Elektrizitäts-Manager Büttiker

EBM steigt aus Kohlekraftwerk-Projekt Brunsbüttel aus

Chef Hans Büttiker begründet den Schritt mit einer "temporären Entspannung" beim Strombedarf / Verstärkung bei Wasserkraft


Von Marc Gusewski


Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) steigt aus dem Kohlekraftwerk-Projekt im deutschen Brunsbüttel aus. Dies gab der Energieverteiler heute Freitagmorgen anlässlich einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz in Münchenstein bekannt. Statt Strom aus Kohle setzt die EBM nun verstärkt auf Wind-, Solarstrom- und Wasserprojekte.


Der Ausstiegs-Entscheid ist der EBM-Direktion sichtlich schwer gefallen: "Das ist aus ökologischer Sicht sehr schön – aber elektrizitätswirtschaftlich lösen wir damit kein Problem", sagte Geschäftsführer Hans Büttiker heute Freitagmorgen in Münchenstein zum Rückzug von Brunsbüttel. Dabei handelt es sich um ein vor allem von der bündnerischen "Rätia Energie" finanzierten 1'800 Megawatt-Vorhaben, an dem sich die EBM mit rund 20 Millionen Franken für einen Anteil von 20 Megawatt beteiligte.

"Es gab praktisch keine Alternative"

Den Rückzug des Ende 2008 gefällten Entscheids erklärte Büttiker mit einer derzeit am Elektrizitätsmarkt zu beobachtenden Entspannung: "Als wir den Entscheid für Brunsbüttel getroffen hatten, gab es praktisch keine Alternative zu dieser Strombeschaffung. Das hat sich in der letzten Zeit geändert. Im Moment gibt es genügend Möglichkeiten für Investitionen in umweltfreundlichere Elektrizitätserzeugung."

Für die Münchensteiner Energieverteiler war der Einstieg in das hierzulande umstrittene Kohlekraftwerk im norddeutschen Brunsbüttel vorab ein Schritt zur Absicherung der Versorgungssicherheit, auch wenn er ökologisch "natürlich bedenklich" war, wie Hans Büttiker erklärte. Schon damals sei im Verwaltungsrat der Entscheid zugunsten des Kohleprojekts im Wissen um die "alles andere als CO2-freie Stromproduktion" erfolgt: "Wenn wir ruhigen Gewissens die Region mit Strom versorgen wollen, blieb uns zum damaligen Zeitpunkt nichts anderes übrig als das Investment in Brunsbüttel einzugehen."

Nur wenig später veränderte die aktuelle wirtschaftliche Krise in den westlichen Industrieländern sowie der Wahlausgang zugunsten einer schwarz-gelben Koalition in Deutschland die Situation. Büttiker: "Es gibt heute genügend Angebot für neue Kraftwerksanteile vor allem in Wind- und Solarstromprojekte. Wir treiben derzeit für rund 100 Millionen Franken Projekte voran, die wir nun zuerst realisieren wollen." Büttiker warnt allerdings: "Früher oder später werden wir in ein Grosskraftwerk investieren müssen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Diese Gretchenfrage bleibt uns nicht erspart."

Kohlekraftwerk – medial verursachter Rückzug?

Der Rückzug aus Brunsbüttel geschieht nicht ganz freiwillig, räumte Büttiker indes freimütig ein: "Direkte Beschwerden oder Reklamationen aus der Kundschaft oder von den Genossenschaftern hatten wir praktisch keine, aber das Thema ist medial enorm aufgebauscht worden und hat entsprechend für Verunsicherung gesorgt." Die kontroverse Berichterstattung führte zu einer ständigen Debatte, die letztlich gestern Donnerstag zur Kurskorrektur des Verwaltungsrats führte. Büttiker: "Das konnten wir im Hinblick auf die derzeit verfügbaren Ersatzkraftwerks-Investitionen guten Gewissens so machen, ansonsten wäre es sehr schwierig geworden."

Ob der EBM aus dem Kraftwerks-Rückzieher ein allfälliger Schaden erwächst, ist unklar. Sicher ist, dass zum aktuellen Zeitpunkt der Brunsbüttel-Anteil mit Verlust veräussert werden müsste. Grund: In Deutschland besteht ein Überangebot an Kraftwerksprojekten, bedingt durch die Absicht der deutschen Regierung, die bestehenden Atomkraftwerke länger am Netz zu behalten als es ursprünglich mit dem Atomausstieg vorgesehen worden war. Büttiker: "Im schlimmsten Fall müssen wir uns an den Aufräumkosten für Brunsbüttel beteiligen." Er sei allerdings optimistisch, die Anteile über kurz oder lang "finanziell neutral" verwerten zu können, sagte Finanzchef Cédric Christmann.

Statt Kohle gibt es nun Wind und Sonne

Für die EBM geht es nun darum, mit "Druck" aktuelle Projekte in erneuerbare Energien vorwärts zu treiben. Vor allem in Italien sollen Windkraftprojekte im Umfang von rund 70 Millionen Franken realisiert werden. Zusätzlich sollen 30 Millionen Frankreich in französische Solarstromanlagen fliessen. Auch in der Schweiz sind An- und Zukäufe in Diskussion. Es geht um Anteile an Kleinwasserkraftwerken und Wärmekraftkopplungsanlagen, zum Beispiel im Wallis. Büttiker plädiert für Verständnis für seine Branche: "Wir sehen einen Stromverbrauch, der bei den Haushalten so hoch ist wie noch nie. Man kann nicht ständig mehr Strom verbrauchen und trotzdem keine Kraftwerke wollen, das geht nicht."

Als vorwiegender Stromverteiler beklagt Büttiker zudem eine Benachteiligung am Markt: "Wir hätten uns am Neubau des Kraftwerks Rheinfelden beteiligen können, unser gutes Angebot wurde aber deutlich überboten – wie sollen wir die Region mit Strom versorgen, wenn man uns die Mittel aus der Hand nimmt?" Über den "medialen Krach" äusserte sich Büttiker zusätzlich angriffig: "Wir wollen jetzt sehen, ob die Kunden bereit sind, unseren schönen, ökologisch erzeugten Strom wirklich zu bezahlen." Der EBM-Chef  konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen: "Viele, die in letzter Zeit gegen Kohlestrom protestiert haben, beziehen bei uns den billigen Egalstrom (der aus Kohle- und Atomkraftwerken geliefert wird). Zwischen geäussertem Wunsch und Wirklichkeit bestehen Welten."

12. Februar 2010

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"Die EBM haben nichts gelernt"

Noch vor wenigen Wochen wurde ich, bezüglich meiner Kritik an den EBM im Allgemeinen und zur Beteiligung am Kohlekraftwerk in Brunsbüttel im Besonderen, vom EBM-Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung scharf attackiert. Auf meiner Homepage www.ebringold.ch habe ich alles zum Nachlesen dokumentiert. Nun teilen die EBM nur sechs Monate (!) nach dem Entscheid mit, dass man aus dem Projekt Kohlkraftwerk Brunsbüttel aussteige – mit einem vermutlich hohen Millionen-Abschreiber notabene. Es wird erklärt, man setzte jetzt auf Wasser-, Wind- und Sonnenkraft! Gleichzeitig beklagt sich der EBM-CEO, dass man den EBM die Wasser-Kraftwerkbeteiligung in Rheinfelden "weggeschnappte", weil ein anderer Stromanbieter dafür mehr bezahlt habe. Weiter erklärte er gegenüber der Presse: "Diejenigen die gegen Kohlstrom protestieren kaufen nur den billigen Atomstrom."

 

Diese Aussagen zeigen es deutlich: Die EBM haben nichts gelernt! Wenn die EBM, anstatt in Fernsehsender, den Kauf von Handwerksfirmen (Elektriker, Isoleure etc.) und Immobilienprojekte (80'000 Quadratmeter Hero-Land in Lenzburg), die hohen Monopol-Erträge aus dem Stromgeschäft für die ressourcenschonende Stromproduktion verwenden würden, dann würde auch ich und viele mehr "Ökostrom" beziehen. Aber wer ist schon bereit, für verteuerten, zugekauften Ökostrom zu zahlen? Damit die EBM mit diesen Stromerträgen (Fehl-)Investitionen tätigen, die rein gar nichts mit der Gewinnung und Verteilung von Energie zu tun haben, und alljährlich hohe Summen abgeschrieben werden müssen. Die EBM gehört den Genossenschafter und die EBM-Delegierten – als Vertreter der Genossenschafter – haben nichts zu sagen.

 

Darum ist es höchste Zeit, dass den EBM-Delegierten mehr Rechte eingeräumt werden damit Investitionen wie "Brunsbüttel" von der Delegiertenversammlung entschieden werden.


Ernst Bringold, Binningen


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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Da die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung in Basel-Stadt im kommenden Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent ansteigen, passt die Regierung die Prämienbeiträge des Kantons für Haushalte mit bescheidenem Einkommen im gleichen Umfang an.

• Für den 9. Basler Pop-Preis sind folgende Bands nominiert: Alma Negra (Electronic World Music, Basel), Audio Dope (Electronic Music, Basel), Schammasch (Avantgarde Metal, Liestal), We Invented Paris (Indie-Pop, Liestal) und
Zeal & Ardor (Black Metal/Gospel, Basel.

• Weil sich FDP und SVP nicht auf eine gemeinsame Kandidatur für die Ersatzwahl in den Stadtrat von Liestal einigen konnten und "alle offiziell Kandidierenden wählbar" sind, verzichtet die CVP auf eine Wahlempfehlung.

• Die Wettbewerbs-Kommission hat entschieden, den geplanten Zusammenschluss zwischen dem Universitätsspital Basel und dem Kantonsspital Baselland ohne Auflagen zu genehmigen.

Endress+Hauser übernimmt die deutsche IMKO Micromodultechnik GmbH mit Sitz in Ettlingen, einen Hersteller innovativer Systeme zur Feuchtemessung, und beschäftigt die 19 Mitarbeitenden weiter.

• Verhaftet wurde ein 25-jähriger Spanier, der dringend verdächtigt wird, am 10. September eine Frau im Basler Erlenmattquartier vergewaltigt zu haben.

• Bei der Einreise von Frankreich nach Basel wurde ein etwa 50-jähriger Bulgare erwischt, der 800 Gramm Kokain mit sich führte.

• Die 57-jährige Juristin und frühere Leiterin der Basler Sozialhilfe Nicole Wagner wird Mitglied der Stiftung Habitat, wo sie die zurücktretende Beatrice Oeri ersetzt. 

• Nachdem im Baselbiet die Initiative zum Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes rechtsgültig zustande gekommen ist, hat sich das Initiativekomitee aufgrund der laufenden Arbeiten zu einem allfälligen Gegenvorschlag mit einer Unterbrechung der Behandlungsfrist bis maximal 30. September 2019 einverstanden erklärt.

• Die Baselbieter Apotheken dürfen neu – mit Auflagen – nicht nur Grippe-Impfungen, sondern auch weitere Impfungen und Folge-Impfungen durchführen.

• Ab 9. September ist die Umfahrung Liestal im Bereich des Ergolzviadukts wieder ohne Einschränkungen befahrbar.

• Der Kanton Basel-Stadt rechnet für das Jahr 2018 mit einem Budgetüberschuss von 138 Millionen Franken.

Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung und Chefjustitiar der Hoffmann-La Roche, hat in der Deutschen Botschaft in Bern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

• Die Fraktion "Grünes Bündnis" des Bürgergemeinderats Basel nominierte Brigitta Gerber einstimmig für das Amt als Bürgerrätin.

• Den städtebaulichen Wettbewerb zur Bebauung des Felix Platter-Areals in Basel hat das Team Enzmann Fischer Partner AG / Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH gewonnen.

• Die Gemeinderäte der direkt betroffenen Gemeinden des Leimentals – von Binningen bis Burg – befürworten übereinstimmend den Bau der Tramlinie 17 über den Margarethenstich, da diese einen "klaren Mehrwert" darstelle.

Monique Juillerat, bisher als Mitglied der Geschäftsleitung von "familea" für die externe und interne Kommunikation verantwortlich, wird ab 1. September neue Kommunikations-Verantwortliche der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

• Der Kanton Baselland verkauft das "Chuenimatt-Areal" der Bricks Group AG zur Realisierung des Konzeptes "Tri-innova", das eine schrittweise Entwicklung von unterschiedlich grossen Flächen für Dienstleistungs-, Labor-, Produktionsnutzungen sowie Co-working vorsieht.

Spitex Muttenz schliesst die Pflegewohnung Seminarstrasse per 30. November dieses Jahres.

• Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) verkaufen ihren Anteil an der Rheinhafen-Gesellschaft Weil am Rhein an die Stadt Weil am Rhein.

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• Mit Datum vom 1. Juli wird die Kunstkommission für das Kunstmuseum Basel vom Rechts-Professor Felix Uhlmann präsidiert, der den langjährigen Vorsitzenden Peter Mosimann ablöst.

• Die Basler Regierung hat der Bau- und Finanzgesellschaft Zum Greifen AG den Zuschlag für Bau und den Betrieb eines neuen Quartierparkings unter dem Landhof-Areal erteilt.

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• Da der Vereinszweck erfüllt sei, hat die Generalversammlung den "Verein Kunschti Eglisee" am 16. Juni mit 30 zu 4 Stimmen aufgelöst.

• Nationalrat Christoph Eymann, der ehemalige Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements, wurde als neues Mitglied in den Verwaltungsrat des Karger Verlags gewählt.

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• Die kantonale Volksinitiative "Recht auf Wohnen" wurde mit bisher 3'188 gültigen Stimmen der Basler Staatskanzlei überreicht.

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Dominik Prétôt, der frühere CEO von Telebasel, wird per 1. Januar 2018 mit einem 50 Prozent-Pensum neuer Informations-Beauftragter der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland.