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"Nutzungsdruck sehr gross": Wunsch-Standort Kannenfeldpark

Städtische Landwirtschaft wächst aufs Polit-Parkett

Jetzt wollen auch die Jungen Grünen das Gärtnern in der Stadt vom Mauerblümchendasein befreien


Von Monika Jäggi


Nach der EVP entdeckten jetzt auch die Basler Grünen das Trend-Thema der urbanen Landwirtschaft: Sie fordern neben dem Vorzeige-Projekt "Landhof" weitere Gemeinschaftsgärten, Nutz- statt Zierpflanzen in Grünanlagen und eine Beratungsstelle – nicht zur Begeisterung der Stadtgärtnerei, die anderswo Potenzial für die urbane Landwirtschaft sieht.


"Ein Pilotprojekt für einen Gemeinschaftsgarten – am liebsten im Kannenfeldpark, Thymian anstatt Zierpflanzen vor der Pauluskirche oder am Claraplatz und eine Kontaktstelle in der Verwaltung, wo sich Interessierte querbeet zum Thema urbanes Gärtnern informieren können". So skizziert Raffaela Hanauer (kleines Bild) vom Vorstand des "Jungen Grünen Bündnisses" (JGB) Nordwestschweiz ihre Vision einer zukünftigen urbanen Landwirtschaft in Basel.

Fast tausend Anfragen

Drei Vorstösse, mit eben diesen Forderungen wurden gestern Mittwoch im Grossen Rat eingereicht. "Damit wollen wir die politische Debatte zum Thema urbane Landwirtschaft in Basel anregen", sagt die engagierte Jungpolitikerin. Unterstützt wird das "Junge Grüne Bündnis" von "Basta", den Grünen Basel aber auch vom Verein "Urban Agriculture Basel" (UAB).

Der Verein unterstützt die Vorstösse: "Sie sind sinnvoll, denn sie entsprechen den Zielen und Statuten des Vereins", sagt UAB-Präsident Isidor Wallimann. Der Verein arbeite schon lange an diesen Themen, nun seien die Jungen Grünen mit denselben Inhalten auf sie zugekommen. "Eine Kontaktstelle oder eine Wandergärtnerin würde die Arbeit des Vereins vereinfachen. Wir hatten fast tausend Beratungs-Anfragen letztes Jahr", betont Wallimann.

Städtischer Nahrungsmittel-Anbau gefragt

Mit den drei Vorstössen will das JGB etwas bewegen: "Wir wollen aufzeigen, dass der Nahrungsmittelanbau in der Stadt möglich ist", erklärt die Jungpolitikerin gegenüber OnlineReports. "Uns geht es darum, die Menschen für einen regionalen und saisonalen Nahrungsmittel-Einkauf zu sensibilisieren und den Bezug zu Nahrungsmitteln wieder herzustellen. Wir verspüren ein grossen Bedürfnis von Seiten der Stadtbevölkerung für dieses Thema."

Obwohl das Thema des städtischen Nahrungsmittelanbaus in Schweizer Städten medial und bei der Bevölkerung auf grosses Interesse stösst, hatte es die urbane Landwirtschaft in Basel bisher nicht einfach. Zwar wurde vor fünf Jahren der Verein UAB gegründet mit dem Ziel, den städtischen Nahrungsmittelanbau in der Stadt und in Stadtnähe zu fördern. Im Netzwerk des Vereins sind mittlerweile rund 40 mehr oder weniger aktive Gartenprojekte zun finden. Mit dem Gemeinschaftsgarten "Landhof" im Kleinbasel wurde, in Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei, zudem ein breit beachtetes Gartenprojekt angelegt.

Politisches Mauerblümchendasein

Auf der politischen Ebene hat sich – im Gegensatz etwas zu Bern oder Zürich – nicht viel getan, um den Forderungen vieler urbanen Gärtner nach mehr Pflanzland, einer Wandergärtnerin oder einer offiziellen Kontaktstelle Nachdruck zu verleihen. Einzig die EVP hatte die urbane Landwirtschaft auf ihrem Parteiprogramm und reichte 2012 einen Vorstoss ein. Die Regierung wurde darin aufgefordert zu prüfen, ob eine Anschubfinanzierung für professionelle Beratung möglich sei und ob weitere Areale zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden können.

Der Vorstoss ist bisher noch nicht beantwortet worden: Ein Grund dafür sei unter anderem das umstrittene neue "Landhof"-Parkprojekt, sagt Stadtgärtnerei-Leiter Emanuel Trueb (OnlineReports berichtete). "Die Regierung und der Grosse Rat müssen dem neuen Projekt zuerst zustimmen und die Finanzierung für die Umgestaltung bewilligen." Sei das Projekt genehmigt, sei auch der Standort des Gemeinschaftsgartens im "Landhof" gesichert.

Mehr Gemeinschaftsgärten

Das reicht den Jungen Grünen nicht, denn es gebe eine grosse Nachfrage nach Ernährungskonzepten in der Stadt, sagt Hanauer. Sie fordern deshalb in einem ihrer Vorstösse ein weiteres Pilotprojekt – diesmal für einen Gemeinschaftsgarten im Stadtpark. Wunsch-Standort: der Kannenfeldpark.

Ist ein Park-Garten aber nicht eine Konkurrenz zum Gemeinschaftsgarten "Landhof"? "Wir wollen keine Hinterhof-Situation wie beim ‘Landhof’, sondern das gemeinschaftliche Gärtnern in die Öffentlichkeit bringen. Ein Park ist der ideale Ort dazu", ist die junge Grüne überzeugt. "Wir sehen einen weiteren Gemeinschaftsgarten als eine Ergänzung zum ‘Landhof’." Ihre Vision ist, dass Quartierbewohnende gärtnerisch aktiv werden: "Wir haben auch schon ein paar Interessenten", erklärt Hanauer.

Wenig überzeugt von der Park-Idee ist Emanuel Trueb: "Der Nutzungsdruck auf unsere Pärke ist heute schon enorm. Wir sind ständig mit Anfragen für neue Nutzungen konfrontiert". Der Auftrag der Stadtgärtnerei sei es, für möglichst viele Leute einen Freiraum zur Verfügung zu stellen. "Besonders der Kannenfeldpark ist für Landwirtschafts-Projekte ungeeignet, weil dort der Nutzungsdruck sehr gross ist und auch der Stadtnatur Raum vorbehalten bleiben muss."

Kein Beitrag zur Sensibilisierung

Obwohl Trueb Verständnis für die Vorstösse der Jungpolitikerin bekundet und das Thema heute sehr viele Menschen beschäftige, beobachte er kaum Leute, die ihre Bedürfnisse "in der Erde umsetzen". Es fehle das Know-how, das Land, vor allem aber die Zeit, die es für das urbane Gärtnern brauche. "Die Leute können sich oft nicht vorstellen, was es bedeutet, einen Garten anzulegen und zu unterhalten". Ob eine Beratungsstelle eingerichtet werden und wer die finanzieren solll, sei eine politische Entscheidung.

Auch von der Idee des JGB, in Grünanlagen, wie zum Beispiel am Claraplatz, vor der Pauluskirche oder beim Denkmal beim Bahnhof anstatt Zierblumen Nutzpflanzen anzubauen – so, wie es 2014 die Stadt Zürich mit einem Pilotprojekt versucht hatte – hält Trueb wenig: Aus fachlicher Perspektive sei das ein kontraproduktiver Beitrag zur Sensibilisierung, da dort gezogenes Gemüse kaum die erwartete Qualität habe, so der Stadtgärtner.

"Stadtnahe Bauernhöfe haben Potenzial"

Vielmehr sieht Trueb das Potenzial für die Förderung der städtischen Ernährung in den stadnahen Bauernhöfen wie dem Bäumlihof oder dem Bauernhof auf dem Margarethenhügel: Die Betriebe könnten einen Mehrwert für die Bevölkerung erbringen. Besonders der Bäumlihof sei ein in sich gekehrter Betrieb mit wenig Ausstrahlung auf die Bevölkerung. "Es sollte der Betrieb geöffnet und ein Dialog mit der Bevölkerung entwickelt werden bis hin zur Produktion von Lebensmitteln mit und für die Städter", skizziert er seine Vorstellungen.

Allerdings müsse ein solcher Betrieb anders organisiert sein und es wäre ein klarer politischer Auftrag nötig. Heute sei Immobilien Basel für den Betrieb zuständig, und dieser sei regulär verpachtet. "Eventuell müssten die Höfe zu einer Aufgabe der öffentlichen Hand werden."

Trueb sieht auch andernorts Potenzial: Er lädt die Interessierten ein, sich in den Familiengarten-Arealen zusammenzuschliessen. "Sie können dort mehrere Gärten mieten und zusammen einen Gemeinschaftsgarten bewirtschaften." Damit wiederum haben die urbanen Gärtner Mühe, weil sie in ihren Initiativen durch Mitarbeit und Integration auch offene soziale Räume anstreben.

Auf den Zug aufgesprungen?

Der Gedanke könnte aufkommen, die Jungen Grünen möchten sich im Wahljahr mit der städtischen Landwirtschaft profilieren. "Überhaupt nicht, es ist uns ein wirkliches Anliegen, das Thema in die Politik zu bringen", sagt Hanauer. Der städtische Nahrungsmittel-Anbau sei zudem ein grünes Anliegen. "Ich hoffe, die Bürgerlichen leisten in dieser Frage keinen Widerstand. Wer könne schon etwas gegen ein blühendes Lavendelfeld mitten in der Stadt einzuwenden haben."

12. März 2015


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"Nicht mehrheitsfähige Vision"

Der Druck auf die wenigen Grünflächen in der Stadt nimmt zu. Freundlich kommt die Idee daher, anstelle von Zierpflanzen und nutzlosem Grün Nahrung anzupflanzen – ob im Park oder anderswo im Stadtraum. Kein Lärm, wie bei der etablierten urbanen Bespielung der öffentlichen Plätze, kein Abfall, dafür Gemüse, Obst und vielleicht ein fröhliches Huhn und glückliche Gemeinschaftsgärtner. Und dennoch wird diese Vision nicht mehrheitsfähig sein, denn der Stadtbürger wird, sofern er sich seiner Grundbedürfnisse noch klar bewusst ist, die wenigen Erholungsräume in der Stadt vor Umnutzung und Wildwuchs bewahren. Es lohnt sich darüber nachzudenken, was den Menschen im Stadtraum eher erfreut – Karotten oder Rosen?


Konstantin Bachmann, Basel



"Pissoir für Zwei- und Vierbeiner"

"… in Grünanlagen, wie zum Beispiel am Claraplatz, vor der Pauluskirche oder beim Denkmal beim Bahnhof anstatt Zierblumen Nutzpflanzen anzubauen…", was eventuell so gestaltet wird, dass es für Zwei- und Vierbeiner als Pissoir benutzt werden kann, gleich hinter den Rhabarberstauden!


Bruno Heuberger, Oberwil


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