© Fotos by Ruedi Suter und Peter Knechtli, OnlineReports, BMF
"Komplexe Angelegenheit": Botschafter Oscar Knapp (links), Penan-Delegation*

Die Schweiz hilft, Penan-Land unter Schutz zu stellen

Mit dem Pulong-Tau-Park auf Borneo wird eine Idee des Basler Regenwaldschützers Bruno Mansers realisiert


Von Ruedi Suter


Dank einer Schweizer Initiative soll der malaysische Gliedstaat Sarawak mit dem Pulong-Tau einen Nationalpark erhalten. Er umfasst auch Gebiete der Penan-Waldnomaden. Einer Realisierung stehen noch etliche Hürden im Weg: Mit ein Grund für Botschafter Oscar Knapp, in Bern eine Penan-Delegation zu empfangen.


Den verschollenen Regenwaldschützer Bruno Manser hätte die Sitzung von gestern Donnerstag im Gebäude des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) in Bern wohl gefreut: Im Namen der Schweiz versprach Botschafter Oscar Knapp den angereisten Penan-Abgeordneten Mutang Urud und Balang Nalang tatkräftige Unterstützung bei der Realisierung des 164'500 Hektaren grossen Pulong-Tau-Nationalparks in Sarawak.

Dieser umfasst die letzten natürlichen Bergwälder im Nordosten Borneos und ist die Heimat der Urvölker Penan, Kelabit und Lun Bawang. Erst im März hatte sich die Regierung des malaysischen Bundesstats Sarawak durchgerungen, den - vor einem Jahrzehnt erstmals von Manser geforderten - Park zu gründen. Auch vorderhand ist er immer noch ein Projekt, doch sind die Beteiligten hoffnungsvoll, dass das Reservat im nächsten Jahrzehnt auch tatsächlich realisiert wird. Seine Verwirklichung werde indes eine "komplexe" Angelegenheit, gab Botschafter Knapp als Delegierter für Handelsverträge zu bedenken. "Aber: Wir sind sehr zuversichtlich, das Ziel gemeinsam erreichen zu können."

Verbesserung der Lebensbedingungen angepeilt

Das Seco beteiligt sich mit 300'000 US-Dollar an der ersten, zwei Jahre dauernden Phase des Projekts, das von Sarawak, den lokalen Völkern und von Nicht-Regierungsorganisationen getragen wird. Wichtigste Ziele sind die Sicherung oder Verbesserung der Lebensbedingungen der heute vom Vormarsch der Holz- und Plantagenkonzernen bedrohten Völker, der Schutz der Biodiversität und der nahtlose Anschluss an den Kayan Mentarang-Nationalpark im benachbarten Indonesien (Kalimantan), der ebenfalls von der Schweiz unterstützt wird. Unter Schutz gestellt werden soll ausserdem der imposante, im Penanland aus dem Rest-Urwald ragende Berg Batu Lawi (Bild).

Treibende Kraft für die Realisierung des Biosphärenreservats Pulang-Tau ist der Schweizer Forstexperte Jürgen Blaser, dessen Stiftung Intercooperation im Auftrag des Seco das Projekt evaluierte und nun in enger Zusammenarbeit mit der Internationalen Tropenholzorganisation (ITTO), den Behörden Sarawaks und den Einheimischen die Pläne vorantreiben will. Blaser berichtete am Treffen, wie er 1995 mit Bruno Manser dessen Ideen für die Einrichtung eines Biosphärenreservats verfeinern half. Im Gegensatz zu damals habe er heute den Eindruck, die Behörden Sarawaks seien interessiert und positiv eingestellt.

Mit vielen Problemen ist zu rechnen

Trotzdem werde der Park nicht einfach zu realisieren sein. Allein schon die Ausweitung der heutigen Kernzone von 59'800 auf 164'500 Hektaren dürfte Schwierigkeiten bereiten, da viel Land bereits als Holzkonzession vergeben wurde. Er spüre aber eine erfreuliche Dialogbereitschaft, sagte Blaser. "Wenn uns Sarawaks Regierung aber nicht unterstützt, werden wir nicht mehr weitermachen."

Diese Haltung entspricht jener der zuständigen Verantwortlichen im Seco, Ressortleiter Hans-Peter Egler und Daniel Birchmeier. Denn ihr Engagement für das Parkprojekt ist auf etliche Toleranz innerhalb des klar wirtschaftsorientierten Staatssekretariats angewiesen. Umweltanliegen stehen da nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. "Ohne Bruno Manser würden wir uns im Seco nicht mit Tropenholz befassen", räumte Hans-Peter Egler freimütig ein.

Auf die Einhaltung der Menschenrechte wird Wert gelegt

Die beiden Penan-Delegierten, die von Lukas Straumann, dem Geschäftsführer des Bruno Manser Fonds (BMF), begleitet wurden und auch der OnlineReports-Redaktion in Basel einen Besuch (Bild) abstatteten, erklärten sich dankbar für den Einsatz der Schweiz. Diese trage dazu bei, dass hoffentlich ihre Rechte und ihr Überleben gesichert würden. Botschafter Oscar Knapp erwiderte, die Schweiz brauche für die Realisierung des Projekts Partnerschaften. Besuche dieser Art seien deshalb wichtig. Und jedenfalls werde man bei der Realisierung des Pulong-Tau-Nationalparks auf die Einhaltung der Menschenrechte pochen.

Ausserdem, sagte der Botschafter zu den Penan, könne er ihre Sorgen vor dem Verlust ihrer Jagdgründe und ihrer Kultur sehr gut nachvollziehen. Als Mann aus dem Jagdkanton Bündnerland kenne er die diesbezüglichen Probleme eines Nationalparks und als Romanisch sprechender Eidgenosse erlebe er selber das langsame Wegschmelzen einer Sprache.

Vom Treffen befriedigt zeigte sich ebenfalls BMF-Leiter Lukas Straumann: "Unsere grosse Hoffnung bleibt aber, dass sich die Schweiz nicht zurückzieht, bevor das Biosphärenreservat eingerichtet ist."

* Mutang Urud, Balang Nalang und Manser-Schwester Monika Niederberger-Manser

19. Mai 2006

Weiterführende Links:


MANSER-VORTRAG

Erich Manser hält morgen Samstag, 20. Mai, um 17 Uhr in der Quartierhalle QuerFeld an der Dornacherstrasse 192 in Basel einen öffentlichen Diavortrag über die Suche nach seinem Bruder: "Auf der Suche nach Bruno Manser, Expeditionen in Sarawak 2000 bis 2003".


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