© Foto by Ruedi Suter, OnlineReports.ch
"Dann ist es so": Fastender Basler Umwelt-Aktivist Martin Vosseler*

"Ich faste, bis der Wahnsinn der Vernunft gewichen ist"

Die Radikalisierung des Arztes und Umweltschützers Martin Vosseler schreckt durch unberechenbare Aspekte


Von Ruedi Suter


In einer ehemaligen Gefängniszelle des Basler "Lohnhofs" nimmt Martin Vosseler, der führende Widerstandskämpfer gegen die Zollfreistrasse, seit dem 8. Februar kein Essen mehr zu sich. Die Bevölkerung reagiert zutiefst gespalten. Will da ein Fanatiker sein Leben wegwerfen? Oder riskiert da einer aus ehrenwerten Gründen ein Martyrium? Der Versuch einer Annäherung.


Zimmer 18 ist eng. Eng wie eine Gefängnis- oder Mönchszelle. Zimmer 18 war schon beides, Knast und Klause. Es liegt im zweiten Stock des "Lohnhofs". Das wuchtige Gebäude über dem Platz der Barfüsser im Herzen Basels diente ab dem 12. Jahrhundert als Mönchskloster. Später wurde es zum Gefängnis umfunktioniert, und seit bald zehn Jahren beherbergt es schicke Wohnungen und die Gaststätte "Au Violon". Im Zimmer 18 haben schon Geistliche, Verbrecher und Feriengäste ihre Tage verbracht.

Nun scheint eine weitere Kategorie hinzuzukommen - die der Märtyrer. Seit dem 8. Februar wird Hotelzimmer 18 von einem hageren Mann mit Sandalen und dickem Wollpullover belegt: Martin Vosseler (58) isst nichts, meditiert, spricht von Naturschutz, Eigenverantwortung und lebensnotwendigen Veränderungen. Der Basler Arzt hat wieder einmal ein Gelübde abgelegt: Er verzichtet solange auf Essen, bis an der Wiese "der Wahnsinn der Vernunft gewichen ist".

"Ich will ein starkes Zeichen setzen"

Von Zimmer 18 aus will Vosseler verhindern, "dass eine Brücke gebaut wird, obwohl die Zollfreistrasse noch weit von der Baureife entfernt ist". Denn weder sei alles Land enteignet noch seien die Hangrutsch-Risiken und die Schutzwürdigkeit des Naturgebietes geklärt. Selbst die Ausschreibung der umkämpften Verbindungstrasse fehle noch. So schwant dem Fasten-Aktivisten ein einsamer Brückentorso über der Wiese, ohne jeden Strassenanschluss.

Gegenüber den "Tricks" der deutschen Partner sei die Basler Regierung zu blauäugig gewesen, kritisiert Vosseler. Niemals hätte sie grünes Licht für den geplanten Brückenbau so früh geben dürfen. Denn das, was die Deutschen sonst sinnigerweise bei Autobahnen machten (der Bau in Etappen), werde jetzt plötzlich auf ein 700 Meter langes, still und leise zur Bundesstrasse umfunktioniertes Strassenstück angewendet. Dies wie auch das Nichtabwarten des Enteignungsverfahrens bedeute den Bruch des Staatsvertrages. "Dagegen will ich jetzt ein starkes Zeichen setzen", sagt Martin Vosseler. Dass dies keine leere Drohung ist, bewies er schon 2004.

Der Ruf der inneren Stimme

Exakt zwei Jahre sind es her, als Vosseler nach seinem Fussmarsch von Basel nach Jerusalem umgehend am Schlipf sein Zelt aufstellte, um gegen das "überholte Projekt" und die drohende Fällung der Bäume anzufasten. Die Gegner und Gegnerinnen des Projekts Zollfreistrasse hatten unerhofft einen entschlossenen Anführer mit guten Verbindungen zu Politik und Establishment gefunden.

Die "Zollfreie" wurde zum brisanten Politikum und auf juristischer Ebene verzögert. Doch am 6. Februar, Tage vor der Abstimmung über die "Wiese-Initiative", beendete die Basler Regierung mit einem zurückhaltenden Polizeieinsatz die friedliche Besetzung des künftigen Baugeländes und liess roden. Wortführer Vosseler, der sich an einen Baum gekettet hatte, folgte seiner "inneren Stimme" und zog sich am übernächsten Tag zum Fasten ins Zimmer 18 zurück. Es ist ein Rückzug, der als Offensive verstanden wird. Und dies zu Recht.

"Das erste Opfer der Vogelgrippe"

Nun sieht sich der Fastende mit einer Phalanx verärgerter Bürgerinnen und Bürger konfrontiert. Die Befürworter der Zollfreistrasse werfen ihm mehr denn je "Zwängerei", "Fundamentalismus" und "undemokratisches Verhalten" vor, da er sich mit seiner neusten Fastenaktion weder dem Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz noch den Urteilen der Gerichte noch den vollbrachten Rodungen beugen wolle. Lächerlicher denn je scheinen ihnen angesichts der Autoschlangen auch die Argumente zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt. Noch letzte Woche hatte es ein Flugblatt ins Zimmer 18 geweht, auf dem der Wiese-Verteidiger wegen der Sichtung seltener Vögel am Schlipf zum "ersten Opfer der Vogelgrippe" deklariert wird: "Er sieht Vögel, wo keine sind." Im Klartext: "Vosseler hat einen Vogel."

Ein Eindruck, der selbst in den Reihen jener wächst, die zur deutlichen Annahme der Wiese-Initiative beitrugen. Manche empfinden die Art des Aktivisten, Träumen zu folgen, an Wunder zu glauben, Visionen zu haben und sich mit Nahrungsverweigerung zu kasteien, als abgehoben, naiv, realitätsfremd oder zumindest als befremdend. Ein Leser von OnlineReports bezeichnete "St. Martin in The Fields" und seine Unterstützer gar als Anhänger einer "Erweckungsbewegung". Anderen wiederum geht das ihrem Empfinden nach überbetont sanfte Auftreten des "Heiligen Martin" auf die Nerven. Der Mann sei, so die härteste Kritik, mit seinem "Fanatismus" auf dem besten Weg zum "gefährlichen Sektierer" zu werden. Ist dem so?

Reden und lesen, fasten und singen

Die Antwort dürfte in Zimmer 18 zu finden sein. Die Türe ist niedrig, demütig müssen wir uns bücken, um eintreten zu können. Kleine Fenster, mit Blick auf den ehemaligen Gefängnishof. Im Zimmerchen zwei Betten, wovon das eine mit Büchern und Papieren belegt ist. Briefstösse, Projektpläne, Zeitungen, ein Buch über "Lichtnahrung", ein zweites von Julia Butterfly Hill ("Die Botschaft der Baumfrau"), die an der US-Westküste zwei Jahre lang auf einem vom Fällen bedrohten Baum ausharrte, sowie Albert Schweitzers "Ehrfurcht vor dem Leben". Martin Vosseler legt sich für das Gespräch aufs Bett.

Die Kräfte müssen eingeteilt werden, für die Büroarbeiten, für die Gespräche mit Sympathisanten, Befürwortern der Zollfreien, Leuten aus Politik und Wirtschaft, Freunden und Freundinnen. Aber auch für die täglichen Andachten und Gesänge - unten, in der Krypta der benachbarten Leonhardskirche. Ihr Klang, schwärmt Sänger und Geigenspieler Vosseler, sei schlicht überwältigend. Früher schon traf sich der Arzt regelmässig mit seinem besten Freund im Grabgewölbe, um gemeinsam zu singen. Der Freund war Pazifist, wurde 1974 als Dienstverweigerer in den "Lohnhof" gesperrt, womöglich sogar in Zelle 18. Er hiess Bruno Manser.

Vorbild Bruno Manser

Ohne den seit 2000 verschollenen Regenwaldschützer und Menschenrechtler kann heute der Aktivist Martin Vosseler nicht begriffen werden. Er sieht in Bruno Manser nicht nur ein Vorbild, er war auch sein Partner bei der sensationellsten Fastenaktion, welche die Schweiz je erlebt hatte. 1993, als man in Bern - mit dem Segen zahlreicher Politiker aus den beiden Basler Kantonen - den Bundesrat mit Fasten auch für die bis heute nicht eingeführte Deklaration für Holzprodukte bewegen wollte, verweigerten sich Vosseler 42 und Manser 60 Tage jeden Essens. Seither und vor allem seit dem Verlust seines konsequent handelnden Freundes Bruno hat sich Vosseler zunehmend radikalisiert. Im Sinne eines gewaltlosen und stets Alternativen aufzeigenden Widerstands gegen jene Entwicklungen, die den blauen Planeten zu zerstören drohen.

Martin Vosseler hat in einem gewissen Sinn Bruno Mansers Erbe angetreten. Nicht im Urwald Borneos, aber hier, in Basel, vor der eigenen Haustüre. Gemeinsam hatten die beiden vor allem eine stupende Vielseitigkeit, eine schwärmerische Liebe zum Leben und eine bis zum Äussersten gehende Entschlossenheit. Diese hat auch Nonkonformist Vosseler schon mehrfach unter Beweis gestellt: Als Arzt, der seine Praxis aufgab, um sich besser dem Selbst und der Verwirklichung von Sonnenenergie-Nutzungsideen zu widmen; als Atomkraft- und Atomwaffengegner der ersten Stunde; als Friedensvermittler zwischen Israeli und Palästinensern; als Basler Grossrat, den die politischen Ränkespiele nach nur acht Monaten dem Parlament den Rücken kehren liess; als Mitbegründer der Bürgerbewegung Ökostadt Basel nach der Brandkatastrophe von Schweizerhalle; als Hauptmann der Schweizer Armee, der eines Tages den Dienst verweigerte; als Gründer der Stiftung SONNEschweiz, die innert zweier Generationen überall erneuerbare Energien haben will, und als Schöpfer der "sun 21", dieser jedes Jahr durchgeführten internationalen Impulswoche für eine nachhaltige Energiezukunft, mit der er Leute wie den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore oder die "Faktor 4"-Vordenker Amory Lovins und Ernst-Ulrich von Weizäcker nach Basel holte.

"Ich fühle mich unabhängiger denn je"

Das wissen wir bereits vom Mann auf dem Bett, der uns trotz bald zweiwöchiger Nahrungsverweigerung mit klarer Stimme antwortet. Wir wissen aber auch, dass er sich zunehmend von allem Materiellen trennt und Dinge erzählt, die in unserer materialistisch geprägten Gesellschaft reflexartiges Misstrauen auslösen. Denn Vosseler steht mit Unsichtbaren in Kontakt. Er führt Gespräche mit dem vermissten Manser, und er hält sich an dessen Ratschläge. "Gib nicht auf!", hatte ihm der Freund noch vor zwei Jahren am Schlipf geraten.

Ob jemand deswegen geistig am Weghuschen ist, dürfte eine Frage des Kulturkreises und der Wahrnehmung sein. Auf anderen Kontinenten würden Gespräche mit Toten oder Unsichtbaren kein Aufsehen erregen, hier aber schon. Vosseler ist sich dessen bewusst. Er sagt uns: "Je älter ich werde, desto mehr stehe ich zu mir und desto freier werde ich von der Meinung anderer Leute." Ob er nun zum "Guru" oder zum "Irren" abgestempelt werde, kümmere ihn nicht mehr. "Ich fühle mich unabhängiger denn je, und ich sage mir: Martin, du musst einfach sein, wie du bist, und dazu stehen."

"Es braucht heute extreme Haltungen"

Brisante Sätze. Weil sich einer mit seinem Sendungsbewusstsein und seinem Lebensstil damit auch jederzeit den Spielregeln der Gesellschaft entziehen kann. So frei ist sonst keiner, vor allem die Behördenmitglieder in Basel-Stadt, Bern und Deutschland nicht. Mit ihren von tatsächlichen oder eingebildeten Sachzwängen bestimmten Mitgliedern stehe er nach wie vor im konstruktiven Dialog, versichert Vosseler hoffnungsvoll. Die Basler Regierung und Bundesrat Leuenberger könnten mit etwas Zivilcourage immer noch einen legalen Baustopp verordnen: "Wir haben ihnen alle Trümpfe geliefert. Sie müssten nur sagen: Es darf keine Brücke gebaut werden." Deswegen, meint der Nahrungsverweigerer, werde er notfalls auch die eigenen physischen Grenzen ignorieren: "Es braucht einfach starke Zeichen - und extreme Haltungen."

Dies will der Oeko-Kämpfer aber auch global verstanden haben - im Wissen, die Welt und damit auch Wiese und Schlipf nur gemeinsam erhalten zu können. Vosseler zieht trotz der hohen Zimmertemperatur die Decke höher und atmet tief durch. Jeden Tag, fährt er fort, würden über 100 Millionen Tonnen C02 und weitere grosse Mengen an Schadstoffen wie Feinstaub in die nur gerade sieben Kilometer dicke Luftschicht gepumpt. "Da bin ich mitschuldig. Ich bin ja auch froh, Autostopp machen zu können, wenn der letzte Bus abgefahren ist."

Support aus noblen Kreisen

Seit einiger Zeit zähle er alle Hurrikane, Waldbrände, Schneestürme, Dürren und Überschwemmungen. Da spitze sich eindeutig etwas zu. Und dann die 150 Schmettleringsarten, welche die Region Basel in den letzten 50 Jahren verloren hat! Der Liegende erregt sich: "Das geht querbeet durch die ganze Schöpfung so! Wollen wir auf dieser wunderbaren Erde überleben, muss jeder und jede von uns an Ort und Stelle Mitverantwortung übernehmen!"

Dass auch betuchte und alt eingesessene Baslerinnen und Basler diese Auffassung teilen und letzten Endes gar eine Renaturierung der Wiese wünschen, zeigen ihre diskreten Geldspenden. Sie haben mit erklecklichen Summen geholfen, den Widerstand am Schlipf zu finanzieren. Die Miete für Zimmer 18 wird stillschweigend von einem Juristen und Heimatschützer aus dem Daig berappt. Auch über mangelnde Solidarität kann sich der sonderbare Gast im "Au violon" nicht beklagen. Aufmunternde Briefe treffen täglich bei ihm ein. Freunde wie der Psychologe Franz Renggli haben jetzt, da die offizielle Fastenzeit anbricht, ebenfalls mit dem Fasten begonnen. Und der Basler Kardiologie-Professor Andreas Hoffmann hält ein wachsames Auge auf den Gesundheitszustand seines Schulfreundes Martin.

"Was dann passiert, habe ich nicht in der Hand"

Noch fühlt sich dieser "sehr fit". Er geniesse die vertiefte Wahrnehmungsfähigkeit. "Das Fasten gibt mir Kraft, es reinigt mich und ich erreiche eine Konzentration, die ich sonst nie hinkriege." Würde er einfach so fasten, hätte er an Entzugserscheinungen gelitten und längst schon aufgegeben. Ganz anders fühle er sich bei diesem "spirituellen Fasten für ein starkes Herzensanliegen". Das könne er noch lange leicht durchhalten.

"Wie lange denn?", wollen wir wissen. Der Mann, der die meditative "Fastenaktion" dem reisserischen "Hungerstreik" vorzieht, antwortet ohne nachzudenken: "Ich habe unglaublich Freude am Leben - ich möchte weiter leben und Kraft für die notwendigen Änderungen aufbauen. Der Todesaspekt könnte als politische Erpressung aufgefasst werden und ist nicht mein Anliegen. Ich habe schon Pläne, was ich nach dieser Fastenzeit hier machen möchte. Jedenfalls spüre ich die Lebenszeit intensiver als die Todeszeit." Die Antwort genügt uns nicht. Was denn bitte konkret sein werde, wenn er sein Ziel nicht erreiche? Fastenabbruch? Zwangsernährung? Tod?

Der Fastenkünstler, für den Gott selbst aus der Rose auf seinem Nachttisch blickt, überlegt eine Weile. Dann sagt er nachdenklich: "Was dann passiert, habe ich nicht allein in der Hand. Wenn es gemeint ist, dass ich das hier nicht überstehe, dann ist es so."

* In einer Zelle des früheren Basler Untersuchungsgefängnisses "Lohnhof"

20. Februar 2006

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"Die Kraft des Huflattich, der den Asphalt durchbricht"

Ruedi Suters Porträt bedarf einer Präzisierung, einer Ergänzung: Das Fasten ist für mich eine Lebensaktion, kein Hinschmachten zum Tod. Diese starke Übung für Geist und Seele in der Fastenzeit führt zu einem Zustand von innerer Klarheit, geistiger Kraft, hoher Achtsamkeit. Zusammen mit den vielen Menschen, die sich an der Wiese, in den Besinnungsstunden zur Bewahrung der Schöpfung, beim Mitfasten und bei ihrem Engagement in anderen Lebensbereichen konsequent fürs Leben einsetzen, kann da eine gemeinsame Kraft entstehen, eine Kraft, wie wir sie vom Huflattich kennen, der den Asphalt durchbricht. Diese Kraft und Klarheit braucht es heute, um die für uns alle dringend notwendige Wende zu schaffen. Es braucht äusserst klare und starke Zeichen. Ich habe die äussere und innere Freiheit, so ein Zeichen zu versuchen.

 

Ich drohe nicht und sehe mich keineswegs als Märtyrer. Dazu bin ich viel zu lebensbegeistert. In allem, was ich tue, löse ich mich vom Resultat – im Wissen: Wir allein haben nichts im Griff. Wir können niemanden zwingen, etwas zu tun, das sie oder er nicht will – das wäre allerdings Gewalt; aber wir können mit grosser Konsequenz eine Kraft aufbauen, an der sich Gewalt auflöst. Das möchte ich versuchen, mehr nicht.

 

Staunend erlebe ich, wie viel Energie ich im Fasten erlebe. Ich lebe ganz im Hier und Jetzt und fühle mich voll lebendig wie selten sonst. Zu meinem Glauben gehört, dass ich den Zeitpunkt meines Übergangs in die andere Welt wie alles andere der Schöpfungskraft anvertraue. Die leise, starke innere Stimme rät mir, diese Vertiefungszeit, diese Konzentration auf die Bewahrung der Schöpfung zu wagen. Dabei spüre und vertraue ich, dass es gut herauskommen wird – wie auch immer.


Martin Vosseler, Basel



"Stur auf ein einseitiges Gleis eingefahren"

Herr Vosseler und seine Jünger verrennen sich da in einen Kampf, der ohne logisches Nachdenken geführt wird. Naturschutz durchzwängen, ohne abzuwiegen, was wem am Schluss nützt. Die Strasse wird gebaut! Man kann aber aufpassen, dass die Natur wenig Schaden nimmt und trotz Strasse am Ende die Natur sich um den Bau herum wieder erholen kann. Wildtiere zeigen, dass sie fähig sind, Natur und Zivilisation miteinander anzunehmen. Nur Menschen haben da Mühe damit! Fanatismus hilft schon gar nicht. Mit Vosseler und seinesgleichen kann man ja nicht einmal diskutieren, die sind stur auf dieses einseitige Gleis eingefahren. Menschen sind auch Natur! All jene, die heute durch den Mehr-Autoverkehr in Mitleidenschaft gezogen werden, muss man auch schützen.


Abbas Schumacher, Basel



"Vielleicht denkt Vosseler auch einmal über 'Erpressung' nach"

Zu diesem ausserordentlich gut geschriebenen Porträt von Martin Vosseler gratuliere ich Ruedi Suter. In der Tat gibt es in der heutigen Zeit Personen - und Martin Vosseler gehört meines Erachtens dazu -, deren Denken und Handeln nicht für jedermann verständlich ist. Unbestritten sind die Leistungen von Vosseler im Kampf gegen das AKW Kaiseraugst, gegen den Atomkrieg und für die Nutzung der Sonnenenergie.

 

Mit seinem Kampf gegen den Bau der 738 Meter langen Zollfreistrasse entlang des rechten Wiese-Ufers beim Riehener Bad hat sich Vossler leider in die falsche Richtung verrannt. Zum Einen kommt sein Widerstand viel zu spät, denn er hat sowohl den Staatsvertrag von 1977, als auch die Rechtskraft des Planes von 1985 verschlafen. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!" gilt auch für Martin Vosseler.

 

Zum Zweiten übersieht Vosseler geflissentlich die ökologischen Vorteile dieser kurzen neuen Strasse, denn sie verkürzt den Weg zwischen den beiden Städten Lörrach und Weil und bringt massive Verkehrsentlastungen für Riehen (Lörracherstrasse) und das Dorf Tüllingen.

 

Vielleicht befasst sich Martin Vosseler bei seinenen Meditationen auch einmal mit dem Begriff "Erpressung", denn wer sich hinstellt und seine Forderung mit einer Todesdrohung - "ich faste, bis der Wahnsinn gewichen ist" - unterstreicht, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er wirklich nicht selbst ein wahnsinniger Erpresser ist.


Bruno Honold, Basel



"Die Fragestellung bei Vosseler ist umfassender"

Eine grosse Reportage! Gerade darin, dass sie das Zwiespältige ausdrückt, das von Vosseler ausgeht, entdecke ich den Versuch, die Wahrhaftigkeit der Taten oder Unterlassungen eines öffentlich handelnden Menschen zu überprüfen und das Suchen nach ihr auch auszudrücken. Der Ton der Reportage ist an keiner Stelle ironisch oder sarkastisch, aber auch nicht bewundernd. Es bleibt mir als Leser die Möglichkeit, selber über die Verweigerungstat von Vosseler nachzudenken.

 

Nachdenken: Nicht immer gleich antworten, bevor man die Fragestellungen überhaupt bemerkt oder verstanden hat, kommt mir als erste Denkübung in den Sinn. Die Fragestellung bei Vosseler ist umfassender, als es die alltägliche Meinungsmacherei erlaubt. Alltäglich tut man so, als ob eine Tätigkeit, ein Denkverhalten, eine Handlungsmaxime immer eine zählbare Rendite bringen müsse. Damit husten wir uns unter anderem durch wochenlanges Feinstaubdiktat, wir akzeptieren jeden Unsinn, jede Lärmbelästigung, jede Verletzung menschlicher Grössenordnungen, weil Auflagen gehalten, Einschaltquoten erhöht werden "müssen" oder weil Werbung immer unverschämter jeglichen Respekt vor dem Menschlichen vermissen lässt.

 

Wir "können" nichts dagegen unternehmen, reden wir uns ständig ein. Schliesslich handelt dann überhaupt niemand. Als ob man zum Beispiel gegen den Feinstaub nicht tatsächlich etwas unternehmen könnte. Man könnte sofort Filterpflichten einführen. Man könnte Einschränkungen organisieren. Aber: Wo kein Druck existiert, geschieht ganz offensichtlich nichts. Die veröffentlichte Meinung ist die Meinung derjenigen, die es sich finanziell, wirtschaftlich und damit hier zu Lande immer häufiger politisch leisten können, ihre Meinung zu veröffentlichen.

 

OnlineReports hat einmal mehr unabhängigerem Denken und Schreiben Öffentlichkeit verschafft.


Alois-Karl Hürlimann, Basel


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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


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Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

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Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

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• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

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• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.