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"Schon etwas gestaunt": Basler Recycler Lottner, Munition

Im Schredder-Gut lag eine Übungs-Panzerrakete

Unangenehmer Munitionsfund im Recyclingpark der Basler Entsorgungs-Firma Lottner AG


Von Peter Knechtli


Die Explosion eines Hauses im glarnerischen Netstal lässt aufhorchen. Auch in Basel landet Munition nicht immer dort, wo sie hingehört: Die Reclingfirma Lottner AG entdeckte letzte Woche im Sperrgut eine Granate, kurz bevor sie in die Schredderanlage gekippt worden wäre.


Jonas Lottner (33), Assistent der Geschäftsleitung der Altstofffirma Lottner AG, stutzte am Montag letzter Woche, als er aushilfsweise auf dem Bagger sass und im Recyclingpark den Schredder mit Sperrgut fütterte. Kurz bevor die Greifarme eine Ladung Abfall in den Schlund des mächtigen Material-Häckslers freigaben, entdeckte er im Müll ein über einen halben Meter langes Munitionsstück, das mit Sicherheit nicht an diesem Ort entsorgt werden sollte: Eine für ihn nicht weiter definierbare Granate.

Brisantes im Sperrgut versteckt

"Da war ich schon etwas erstaunt", meinte Jonas Lottner auf Anfrage zu OnlineReports. Allerdings: Neu ist für ihn die Erfahrung nicht, dass Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit der Sperrgutabfuhr auch und nicht selten irgendwo versteckt dazu nutzen, gleichzeitig auch bequem Sonderabfälle loszuwerden. "in den letzten zwölf Monaten haben wir sicher 200 bis 300 Patronen und ein halbes Dutzend kleinere Granaten und Mörser aus dem Sperrgut gefischt", meinte Lottner weiter. Erst kürzlich gingen den Entsorgungs-Profis wieder eine volle 50er-Packung einer scharfen 9-Millimeter-Munition und GP11-Patronen ebenso ins Netz wie ein nicht näher definiertes Metallteil mit Zündschnur (Bild).

Dass er neulich die Rakete entdeckte, "war Zufall", sagt Lottner. Denn: "Man sieht nicht so genau, was man in den Schredder wirft." Einmal wurde im Sperrgut eine Zündholz-Sammlung entsorgt. "Da begann es im Schredder sogleich zu brennen." Für die Vermischung von gefährlichen oder sonstwie problematischen Stoffen mit Sperrgut hat Jonas Lottner kein Verständnis: Munition, alte Medikamente oder Sondermüll in kleinen Mengen können im Recyclingpark kostenlos abgegeben werden. Die Munition gibt die Firma Lottner anschliessend auf dem Polizeiposten Kannenfeld ab.

Wenig Substanz ergab eine Nachfrage bei der Muldenzentrale Basel AG in Kaiseraugst: "Bei solchen Anfragen machen wir sowieso nicht mit", blockte die Frau am Telefon ab.

Gewehr-Munition verpufft im KVA-Ofen

Im Ofen oder in den Schreddern der Basler Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) hingegen kommt es "ab und zu einer Explosion oder zu Bränden", sagt Franz Erni, der Leiter der Eingangskontrolle. Es müsse sich dabei aber nicht zwingend um Munition handeln. "Es kann auch eine Spraydose oder Feuerwerk sein." Gewehrmunition verpuffe im Ofen lediglich, sagt Erni: "Das ist nicht die gleiche Entladung wie im Gewehr." Eine Zündholzlieferung sei auch schon geliefert worden, habe sie vor der Verarbeitung bemerkt werden können.

Munition und Giftstoffe können in der Sondermüll- und Giftsammelstelle der KVA ebenfalls kostenlos abgegeben werden. Primäre Anlaufstellen für Munitions-Abgabe seien aber das Zeughaus oder einzelne Polizeiposten. Medikamente können bei Apotheken, Lösungsmittel in Farbläden abgegeben werden.

Es war eine Übungsrakete

Im Fall des jüngsten Munitionsfundes durch die Firma Lottner AG handelt es sich nicht um scharfe Munition. Hauptmann Alex Spora vom Kompetenzzentrum für Kampfmittelbeseitigung im Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) identifizierte das Geschoss als "Raketenrohr-Übungsrakete 64" (Volksmund: "Urak"), die "keine sprengfähigen Baugruppen enthält". Einzig der Antriebsteil – das metallische messingfarbene Leitwerk – enthält vor dem Abschuss eine Treibladung. Die offenen Ausblasventile zeigten jedoch, dass diese Rakete verschossen wurde und "als Munitionsschrott zu behandeln" ist. Sie enthalte, sofern sie nicht durch Dritte rechtswidrig manipuliert worden sei, keine "scharfen" Teile mehr.

20. August 2010

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"Noch mehr Munition gegeben"

Lieber Herr Furrer, die Frage sei schon erlaubt, was für kompetente Leute beim "Kompetenzzentrum für Kampfmittelbeseitigung im Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS)" arbeiten und auf der Lohnliste stehen. Das hat ihnen als Waffennarr scheinbar auch zu denken gegeben, dass sie die Korrektur anbringen mussten. Dank ihrer freundlichen Mithilfe haben sie den Armee- und Waffengegnern noch mehr Munition gegeben, die werden sich bestens zu bedanken wissen.


Bruno Heuberger, Oberwil



"Zusätzliche Munition für Waffengegner"

Da muss ich Hptm Alex Sopra widersprechen. Beim abgebildeten "Geschoss" handelt es sich U Rak 64, sondern um eine Übungsgranate U Rak Modell 58 passend zu den 8,3cm-Rak-Rohren Modell 50 (für den Transport zusammenklappbar) und Modell 58.

 

Das Teil enthält keine gefährlichen Stoffe ist vollkommen harmlos. Das Ärgerliche an der Sache ist, dass die Medien – mit Ausnahme von OnlineReports – diesen Alteisen-Fund unreflektiert als Sensation verkaufen und damit nicht nur die Bevölkerung verunsichern, sondern vor allem den Armee- und Waffengegnern im wahrsten Sinne des Wortes zusätzliche Munition liefern. Viel Lärm um nichts!


Abdul R. Furrer, Waffensammler, Basel


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