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"Es gibt Alternativen": Unbetäubte Kastration (links), Gasnarkose

Jetzt könnten Eber Schwein haben

Gasnarkose und Eberzucht als Alternative zur unbetäubten Ferkel-Kastration


Von Matthias Brunner


Jährlich werden in der Schweiz 1,3 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert. Eine unhaltbare Situation, finden selbst die Schweinezüchter. Die Nutztierschutz-Organisation kagfreiland stellt, unterstützt vom Schweizer Tierschutz (STS), Alternativen vor. Im Vordergrund steht dabei die Eberzucht. Kastrationen sollen nur noch unter Gasnarkose stattfinden.


Das kleine rosa Ferkel liegt friedlich auf dem Arm der Tierärztin und schnüffelt in den Gummitrichter vor seinem Rüsselchen. Schon nach wenigen Atemzügen setzt die Wirkung des Betäubungsgases ein und dem Eberwinzling fallen die Augen zu. Bald darauf schlummert das Schweinchen zufrieden vor sich hin und gibt leise Grunzlaute von sich. Rund zwei Minuten dauert es, bis das Tier durch das Gas Isofluran vollständig narkotisiert ist.

Mit dem Skalpell an den Hodensack

Zum Glück bekommt das männliche Ferkel nicht mit, was dann geschieht: Bauer Hartmann greift es, schlitzt mit einem Skalpell den Hodensack auf, schneidet die Hoden ab, indem er die Samenstränge durchtrennt. Der Eingriff dauert nur wenige Sekunden. Dann darf das kastrierte Tier wieder zu seinen Artgenossen, wo es nach kurzer Zeit wieder aus der Narkose aufwacht.

Leider ist die von Professor Urs Schatzmann im Departement für klinische Veterinärmedizin in Bern entwickelte Methode, bei der die Ferkel vor der Kastration anästhesiert werden, erst die Ausnahme. Während zehn Jahren hat Schatzmann mit seinem Team an einer praxisgerechten Betäubungsmethode geforscht. Noch imemr werden in der Schweiz jährlich 1,3 Millionen Ferkel ohne jegliche Betäubung kastriert. Für die Baby-Schweine ein traumatisches und äusserst schmerzhaftes Erlebnis "Der Schmerz, den die Tiere dabei erfahren, prägt sich ihnen für ihr Leben lang ein", erklärt die Tierärztin Cynthia Lerch vom Schweizer Tierschutz.

Verbot für betäubungslose Kastration gefordert

Eigentlich ist das betäubungslose Kastrieren von Tieren gemäss der eidgenössischen Tierschutzverordnung verboten. Die einzige Ausnahme bilden Schweine. Begründung: Es gäbe keine wirtschaftliche und praxisgerechte Betäubungsmethode. "Dabei existieren doch Alternativen!" entrüstet sich Roman Weibel, Geschäftsleiter von kagfreiland. Die Nutztierschutz-Organisation fordert wie der STS mit seiner hängigen Volksinitiative "für einen zeitgemässen Tierschutz (Tierschutz-Ja!)" ein gesetzliches Verbot für das betäubungslose Kastrieren von Schweinen.

Noch dieses Jahr startet kagfreiland einen grösseren Praxisversuch mit der Gasnarkose. Unterstützung bekommt die Nutztierschutzorganisation dabei von Bio Suisse und vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). "Unser langfristiges Ziel ist es, dass Bio-Ferkel nur noch unter Narkose kastriert werden", erklärt Cyril Nietlispach von der Bio Pool AG. "Wir wollen zwei oder drei Tierärzte finden, welche die Gasnarkose durchführen könnten." Grotesk: Bauern dürfen zwar vom Gesetz her Ferkel kastrieren, doch nicht selber betäuben. Diese Tätigkeit ist bisher ausschliesslich tierärzten vorbehalten. Dies, obschon das in der Humanmedizin eingesetzte Narkosegas Isofluran seit kurzem auch für Tiere zugelassen ist.

Die Kosten für die Gasnarkose beliefen sich laut Schatzmann auf 10 bis 15 Franken pro Ferkel – wenn sie vom Tierarzt durchgeführt wird. Das entspräche einer Verteuerung von 4 Rappen für ein 200 Gramm schweres Schweinsschnitzel. Skeptisch äussert sich dazu der Vertreter der Branchenorganisation suisseporcs, Geschäftsführer Felix Grob: "Der Fleischpreis spielt eine entscheidende Rolle."

Eberzucht wäre am tierfreundlichsten

Doch auch bei der schonenden Gasnarkose bleiben den Jungtieren die Schmerzen nach dem Eingriff nicht erspart. Für kagfreiland wie den STS ist deshalb die Ebermast klar die tierfreundlichste Variante, da die Tiere erst gar nicht kastriert werden. In Grossbritannien, Dänemark und Spanien ist die Eberzucht längst üblich.

Warum aber ist in Schweizer Metzgereien kaum Fleisch von Ebern zu finden? Nach rund fünf Monaten erreichen die männlichen Ferkel die Geschlechtsreife. Dann können sie einen penetranten Geruch entwickeln, der in etwa fünf Prozent der Fälle auch nach der Schlachtung im Fleisch nachweisbar ist. Ein Problem bildet dies jedoch bloss, wenn das Fleisch gebraten wird. Bei kalten Fleischprodukten wie Salsiz, Pantli oder Salami wird der Ebergeruch nicht mehr wahrgenommen.

Versuch mit 200 Ebern

Schon vor fünf Jahren hat kagfreiland einen ersten Versuch mit der Ebermast gewagt. Nun hat die Organisation einen umfangreicheren Versuch mit insgesamt 200 Ebern lanciert. Neben andern Geldgebern unterstützt der STS hauptsächlich das Projekt.

Laut kagfreiland-Tierhaltungsexperte Hans-Georg Kessler sind bei der Ebermast einige Aspekte zu berücksichtigen, um den unerwünschten Geruch zu vermeiden, der durch das Hormon Androstenon entsteht. So müssten die männlichen Ferkel von den weiblichen getrennt aufgezogen werden. Ausserdem sei die Futterzusammensetzung bei zeugungsfähigen etwas anders als bei den kastrierten Tieren und sie müssten soviel fressen können, wie sie wollen. Dadurch werden sie eher schlachtreif: Die Eber werden - nach spätestens 170 Tagen - etwas früher geschlachtet als ihre kastrierten Kollegen. Die Eber wiegen jedoch weniger, dafür ist ihr Fleisch fettarmer, was dem Trend der Konsumentenschaft entspricht.

Digitale Spürnase soll riechende Teile erkennen

Wichtig für das Gelingen des Projekts ist auch die Arbeit an der eidgenössichen Forschungsanstalt Posieux (ALP). Dort wird eine elektronische Spürnase entwickelt, die geruchsbelastete Schlachtkörper von Ebern erkennen können soll. Weiter müssen Lösungen gefunden werden, um das prozentual wenige Fleisch mit Ebergeruch wirtschaftlich zu verwerten. Vorbehalte meldet Grob an: "Bei der Ebermast sind noch viele Fragen offen." Letztlich werden aber die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden, ob sie Eberfleisch akzeptieren oder nicht.

13. Mai 2004


KONSUM

Hier gibt es Eberfleisch

mbr. Eberfleisch ist bis jetzt hierzulande eine Rarität. Bei kagfreiland ist Jungeberfleisch via Postversand (Tel. 071 222 18 18 oder www.kagfreiland.ch) oder in folgenden Metzgereien erhältlich:
• Metzgerei Eichenberger: Oberwetzikon, Hinwil (vakuumiert), Wetzikon (auf Bestellung)
• Metzgerei Abegg: Langnau am Albis
• Metzgerei Nüssler: Küssnacht
• Metzgerei Höhener: St. Gallen, Teufen

FILM

"Schwein gehabt, Eber"

mbr. Der Film "Schwein gehabt, Eber" zeigt Bilder, die unter die Haut gehen. Sowohl die Kastration ohne Betäubung als auch mit der Gasnarkose und mittels Injektion kommen in dem Streifen vor. Auch über das kagfreiland Eberprojekt wird informiert.

Erhältlich ist die CD-ROM oder DVD für Fr. 12.- (inkl. Porto) bei:
kagfreiland, Engelgasse 12a, 9001 St. Gallen, Fax 071 223 13 37, info@kagfreiland.ch


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Zeal & Ardor (Black Metal/Gospel, Basel.

• Weil sich FDP und SVP nicht auf eine gemeinsame Kandidatur für die Ersatzwahl in den Stadtrat von Liestal einigen konnten und "alle offiziell Kandidierenden wählbar" sind, verzichtet die CVP auf eine Wahlempfehlung.

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Endress+Hauser übernimmt die deutsche IMKO Micromodultechnik GmbH mit Sitz in Ettlingen, einen Hersteller innovativer Systeme zur Feuchtemessung, und beschäftigt die 19 Mitarbeitenden weiter.

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• Bei der Einreise von Frankreich nach Basel wurde ein etwa 50-jähriger Bulgare erwischt, der 800 Gramm Kokain mit sich führte.

• Die 57-jährige Juristin und frühere Leiterin der Basler Sozialhilfe Nicole Wagner wird Mitglied der Stiftung Habitat, wo sie die zurücktretende Beatrice Oeri ersetzt. 

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Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung und Chefjustitiar der Hoffmann-La Roche, hat in der Deutschen Botschaft in Bern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

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Monique Juillerat, bisher als Mitglied der Geschäftsleitung von "familea" für die externe und interne Kommunikation verantwortlich, wird ab 1. September neue Kommunikations-Verantwortliche der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

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Spitex Muttenz schliesst die Pflegewohnung Seminarstrasse per 30. November dieses Jahres.

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