© Foto by Olivier Schmidt, Naturhistorisches Museum Basel
"Die Rolle begann zu surren" Lachsfänger Thomas Wanner, Beute

Der Lachs ist zurück im Rhein bei Basel

Glücks-Fischer Thomas Wanner holte das exklusive Weibchen unter der Schwarwaldbrücke aus dem Rhein


Von Peter Knechtli


Der Basler Hobbyfischer Thomas Wanner hatte Riesenglück: An seiner Angel hing ein Lachs - der erste, der in Basel seit 50 Jahren gesichtet wurde. Fachleute halten es für denkbar, dass das Lachsweibchen in der renaturierten Birs laicht.


Gestern Dienstag lud das Sicherheitsheitsdepartement auf eine dringliche Medienkonferenz heute Mittwochnachmittag ein, "um über ein ausserordentliches Ereignis im Bereich der Fischerei zu berichten", wie es verschleiert hiess. Heute wissen wir, was wir vermuteten - es ist eine Sensation: Der Lachs ist zurück in Basel. Erstmals seit 50 Jahren wurde im Rhein Basel wieder ein Atlantik-Lachs gefangen.

Nach dem Foto-Shooting zurück in den Rhein

Der ebenso spektakuläre wie geschichtsträchtige Fang gelang dem Basler Hobbyfischer Wanner vergangenen Sonntag, kurz vor 18 Uhr unterhalb der Schwarzwaldbrücke im Rhein. Die Angelrute schlug kräftig aus, die Rolle begann laut zu surren - eine Zeichen, dass ein grössere Fisch angebissen hatte. Und wie: Es handelte sich um ein 91 Zentimeter langes, weibliches Exemplar eines Atlantischen Lachses. Dass der höchst exklusive Fang mit der Handy-Kamera dokumentiert werden konnte, hatte damit zu tun, dass Olivier Schmidt, Sammlungsverwalter am Naturhistorischen Museum Basel und selbst leidenschaftlicher Fischer, das Ringen Wanners mit seiner Beute zufällig beobachtete. Nach dem dokumentarischen Foto-Shooting landete der Lachs nicht etwa in der Pfanne, sondern er wurde vorschriftsgemäss wieder in den Rhein zurück gelassen.

Das lange Warten auf den Lachs

Die Basler Fischerei-Verantwortlichen warteten schon seit Jahrzehnten sehnlich auf diesen Augenblick. Grosse Aufzucht-Programm schon in den achtziger Jahren waren darauf angelegt, den früher üblichen Basler Speisefisch wieder ans Rheinknie zurückzubringen - erfolglos, bis letztes Wochenende.

Freude über den Fang zeigt auch das Bundesamt für Umwelt, das am Montag aufgrund des Fotos die Echtheit des Atlantischen Lachses bestätigte. Bemühungen der Flusskraftwerke, Pässe für Fische zu erreichten, und die verbesserte Wasserqualität führten dazu, dass Lachse wieder rheinauf an ihre Laichplätze schwimmen. Geeingete Laichplätze bietet gemäss dem Bundesamt insbesondere die revitalisierte Birs. Es sei gut möglich, dass das gefangene Lachsweibchen dort laichen werde.

Über 1'000 Lachse im Aargau

In Basel gingen bis in die dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts pro Jahr durchschnittlich 120 Lachse ins Netz. Danach nahm die Ausbeute ab, bis er sich 1958 gar nicht mehr zeigte. Noch viel grösser war die Lachs-Ausbeute im Kanton Aargau: Im Jahr 1915 wurden laut dem Bundesamt über 1'000 Lachse gefangen.

Glück bedeutet der Lachsfang nicht nur für den Fischer, sondern auch für das Naturhistorische Museum: Es zeigt derzeit eine kleine Vitrinenausstellung über den Lachs, die nun unerwartete Aktualität mit Bilddokumenten eigener Mitarbeiter erhält.

8. Oktober 2008


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"Ein Lachs als Zeichen der Hoffnung"

Zwanzig Jahre lang (!) wurden insgesamt tausende Junglachse in den Rhein entlassen, die zuvor in einem Bächlein, einem Nebenarm der Wiese gezüchtet wurden. Keiner, nicht einer, schwamm je zurück! Das im Bild festgehaltene Prachtsexemplar in seiner vollen Schönheit lässt uns erahnen, was für Fänge vor langer, langer Zeit im Rhein und sogar der Birs gemacht wurden. Dann kamen wir Menschen, begradigten die Flüsse, betonierten die Flussufer zu, legten Kraftwerke an, mit unüberwindbaren Staustufen für Fische und und wirkungslosen Fischtreppen. Den Fischen wurde die Lebensgrundlage entzogen, vor rund hundert Jahren begann diese Katastrophe. Deutschland und Frankreich weihten vorletztes Jahr eine sinnvolle, klug durchdachte Fischumgehungsröhre, ein Teil aus Plexiglas mit Überwachsungskamera neben der untersten Rhein-Schleuse bei Strassburg, ein.

 

Siehe da: Letzten Frühling laichten die ersten Lachse in Bächlein, die in den Rhein mündeten. Der Beweis ist erbracht: Das Rheinwasser ist jetzt wieder sauber genug, sogar für den empfindlichen Lachs. Nahrung findet er offenbar auch: Der Lachs ist ein Raubfisch, der kleinere Artgenossen, Flusskrebse und anderes Flussgetier verspeist. Es grenzt an ein Wunder, dass dieser Lachs die anderen fünf Staustufen vor Basel duchschwimmen konnte. Meistens scheuen die Fische Schleusen, den Lärm der Schiffschrauben ebenso, nicht wenige enden in den Turbinenschaufeln der Kraftwerke.

 

Es braucht noch grosse Anstrengungen, bis wir wieder den König des Rheins in grösserer Anzahl in Basel sehen können. Unsere Generation erlebt das sicher nicht mehr. Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling, ist aber ein Zeichen der Hoffnung.


Eric Cerf, Basel


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