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"Falsche Schienen-Lieferung": Schadenfall auf neuer Basler Trambrücke

Gleis-Panne auf neuer Basler Trambrücke

Lieferantin baute aus Versehen falsche Schienen ein / Kostspielige Garantieleistung


Von Peter Knechtli


Zugpassagiere und Passanten werden in den nächsten Wochen staunen: Die Gleise, die auf der neuen Basler Trambrücke beim Bahnhof soeben eingebaut wurden, werden wieder abmontiert. Grund: Der Lieferant hatte die falschen Schienen geliefert. Das Schadenausmass ist noch nicht bekannt, für die Bauherrin Baselland Transport AG (BLT) handelt es sich um einen Garantiefall.


Die 800 Meter lange neugebaute Trambrücke entlang den Bahnlinien zwischen Grosspeter, dem meeresgrünen Peter-Merian-Haus und dem Basler Bahnhof bedeutet einen Meilenstein in der Geschichte des öffentlichen Verkehrs in der Region Basel: Sie verbindet das Birstal mit dem Leimental über den Bahnhof SBB und schafft so für ein Einzugsgebiet von 140'000 Menschen erstmals einen direkten Anschluss an die Bahn. Am 29. Juni soll das grosse Eröffnungsfest steigen, zu Ferienbeginn am 30. Juni soll der reguläre Fahrbetrieb aufgenommen werden.

Eine unerfreuliche Entdeckung

Doch vor wenigen Tagen stellte die Bauherrin Baselland Transport AG, die die beiden verbundenen Tramlinien 10 und 11 betreibt, mit Schrecken fest: Die in Doppelspur verlegten Geleise erlaubten nicht, eine zu Lärmschutzzwecken nötige Mangan-Legierung aufzuschweissen. Der Lieferant hatte schlicht die falschen Schienen montiert. BLT-Direktor Andreas Büttiker bestätigte diese Informationen von OnlineReports. Laut seinen Angaben müssen jetzt 3,2 Kilometer Geleise demontiert und mit dem korrekten Material bestückt werden. Morgen Montag treffen sich Vertreter der Lieferantin und der BLT zu einem Augenschein auf der Pannen-Brücke.

Laut Büttiker handelt es sich dabei um einen Garantiefall, "der die BLT Null Franken kostet". Auch sei die Inbetriebnahme zu Ferienbeginn nicht in Frage gestellt: "Wir haben verlangt, dass die Schienen bis Ende April ausgewechselt sind, so dass im Mai die Testfahrten durchgeführt werden können."

Lagerbestände von BVB und BLT werden angezapft

Rolf Bürki, Geschäftsleiter der Burgdorfer Gleisbauerin GTB, stand zum Fehler. Der Baustellenbeauftragte habe aus Versehen die "900er Güte" statt bloss die "700er Güte" bestellt. Obschon es sich dabei um eine bessere Qualität handle, könne der Mangan-Belag tatsächlich nicht aufgetragen werden. Den Schaden könne er "noch nicht beziffern", sagte Bürki, der die Gleis-Länge mit 2,4 Kilometern angab. Damit keine Verzögerung entsteht, sollen die korrekten Tramschienen laut Bürki jetzt behelfsweise aus Lagerbeständen von BLT und den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) bezogen und der Bauherrin vergütet werden.

Nur bedingt "Combino"-tauglich

Laut Informationen von OnlineReports hat die lang ersehnte Trambrücke noch eine andere Tücke: Sie sei - was in Ausnahmefällen nötig sein könnte - mit dem modernen Basler Tramzug "Combino" nicht befahrbar, weil die Abstände zwischen Schiene und Randstein zu gering seien und somit Probleme mit den Radnaben entstehen könnten.

BLT-Chef Büttiker mochte dieser Meinung nicht rundum zustimmen. Doch erklärte er, dass beim Austausch der Schienen die Gelegenheit benützt werde, die erforderlichen Abstände um "einige Zentimeter" zu vergrössern. Tatsächlich sei die "Combino"-Tauglichkeit der Brücke zum Zeitpunkt ihrer Projektierung "kein Thema" gewesen.

8. April 2001

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