© Visualisierung by Schluchseewerk AG
"Geändertes Geschäftsmodell": Projekt Pumpspeicher-Kraftwerk im Hotzenwald

Grün gegen Grün und das Kapital gegen alle

Das geplante Pumpspeicher-Kraftwerk im Hotzenwald – unweit von Basel – ist ein Lehrstück der Energiewende


Von Marc Gusewski


Die Industriellen Werke Basel (IWB) planen eine heikle Investition ins Pumpspeicher-Kraftwerk Nant de Drance. Wie hoch das Risiko der Rentabilität ist, zeigt ein Projekt im nahen Schwarzwald. Der geplante Pumpspeicher Atdorf im Hotzenwald droht an den Finanzen und weniger am ökologischen Widerstand zu scheitern.


Der grüne baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller brachte es vor wenigen Tagen in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" auf den Punkt: "Ein Projekt wie der Pumpspeicher Atdorf droht – anders, als viele glauben – nicht an Bürgerinitiativen zu scheitern." Es klemme, weil die Bauherrin Schluchseewerke AG "keine Finanzierungsbeschlüsse fasst". Und weiter: "Das ist auch nachvollziehbar, weil sich das Geschäftsmodell von Speichern grundlegend geändert hat."

Seit 2008 heftiger Streit im Hotzenwald

Kaum beachtet von der Schweizer Öffentlichkeit, wird keine 30 Kilometer Luftlinie von Basel entfernt eine tiefgehende und teils heftige Diskussion über den Sinn und Zweck von Pumpspeicher-Kraftwerken geführt. Auf dem Bann der 2'700 Seelen-Gemeinde Herrischried bei Atdorf, auf etwa 1'060 Meter Höhe über Meer, planen die Schluchseewerke seit 2008 das bestehende Hornbergerbecken um ein zweites, grösseres Oberbecken und ein weiteres Unterbecken bei Bad Säckingen zu ergänzen. Schon 2018, so die reichlich optimistische Aussage in einem firmeneigenen Film, soll der Energiespeicher ans Netz gehen.

Damit könnte für rund 1,8 Milliarden Euro (derzeit rund 2,2 Milliarden Franken) ein 1'400 Megawatt leistendes weiteres Pumpkraftwerk die bestehenden Schluchsee-Kraftwerksanlagen (rund 1'300 Megawatt) verdoppeln. Zum Vergleich: Das Atomkraftwerk Leibstadt weist eine Nettoleistung von 1'250 Megawatt auf.

Primär regeln die Schluchseewerke im südwestdeutschen Raum die Systemsicherheit. In Zukunft soll es neu überschüssige Windenergie speichern helfen. Die Werke gehören mehrheitlich dem deutschen Stromriesen RWE (50 Prozent) sowie der baden-württembergischen EnBW (37,5 Prozent) und deren lokalen Rheinfelder Tochtergesellschaften "Energiedienst" (12,5 Prozent).

Eine Konkurrenz für Schweiz

Nicht nur stellt dieses Werk eine deutsche Konkurrenz für die Schweizer Speicherpläne gleicher Technologie dar, der deutsche Speicher könnte in die Schweiz Strom liefern. Denn zur "Energiedienst" zählt etwa die Versorgung des Oberwallis durch ihre Tochter "EnAlpin".

Abgesehen von den wirtschaftlichen Eckdaten, ist das Projekt ein Lehrstück über die Energiepolitik und die neuen Frontlinien, die der Atomausstieg in der Energieszene auftut: Insbesondere die Grünen in Landkreis Waldshut stellen das Vorhaben als Ganzes in Frage und wehren sich gegen das Vorhaben. Aus ihrer Sicht zerstört das Vorhaben eine schützenswerte Naturlandschaft, die lokale Wasserversorgung und beeinträchtigt die Landschaft massiv mit einem fragwürdigen Nutzen. Ihrer Ansicht nach wird das Speicherkraftwerk vorab zur billigen Verwertung von Atom- und Kohlestrom benötigt – und nicht für die Energiewende.

Grün gegen Grün in Baden-Württemberg

Das sehen die Grünen im Bundesland ganz anders, wie die Aussagen von Umweltminister Untersteller zeigen. Auch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich positiv gegenüber dem Vorhaben. Für die grünen Befürworter zählt, dass insbesondere der Süden Deutschlands für die überschüssige Energie aus Windkraftwerken und Solarstromanlagen unbedingt Speicherkapazitäten benötigt. Gemessen an der finanziellem und ökologischen Belastung scheint ihnen ein Werk wie Atdorf einigermassen vertretbar zu sein.

Das war auch der Tenor eines Runden Tisches, der letztes Jahr zwischen Befürwortern und Gegnern durchgeführt wurde. Fazit, so die bündnis-grüne Politikerin und Tisch-Moderatorin Michaele Hustedt: Das Projekt Atdorf erscheine unter aktuellen Bedingungen und bei entsprechenden Vorsichtsmassnahmen als angebracht.

Entscheidend sind die Finanzen

Aber die Positionierung "Grün gegen Grün" überdeckt die wirklichen Diskussionslinien, die sich eher durch persönliche Betroffenheit der Bevölkerung und der jeweils Interessierten pro- und contra charakterisieren lässt. Den dicksten Strich durch die Rechnung könnten die Finanzen und die neue Ökonomie der Energiewende machen: Überschüssiger Windstrom ist dermassen günstig, dass die Produzenten für dessen Abnahme manchmal sogar zahlen und somit Pumpspeicher-Kraftwerke ganz schön alt aussehen lassen.

Am Samstag beklagte Tuomo Hatakka, der Chef des drittgrössten deutschen Stromversorgers Vattenfall, dass unter Umständen Pumpspeicher-Kraftwerke abgestellt werden müssen. Auf eine Frage der "Berliner Zeitung" sagte er: "Modernisierungen, grössere Investitionen und Reparaturen – das alles kostet viel Geld. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob und wie wir alle unsere Pumpspeicher weiter betreiben können."

So oder so: Die Strombezüger zahlen

In Deutschland werden deshalb neue Finanzierungsmechanismen für Pumpspeicher-Kraftwerke diskutiert. In der Schweiz hat diese Debatte noch nicht einmal begonnen. Das Bundesamt für Energie verspricht auf Ende nächstes Jahre eine Studie, die dem Bedarf, der Finanzierung und der Wünschbarbkeit solcher Kraftwerke zuerst auf den Grund gehen soll. Die Schwarzwälder sind da vorsichtiger: Die Atdorf-Bauherren RWE und EnBW liessen vor ein paar Wochen verlauten, dass kein Finanzierungsentscheid gefallen ist und, dass man auch gut ohne Atdorf leben könnte.

Unterdessen bohren sich die Schweizer Strom-Manager im schweizerischen Axpo-Werk Linthal, für Nant de Drance und Vieux Emosson immer tiefer in den Berg und keiner der Bauherren geruht derzeit so recht zu sagen, wer die vier bis fünf Milliarden Franken laufenden Baukosten bezahlen soll.

25. September 2012

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz gewählt.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".