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"Es geht auch anders": "Abendrot"-Immobilie im Basler Erlenmatt-Quartier

"Abendrot" – als Nachhaltigkeit noch ein Fremdwort war

Alternativ, prinzipientreu und dennoch erfolgreich: Ein Buch über die aussergewöhnliche Geschichte einer Basler Vorsorge-Stiftung


Von Peter Knechtli


Sie verwendet Begriffe wie "Performance", "Bonität" und "Rentabilität" – und doch unterscheidet sie sich grundlegend von anderen Schweizer Pensionskassen. Besonders ist ihr konsequent ethischer Anspruch: Umwelt, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sind die Säulen, auf denen die in Basel gegründete "Stiftung Abendrot" ihre Tätigkeit aufbaut. "Strenge soziale, ethische und ökologische Kriterien" (so der Eigenanspruch) durchdringen die gesamte Geschäftspolitik als eine in sich konsistente Wertehaltung. Und ganz besonders an diesem Unternehmen: Es ist eine Erfolgsgeschichte.

Diese Geschichte hat jetzt der Basler Journalist und langjährige OnlineReports-Mitarbeiter Ruedi Suter in einem sehr zurückhaltend illustrierten Buch ("33 Jahre für die Zukunft") ausführlich dokumentiert. Das Motiv, das Vorsorge-Werk 33 Jahre nach seiner Gründung in einer Art Familiensaga zu präsentieren, erschliesst sich dem Leser nicht auf Anhieb.

Doch der Anlass ergibt sich daraus, dass die Gründergeneration nun eine Phase erwartet, in der sie kürzer tritt und bei dieser Gelegenheit die besondere "Abendrot-DNA" auch künftigen Verantwortlichen ins Bewusstsein rufen will. Es ist auch die Zeit, in der die Pioniere als Bezüger allmählich selbst von einer typisch schweizerischen Absicherungs-Institution mit drei Buchstaben profitieren: BVG – Gesetz über die Berufliche Vorsorge, 1985 für alle Arbeitnehmenden in der Schweiz obligatorisch eingeführt.


"Die eigene Verfügungsgewalt
war die Basis des Geschäftsmodells."



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in Jahr zuvor – es existierten schon zahlreiche freiwillige Pensionskassen – gründeten Freiberufler um den Basler Anwalt Hans-Ulrich Stauffer und seine Geschäftspartnerin Eva Zumbrunn sowie der Architekt Ruedi Bachmann und die "Frauenhaus"-Vertreterin Barbara Buser die Stiftung "Abendrot". Die "Handwerker-Genossenschaft 81", das "Frauenhaus Basel", die Anwaltsgemeinschaft und ein Architekturbüro zählten zu den Ersten, die Prämien einzahlten.

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ährend linke Kritiker Boykott-Parolen gegen das neue "Jahrhundertgeschäft" BVG skandierten, ging "Abendrot" seinen eigenen, selbstbestimmten Weg. Die Prämieneinnahmen sollen eben nicht in Kriegsmaterial-, Rohstoff- oder Atomkonzerne investiert werden, sondern in ökologische und ethisch unbedenkliche Wertschriften, insbesondere aber auch in Liegenschaften mit nachhaltiger Bewirtschaftung. Die "Verfügungsgewalt" darüber zu haben, wo und wie investiert wird, das war die Maxime des damaligen wie heutigen Geschäftsmodells.

Von Anfang an ging es bergauf. In keinem einzigen Geschäftsjahr sank die Zahl der Versicherten. Heute zählt die Stiftung mit 1'300 angeschlossenen Arbeitgebern – vom kleinen Produktionsbetrieb bis zum grossen Dienstleistungsunternehmen (siehe Box unten) – und über 11'000 Versicherten zu den grösseren Pensionskassen der Schweiz.

Vergangenes Jahr erwirtschaftete "Abendrot" bei einem Vorsorgevermögen von 1,6 Milliarden Franken eine Rendite von 4,3 Prozent. Dies entspreche einer Position im "besten Drittel der Schweizer Pensionskassen". Die Stiftung ist offen für nahezu alle Berufsgruppen. Aufnahmebegrenzung ist jedoch vorgesehen für bestimmte Branchen wie das Gastgewerbe, Berufe mit häufig wechselnden Arbeitgebern oder Temporärarbeitende.


"Die Vorsorge-Pioniere sind
ihren Prinzipien treu geblieben."



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00 Millionen Franken hat die alternative Vorsorge-Firma in zahlreiche Liegenschaften und Arealentwicklungen investiert, darunter in Grossprojekte wie den "Lagerplatz" in Winterthur oder das "Holzmarkt-Areal" in Berlin. Dem Kreativzentrum "Malzfabrik" bietet "Abendrot" mit einer grundpfandgesicherten Hypothek von neun Millionen Euro eine Entwicklungsspritze.

Ein Drittel-Jahrhundert lang sind die Vorsorge-Pioniere ihren Prinzipien so treu geblieben wie es ihre Nachfolger sein werden. Minutiös und im chronologischen Duktus zeichnet Ruedi Suter die "verblüffende Geschichte" (Untertitel) des prosperierenden Unternehmens nach.

Der Autor, als Biograf des verschollenen Regenwaldschützers Bruno Manser selbst in Fragen von Menschenrechten und Nachhaltigkeit engagiert, stellt dabei immer Bezüge zum damals herrschenden welt- und gesellschaftspolitischen Zeitgeist her. Zwischentitel und einige Grafiken zum Geschäftsverlauf, wie sie beispielsweise auf der "Abendrot"-Website zu finden sind, hätten die Übersichtlichkeit verbessert.

Dieses Buch straft all jene Unternehmer, Analysten und Finanzmarkt-Akrobaten Lügen, die sich mit dem Kredo arrangieren, wirtschaftlicher Erfolg sei nur zum Preis ethischer Kompromisse, geschäftspolitischer Klüngeleien und letztlich einer ausbeuterischen Grundhaltung zu erzielen. Es geht eben auch anders. "Abendrot" macht's vor.


Ruedi Suter: "33 Jahre für die Zukunft – die verblüffende Geschichte der Schweizer Pensionskasse Abendrot", Hg.: Stiftung Abendrot Basel, 222 Seiten.

22. November 2017


Anschluss bei "Abendrot"


Nebst Dienstleistern wie Arzt- und Anwaltspraxen, Architekten oder Ingenieure versichert "Abendrot" auch Industriebetriebe, Handwerker, Detaillisten und Institutionen der sozialen Arbeit. Beispiele aus der Region Basel sind der frühere Basler Frauenverein "Familea", der Fährimann der Leu-Fähre und der St. Alban-Fähre, die Brauereien "Unser Bier" und "Ueli Bier", die Kulturwerkstadt Kaserne, "Pro Natura", das Haus der elektronischen Künste, die Kletterhalle auf dem Gundeldinger Feld, das Kinderbüro Basel und die Musikwerkstatt.
 
Schweizweit angeschlossen sind Institutionen wie Amnesty International, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen (HEKS), die Schweizerische Flüchtlingshilfe, "Public Eye" oder Max Havelaar.


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"Ich war noch niemals in New York am Thunersee – Erstmals als Open Air-Produktion in der Schweiz"

Marcel Theiler
PR-Chef
der Rent-a-Show AG
im Betreff einer PR-Mail
vom 20. Mai 2019
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Den Thunersee in New York sollte man wirklich nicht verpassen. "Rent-a-Show" vermittelt Billig-Flüge.

Frisch pubertiert

Nicht nur "fräch und härzig"
RückSpiegel


Die Basler Zeitung äusserte sich in einer Gerichtsberichterstattung über einen "Sexverbrecher" (so die BaZ) kritisch über OnlineReports.

Telebasel und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über das Bordell in der Schillerstrasse auf einen OnlineReports-Bericht.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Die OnlineReports-Recherche über die Zukunft des Basler "Viertel-Kreis" wurde von der Gundeldinger Zeitung aufgenommen.

Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augustburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.