© Fotos by Monika Jäggi, OnlneReports.ch
"Ans Herz gewachsen": Imker Seiler, Dach des Gundeldingerfeldes in Basel

Diskrete Delikatesse: Der Stadthonig "made in Basel"

Noch ist Stadthonig nur auf informellen Wegen zu haben. Das kann sich aber ändern


Von Monika Jäggi


Unten dröhnt der Strassenlärm und oben summen die Bienen: In Basel sind viel mehr Imker aktiv als angenommen. Noch bietet die Stadt ein optimales ökologisches Umfeld für Bienen. Erstaunlich: Das Nischenprodukt Stadthonig ist von hervorragender Qualität. Ein Report über die Bienensuche in Gärten und auf Dächern Basels.


Um es vorwegzunehmen: Während der Recherchen zu diesem Artikel wurde ich von einer Biene gestochen - auf dem Flachdach des Gundelingerfeldes, wo mir Imker Andreas Seiler seine zwei Bienenvölker zeigte. Es war ganz klar meine Unkenntnis der Situation. Um eine Foto zu knipsen, ging ich zu nahe an den Bienenkasten dran und stand erst noch in der Flugrichtung der Bienen. Obwohl es schon Abend war, flogen die Bienen noch munter ein und aus. Sie sammelten auf dem Areal des Gundeldingerfeldes (Bild oben) und auf dem nahen Bruderholz Nektar - ihren Wintervorrat.

Deswegen habe die Biene mich gestochen, erklärt Andreas Seiler. "Sie hat ihren Honig verteidigt." Die Bienenvölker benötigten den im Spätsommer gesammelten Nektar als Nahrung, um den Winter zu überleben. Der Imker schleudert den Honig nur bis Ende Juli, was danach gesammelt wird, gehört den Bienen. Bis zu 18 Kilogramm Honig braucht ein Bienenvolk als Futterreserve, um sich im Winter warm zu halten und um für den Brutbeginn im Februar des neuen Jahres fit zu sein. Beim Besuch von Seilers drei weiteren Bienenvölker auf einem Garagendach in der Nähe des Schützenmattparks hatte ich meine Lektion gelernt: Nicht in der Flugrichtung der Bienen stehen und respektvollen Abstand vom Bienenkasten halten.

Grosse Vielfalt, unterschiedliche Blütezeiten

Noch immer bringt die Stadtbevölkerung die Imkerei mit der ländlichen Umgebung in Verbindung. Doch erstaunlich: Als Lebensraum für Bienen ist die Stadt heute geeigneter als das Land. Beispiele aus Paris oder New York zeigen, was in der Stadtimkerei möglich ist. In diesen und anderen Städten ist Honig "Made in Paris" oder "Made in New York" ein teuer verkauftes und begehrtes Gourmet-Produkt.

Was mögen Bienen an Städten? Die Stadt ist der Pflanzenvielfalt und der unterschiedlichen Blütezeiten wegen ein idealer Lebensraum für die Bienen. Von Frühling bis Herbst finden die Bienen in der Stadt immer eine Blüte, die zum Nektarnaschen lockt.

Basel hat Bienen-Paradiese

Mögen Bienen auch Basel? Die Stadt Basel sei "für Bienen ideal", sagen übereinstimmend mehrere von OnlineReports befragte Imker. Insgesamt gibt es zwischen 500 bis 1'000 Bienenvölker im Raum Basel, die ein reiches Pollenangebot vorfinden. Denn am Rheinknie gibt es viele grüne Lebensräume, so etwa die Stadtpärke, aber auch die Familiengärten und die privaten Gärten in den Hinter- und Innenhöfen. Wegen der abwechslungsreichen Vegetation in der Stadt ist der Futterstress für die Bienen geringer. Die Stadt mit ihren ökologischen Nischen steht auch im Gegensatz zu den ausgeräumten und mit Pestiziden, Fungiziden und Insektiziden behandelten Landwirtschaftsflächen.

Als die besten Quartiere für die Haltung von Honigbienen in Basel gelten die Quartiere beim Schützenmattpark, bei Kannenfeldpark und die Gegend um die Familiengärten Milchsuppe. Aber auch Gebiete im Kleinbasel bieten ein gutes Nektarangebot. In Rheinnähe sind es die vor allem die Lindenbaum-Alleen, die als Futterquelle attraktiv sind für Stadtbienen; entlang der Feldbergstrasse sind es die an den Hauswänden gepflanzten Glyzinien.

Weitere gute Standorte sind der Petersplatz mit dem Botanischen Garten als Futterquelle oder der Zoo Basel. Das Pollenangebot variiert von Quartier zu Quartier. So ist beispielsweise das Naturhistorische Museum als Standort für Honigbienen wenig geeignet, wie Matthias Lehnherr, Betreuer eines Beobachtungs-Bienenstocks im Museum, betont. Er stellt jedoch fest, dass das Futterangebot für die Bienen in den Quartieren zunimmt, weil die privaten Stadtgärten heute nicht mehr so stark gepflegt werden und eher verwildern.

Je wärmer desto produktiver

Auch die Stadtwärme beflügelt die Produktivität der Bienen. Da das Klima in der Stadt ein paar Grad wärmer ist als auf dem umliegenden Landgürtel, und die Arbeiterbienen erst ab 8 Grad ausfliegen, ist die Arbeitszeit der Bienen und damit ihre Produktivität in der Stadt grösser. Sie fliegen im Tagesverlauf länger und starten im Frühjahr eher mit der Nektarsuche. Beispiel: Dieses Jahr konnte Andreas Seiler von seinen zwei privat gehaltenen Völkern bereits 50 Kilogramm Honig gewinnen. In einer guten Saison, so  hofft er, wird er bis zu 100 Kilogramm Honig pro Stock produzieren (lassen) können, während sich Bienenhalter auf dem Land schon über 15 bis 20 Kilogramm freuen.

Imker Roland Baumann, der drei Bienenvölker auf dem Dach des Leonhardschulhauses in Basel, aber auch Bienenstöcke in Ziefen betreut, bestätigt diesen Trend: Letztes Jahr hat er in Ziefen fünf Kilogramm Honig pro Volk geerntet und in Basel rund 25 Kilogramm pro Bienenvolk. Die Bienen haben in der Stadt somit deutlich mehr Honig produziert als im ländlichen Gebiet.

Unbegründete Angst vor Bienen

Andreas Seiler findet es wichtig, das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung der Stadtbienen in der Öffentlichkeit zu wecken. Es ist ihm überdies ein Anliegen, Stadtbewohnern die Angst und die Vorurteile vor Bienen zu nehmen. Diese Angst sei latent vorhanden, was sich auch in der Schwierigkeit zeige, im städtisch-öffentlichen Raum Standplätze für Bienenvölker zu finden. Bienen sind blütenbeständig. Haben sie eine Quelle entdeckt haben, bleiben die Arbeiterinnen dran, bis die Pflanzen verblüht sind. Aber an den Menschen sind sie nicht interessiert, ausser die emsigen Summer fühlen sich angegriffen. Andreas Seiler ist überzeugt, dass Information und guter Honig das Interesse der Bevölkerung zu wecken vermögen.

Davon ist auch Urs Löhnert, Imker aus dem Familiengartenareal Milchsuppe, überzeugt. Das Verständnis für die Bienen sei im Familiengarten nicht mehr so gross, die Angst vor Bienenstichen dafür umso grösser. Heute pachten vermehrt jüngere Familien die Gärten, es habe ein Generationenwechsel stattgefunden. Die älteren Pächter seien mit Bienen aufgewachsen, jüngere Leute hätten wenig Erfahrung mit ihnen, so sein Fazit.

Stadt hat einen günstigen Einfluss

Sobald Freunde und Bekannte von der Stadtimkerei erfahren, zeigen sie sich interessiert, die meisten sind jedoch erstaunt, sagt Seiler. Das Vorurteil: Stadthonig sei doch ungesund oder gar verseucht. Alles Mögliche kommt den urbanen Menschen in den Sinn, wenn sie an Stadthonig denken - die Abgase, die Schwermetalle. Findet sich das nicht alles im Honig wieder?

Hier teilen sich die Meinungen der befragten Imker. Die einen schwören darauf, dass der Basler Honig aufgrund der geringeren schädlichen Umwelteinflüsse in den Stadtgärten, denen der Nektar ausgesetzt ist, qualitativ einer der Besten der Schweiz sei. Andere möchten das nicht so pauschal unterschreiben, da es noch keine wirklichen Vergleiche gebe zwischen den Schadstoffinhalten in Stadt- und Landhonig. Es sei ein aufwändiges Verfahren, dies zu untersuchen.

Eine dieses Jahr publizierte Studie aus dem Agrarforschungsinstitut in Avignon bestätigt immerhin erstmal den Zusammenhang zwischen einer vielfältigen Pollenernährung, wie sie vermehrt in städtischen Räumen vorkommt, und einer verbesserten Immunabwehr bei Honigbienen. Damit wird die Vermutung einiger Basler Imker gestützt, dass Stadtbienen aufgrund der positiven natürlichen Voraussetzungen, die sie im Ballungsgebiet vorfinden, weniger geschwächt sind als Landbienen.

Bienen als Maturarbeit

In Basel wird auf privater Basis erfolgreich geimkert. Der Stadthonig wird vor allem unter der Hand an Freunde und Bekannte verschenkt oder verkauft. Urs Löhnert beispielsweise hängt ein Schild an seine Hauswand, um Vorübergehende auf den Honig aufmerksam zu machen. Der Honig vom Leonhardsschulhaus (Bild) hingegen wird nur intern an die Lehrer verkauft, für die Schüler sind die Bienen Anschauungsunterricht. Es wäre jedoch "toll", meint Roland Baumann, wenn sich Schüler in einer Maturarbeit mit den Bienen und dem Lebensraum Stadt auseinandersetzten. Sie seien schliesslich die Generation der neuen Imker.

Zurück in Gundeldingerfeld. Ein bis zweimal pro Tag steigt der Stadtimker auf das Dach, um nach seinen Bienen zu schauen. Es sind Jungvölker, die seit Mitte Juni dieses Jahres dort angesiedelt sind. Die Begeisterung über seine nützlichen Insekten ist ihm anzuhören. "Sie sind mir ans Herz gewachsen, ich muss wissen, dass es ihnen gut geht", erklärt er. Andreas Seiler ist nicht nur Imker, er ist auch Koch im Bio-Bistro im Gundeldingerfeld. Schon heute verwendet er den diesjährigen Honig, den die Bienen auf dem Flachdach in seinem Hinterhof produzierten, für Marinaden und in Desserts.

Label "Made in Basel"

Der Bienenhalter möchte aber den Honig aus dem Gundeldinger Quartier noch etwas bekannter machen. Ab nächstem Jahr sollen die zum Wirtschaftsvolk erstarkten Bienen auf dem Dach des Gundeldingerfelds genügend Honig produzieren, damit er ihn, gekennzeichnet mit dem eigens geschaffenen Label "StadtHonig", im Bistro verkaufen kann.

Damit will Seiler in der Bevölkerung gleichzeitig auch das Bewusstsein für die grösseren Zusammenhänge in der Natur und die Bedeutung der Bienen darin wecken. Der Imker sucht deshalb - direkt in der Innenstadt - aktiv weitere Standorte für Bienenvölker.

Interessant könnte diese Idee auch für Basels Gastronomie sein. Was bietet sich besser an, als Basler Honig als Gourmetprodukt zu verkaufen und damit gleichzeitig auch für den Lebensraum Basel zu werben? Ein lokales Produkt, hergestellt in Basel, verkauft in Basel. Eine Bienenstadt-Entwicklung, sozusagen.

Weitere Informationen: www.bienenbeiderbasel.ch

27. September 2010

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"Unser Sport trifft den Zahn der Zeit"

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im "Vogel Gryff"
vom 23. Mai 2019
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Gratulation zum Volltreffer der Kategorie Zeit-Zahn.

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.