© Foto by Bard-Gruppe
"3 statt 1,5 Milliarden Euro": Nordsee-Windpark "Bard 1"

IWB überprüft Einstieg in deutsche Offshore-Windkraftparks

Bau und Betrieb der Windfarmen sind komplizierter und teurer als angenommen


Von Marc Gusewski


2010 hätten die Verträge mit dem Nordsee-Windpark "Bard 1" unterzeichnet werden sollen – zwei Jahre später sieht sich die IWB gezwungen, ihre Beteiligungspläne zu überprüfen. Die Windparks auf hoher See sind technisch anspruchsvoller als gedacht. Konzerne wie Siemens zahlen viel Lehrgeld.


Anfang Mai verkündete der Basler Stromversorger IWB den "Weg zur erneuerbaren Vollversorgung" mit elektrischer Energie – ohne mit einem Wort das Investment in den Hochsee-Windkraftpark "Bard 1" (Bild oben) zu erwähnen. Das hätte eigentlich vor zwei Jahren getätigt werden sollen. Auf Anfrage von OnlineReports sagte IWB-Sprecher Erik Rummer: "Wir überprüfen derzeit unsere Offshore-Beteiligungsstrategie. Es gab einfach keine Neuigkeiten von unserer Seite aus."

Jede Schweissnaht unter der Lupe

Hatten die Beteiligten im Jahr 2010 einen Kaltstart ins See-Zeitalter versprochen, so sieht es gegenwärtig nach einer Ausdauerpartie aus. Die Entwicklung der Hochsee-Windkraftparks gestaltet sich anspruchsvoller als angenommen. Konzerne wie Siemens zahlen Hunderte von Millionen Euro Lehrgeld.

Siemens-Konzernchef Peter Löscher sagte vor zwei Wochen: "Art und Grösse der Herausforderungen, die bei den deutschen Nordsee-Projekten zu bewältigen sind, machen sie extrem anspruchsvoll. Zum Beispiel die Witterungsbedingungen auf hoher See oder die administrativen Genehmigungsprozesse. So muss beispielsweise jede einzelne Schweissnaht einer Übertragungsplattform ausführlich dokumentiert und geprüft werden."

Auch wenige positive Nachrichten

Im Vergleich zu den rasant wachsenden englischen Windparks, werden die Anlagen in der Nordsee mit deutscher Gründlichkeit fünfmal so weit vom Land entfernt errichtet, und die Netzknoten-Plattformen sind fünfmal so schwer, so Löscher. Zudem mangelt es an Werkzeug: Einrichter-Schiffe, Ingenieure, Werftkapazitäten, Kabel – alles muss erst aufgebaut werden.

Hinzu kommen die Bauarbeiten: Eine Plattform für eine Windkraftanlage fast so hoch wie der Kölner Dom benötigt 1'000 Rammschläge zur Verankerung. Wenn Stürme nahen, oder lärmempfindliche Schweinswale, haben die Arbeiten zu ruhen. Seit der Finanzkrise gestaltet sich die Bankfinanzierung auch schwierig.

Allerdings gibt es nebst vielen negativen Aspekten auch einige positive Nachrichten. So deuten die ersten Ergebnisse von Nord- und Ostsee auf höhere Windenergie-Erträge hin als bisher erwartet. Der badische Stromkonzern EnBW mit Sitz in Karlsruhe meldet für "Baltic 1": "Unsere Erwartungen wurden übertroffen."

Schweizer Beteiligung wird nicht gratis sein

Die Karten im Offshore-Business werden neu gemischt. So plant die Bundesregierung in Berlin bis im Herbst eine Art Risikoversicherung oder vergleichbare Instrumente, um die Bauherren abzusichern.

Vor diesem Hintergrund ist die hängige Basler Beteiligung zu sehen, die der Regierungsrat seit Oktober 2010 anstrebt. Für rund 43 Millionen Franken soll sich die IWB an 95 Millionen Kilowattstunden Stromertrag beteiligen aus dem Windpark "Bard 1", der etwa hundert Kilometer nordwestlich der ostfriesischen Insel Borkum an der deutsch-niederländischen Grenze.

Das Projekt wurde von der lokalen Bard-Gruppe entwickelt. 2009 hatte der "Bard"-Finanzchef noch versichert, von der Kreditkrise "nicht betroffen zu sein" - trotzdem steckt es in einer Entwicklungskrise – Mitarbeiter müssen entlassen werden, weil alles doppelt so lang dauert wie veranschlagt. Geplant sind im Rahmen von "Bard 1" 80 Windkraftanlagen, die so viel Strom erzeugen wie Basel im Jahr verbraucht.

Hochsee-Wind statt Chrischona-"Verspargelung"?

Die "Bard 1"-Kosten werden heute auf 3 statt 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Die finanzierende Bank, die Bayrische HypoVereinsbank, eine Tochter der italienischen UniCredit, hat fast eine Milliarde Rückstellungen tätigen müssen. Die Bank hält indes an ihrem Investment fest mit Aussicht auf einen guten Verkauf. Das könnte hingegen die Mittel der aktuellen Interessenten, darunter die IWB, überfordern. Die Rechte für "Bard 1" sicherte sich das deutsche Stadtwerk-Konsortium "Südweststrom" mit Sitz in Tübingen, an dem sich neben Basel, auch Zürich, Winterthur, Nidwalden und das Liechtensteinische Elektrizitätswerk beteiligten.

An einer Veranstaltung in Zürich vor einem Jahr bekräftigte "Südweststrom"-Geschäftsführerin Bettina Morlok ihr Offshore-Vorhaben. Was die aktuelle finanzielle Entwicklung für die Stadtwerke insgesamt bedeutet, ist mehr als offen.

Druck auf Verantwortliche wächst

Ob die Schweizer unter diesen Vorzeichen ihr Investment-Versprechen halten, muss sich erst noch weisen. In Winterthur, wo die Beteiligung politisch umstritten war und eine Volksabstimmung überstehen musste, wächst der Druck auf die Verantwortlichen, sich anderweitig zu engagieren. Andererseits gibt es Argumente für den Strom von hoher See – von lokaler Seite. In Basel führen Gegner der IWB-Windprojekte auf "Chall" oder "Chrischona" die deutlich bessere Kosten-Nutzenrelation von Offshore-Windparks ins Feld gegen die "Verspargelung" der Region.

Bleiben die Bebbi bei "Bard 1" im Boot? IWB-Sprecher Erik Rummer sibyllinisch: "Die Verhandlungen mit 'Bard' sind derzeit weder gescheitert noch erfolgreich."

14. Mai 2012

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Rentenmassaker auf Kosten der Staatsangestellten"

Juso Baselland
Betreff einer Medienmitteilung
vom 31. Mai 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Kriegsberichterstattung von der Baselbieter Polit-Front – ganz im Stil von Markus Somm.

Frisch pubertiert

Küssen, nicht spucken!
RückSpiegel


Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Bericht über den Rückzug des potenziellen Baselbieter FDP-Regierungs-Kandidaten Daniel Recher Bezug auf OnlineReports.

20 minuten online
bezog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

Ueli O. Kräuchi, Geschäftsführer des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), gibt die Leitung der VBLG-Geschäftsstelle per 31. März 2019 altershalber ab.

• Das Bürgerspital Basel übernimmt per 1. Januar 2019 die Spektrum Werkstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

• Die Gewerkschaft Unia hat am 4. Juli 2'300 Unterschriften für das Referendum gegen längere Ladenöffnungszeiten eingereicht.

• Der Basler Gewerbeverband reichte zusammen mit den Parteien FDP und SVP, der "IG Lysbüchel" sowie verschiedenen Branchenverbänden das Referendum "gegen die Fehlplanung Lysbüchel" mit 2'972 Unterschriften ein.

Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.