Mündel-Vermögen: Beistand räumt teilweise Unrecht ein

Der Prattler Beistand, der vom Konto seines invaliden Schwagers während acht Jahren 354'000 Franken abzog, sieht die Unrechtmässigkeit seines Handelns nur teiweise ein.
Muttenz/Pratten, 19. Dezember 2016

Der 59-jährige Angeklagte war im Jahr 2003 zum Beistand seines heute 72-jährigen Schwagers ernannt worden:. Der Bruder seiner Ehefrau, ein ursprünglich erfolgreicher Gewerbetreibender, wurde als Folge eines Unfalles im Jahr 1978 invalid: Der Vater zweier junger Kinder erlitt eine Schädelfraktur und Folgeschäden an Gehör und Auge sowie eine Gleichgewichts-Störung. Zwei Monate lag er im Koma. Seither lebt er betreut in einem Oberbaselbieter Heim.

Eine Million lag auf dem Konto

Auf dem Konto des Mündels bei der Bank La Roche lag eine Million Franken. Von diesem Vermögen zog der angeklagte Beistand zwischen 2005 und 2013 in 140 Transaktionen 354'000 Franken ab, um private Rechnungen und die Krankenkassen-Prämien der Mutter seiner mitangeklagten Frau ab. Eine Abrechnung zuhanden der damaligen Vormundschaftsbehörde legte er nur für die ersten beiden Jahre vor. Danach begannen die deliktischen Bezüge, ohne dass sich die Behörde an den ausbleibenden Abrechnungen gestört hätte.

Aktiv wurde die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), die die Vormundschaftsbehörde Anfang 2013 ablöste. Grund: Die Bank La Roche hatte die Vormundschaftsbehörde zuvor über die auffälligen Bezüge vom Konto des Mündels informiert. Noch zwanzig Tage nach einem Gespräch mit der KESB hob der Beistand nochmals Geld ab.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung erhoben. Mitbeschuldigt wegen Anstiftung und Gehilfenschaft zur Veruntreuung ist seine Ehefrau.

"Er hat mir das Herz gebrochen"

Zu Beginn des zweitägigen Prozesses heute Montagmorgen vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz machte das Paar keinen homogenen Eindruck: Der Beistand, der im Oktober 2013 seines Amtes enthoben wurde und in der Befragung dominierend erschien, rang teilweise um Worte, mochte sich nicht mehr erinnern oder konnte Ungereimtheiten nicht erklären – etwa, wie er mit einem Jahreslohn teils gegen 200'000 Franken heute noch mit 250'000 Franken Schulden vor allem gegenüber der Steuerkasse kämpft. Häufig sprach er von "ich", das er dann rasch in ein "wir" korrigierte, wenn er seine Frau mitmeinte. Trotz des Strafverfahrens sei sein Verhältnis zu seiner Gattin "gut", wie er ausführte.

Die zehn Jahre ältere Ehefrau, die an einer Knochenmark-Erkrankung (MDS), an Schmerzen und Rheuma leidet, schilderte ein deutlich abweichendes Empfinden: "Er hat mir das Herz gebrochen", sagte sie schluchzend. Von seinen finanziellen Problemen habe sie "nichts mitbekommen", obschon sie teilweise die Zahlungen machte und in Bankbelege Einsicht hatte. Mit ihrem Mann richtig Klartext reden zu können, sei nicht möglich gewesen.

Die Zerrissenheit der Ehefrau

Doch ganz glaubhaft wirkten diese Aussagen auch nicht. So bat sie ihren Mann abzuklären, ob die Krankenkassenprämien ihrer "Mutti" mit dem Geld ihres invaliden Bruders bezahlt werden könnten, worin die Anklage eine Anstiftung zur Veruntreuung erkennt. Nachdem zwei angebliche Abklärungen bei der Gemeinde keine konkreten Antworten ergeben hätten, "schaute ich das als rechtmässig an und nicht als Straftat". Insgesamt 41'000 Franken an Prämien flossen ab dem Konto des Mündels.

Spürbar wurde in der Verhandlung die Zerrissenheit der gelernten Arztgehilfin, einerseits zumindest eine Ahnung vom unrechtmässigen Handeln ihres Mannes gehabt zu haben, aber anderseits doch zu ihm stehen zu wollen. Ihr grösster Fehler sei wohl gewesen, dass sie ihren Gatten nicht angezeigt habe, wie es ihr ein Anwalt empfohlen hatte: "Ich konnte ihn nicht anzeigen, ich konnte es nicht."

"Anrecht auf Enschädigung"


Der Beistand, der im Vorstand der "Swiss Indoors" sitzt und im Prattler Gewerbeverbands-Vorstand als Event-Verantwortlicher agiert, sah auf ein intensives Nachfragen von Gerichtspräsident Andreas Schröder ein, "dass ich einen gewissen Teil zu Unrecht bezogen habe". Er rechtfertigte die Bezüge aber damit, der er und "wir" mit Besuchen, Ausflügen und der Organisation von Festen für seinen Schwager "sehr viel getan" haben. "Ich bin deshalb der Meinung, dass wir ein Anrecht auf Entschädigungen hatten." Es komme dazu, dass sich die inzwischen erwachsenen Kinder des Mündels "nicht um ihren Vater kümmern" und es nicht angehe, dass sie "dann irgend einmal noch Millionen erhalten".

Der Gerichtsvorsitzende erinnerte den Angeschuldigten daran, dass er vor dreizehn Jahren eine Erklärung zu den Aufgaben und Pflichten eines Beistand unterzeichnet habe.

Worte zwischen Sein und Schein

Die finanzielle Situation des beschuldigten Ehepaars ist weiterhin nicht rosig: Auf Begehren der Steuerverwaltung läuft seit Juni eine Lohnpfändung, für den Lebensunterhalt bleiben wenig. Immerhin wohnt das Paar in einem respektablen Haus mit einem Wert von 1,6 Millionen Franken. Wie lange, ist allerdings offen. Der Mündel beziehungsweise seine Vertreter verlangen die unrechtmässig bezogenen Gelder zurück.

Zu Ende der Beweisaufnahme schilderte Richter Schröder ein für das Verhalten des Angeschuldigten wohl typisches Beispiel von Sein und Schein. Auf die Frage, was er täte, wenn er einen Tag lang König von Pratteln wäre, antwortete der Beistand auf der KMU-Website edel: "Ich würde die Menschen wieder näher zu einander bringen, getreu dem Motto: Einer für alle, alle für einen. Die Eigeninteressen sollten in den Hintergrund treten."

Die Strafanträge

Staatsanwältin Sylvia Gloor Hohner forderte für den Beistand eine dreijährige Freiheitsstrafe, wovon zwei Jahre bedingt, für seine Ehefrau eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 150 Franken. Die Verteidigerin des Beistands verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Der Anwalt der Ehefrau forderte einen Freispruch. Urteilseröffnung ist morgen Dienstag.




Weiterführende Links:
- Beistand zehrte vom Vermögen des invaliden Schwagers
- Mündel-Geld: Zweieinhalb Jahre für ungetreuen Beistand
- Mündel-Vermögen: Verurteilter Beistand appelliert


 Ihre Meinung zu dieser News
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Im abdenbdlichen Feierabendstau nutz manch ein Autofahrer die gesperrte rechte Spur in Fahrtrichtung Basel ...".

BaZ online
vom 2. Februar 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

... vielleicht, weil er mit der deutschsprachigen Tastatur nicht zurecht kommt.

RückSpiegel


Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Das Medienportal persoenlich.com zog die OnlineReports-Meldung über die Kündigung des BaZ-Abos durch den ehemaligen BaZ-Verleger Matthias Hagemann nach.

Die Nachricht über den Abbruch der Gelterkinder Rahmtäfeli-Fabrik wurde von der Volksstimme aufgenommen.

Die Sissacher Volksstimme, die Basler Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-News über den Bolzenschuss im Gelterkinder Ortskern auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Weil im Gelterkinder Kindergarten "Staffelen" die defekte Ölheizung nicht durch eine "einigermassen kostenattraktive und baulich auch realisierbare Alternative zu Öl ersetzt werden kann", beschloss der Gemeinderat "den Ersatz der alten Anlage durch einen neuen Öl-Brennwertkessel".

• Der 44-jährige Chemiker Alexander Schocker wird neuer Leiter Forensik bei der Polizei Basel-Landschaft als Nachfolge von Markus Looser, der letzten Herbst zur Kriminalpolizei Basel-Stadt wechselte.

• Die Oberwiler Bevölkerung hat in einer Referendums-Abstimmung den Beschluss über den Kredit für die Planung Eisweiherplus mit 1'072 Ja zu 2'820 Nein aufgehoben und damit die Planung beendet.

• Der Baselbieter Landrat hat einen Kredit von 14 Millionen Franken zum Bau der Tramlinie Margarethenstich bewilligt.

• Das Referendum gegen die unbegrenzte Alkohol-Abgabemöglichkeit in baselstädtischen Jugendzentren wurde mit 4’600 Unterschriften eingereicht.

• Der 53-jährige Patrick Dill wird ab 1. April neuer Leiter der Gemeindeverwaltung Allschwil.

• Der Kanton Baselland beteiligt sich an der "Berufsschau 2017" in Pratteln mit einem finanziellen Beitrag aus den Mitteln des Wirtschaftsförderungs-Fonds in der Höhe von 900'000 Franken (bisher 950'000 Franken).

• Der Basler "Mittelstand" hat seit Anfang dieses Jahres mit Remo Ley, der Paul Rüst ablöst, einen neuen Präsidenten.

• Mit 7,3 Millionen Passagieren verzeichnete der EuroAirport im Jahr 2016 mit einer Zunahme von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekord.

• Nach dem Rücktritt von Elisabeth Ackermann als Co-Präsidentin der Basler Grünen als Folge ihrer Wahl in die Kantonsregierung führen interimistisch Harald Friedl und Barbara Wegmann die Partei.

Tobias Brenk ist als Nachfolger der abtretenden "Kaserne"-Chefin Carena Schlewitt neuer künstlerischer Leiter des Theaterfestival Basel.

Gerhard Schafroth, Gründungsmitglied und Gründungspräsident der Baselbieter Grünliberalen, tritt nach fast zehn Jahren aus dem Parteivorstand zurück und überlässt seinen Posten dem 26-jährigen Frenkendörfer Wirtschaftsstudenten Patrick Wolfgang.

• Die Augenkliniken des Kantonsspitals Baselland und des Universitätsspitals Basel arbeiten künftig so eng zusammen, dass sie ihre Angebote miteinander abstimmen und medizinisches Personal austauschen.

• In Liestal werden die Gasstrasse (Abschnitt Rheinstrasse bis Weierweg), der Weierweg und die Rosenstrasse vom Gemeinde- ins Kantonsstrassennetz integriert und umgebaut werden.

Beat Lüthy (54), dreifacher Vater aus Sissach, wird neuer Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen.

• Der ACS beider Basel will gegen die Einführung von "Tempo 30" auf Basler Hauptverkehrsachsen weiter zu kämpfen und den Fall am Beispiel der Sevogelstrasse vor Bundesgericht bringen.

• Mit dem Ziel, dass Basler Jugendzentren alkoholfrei bleiben, hat ein Komitee aus gesundheits- und jugendschutzorientierten Kreisen das Referendum gegen das revidierte Gastgewerbegesetz ergriffen.

• Im Rahmen ihrer Aktion "Noël" hat die Basler Kantonspolizei 36 Langfinger verhaftet.

• Zur Unternehmenssteuer-Reform III haben die Basler SP-Delegierten mit 84 zu 47 Stimmen bei 3 Enthaltungen die Nein-Parole beschlossen.

• In zwei von 27 Enkelbetrugs-Fällen konnten Gangster im Baselbiet gesamthaft 16'000 Franken ergaunern.

• Entgegen der ursprünglichen Absicht bleibt der Polizeiposten Waldenburg aus "regionalpolitischen Gründen" bis auf Weiteres bestehen, wie die Baselbieter Regierung schreibt.

• Die beiden Basler Parteien CVP und EVP führen ihre seit vier Jahren bestehende Fraktionsgemeinschaft im Grossen Rat weiter.

Leila Straumann, die Leiterin der baselstädtischen Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, übernimmt ab 1. Dezember 2017 das Präsidium der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG).

• Die Stimmberechtigten von Sissach haben sich mit 1‘583 Ja- gegen 985 Nein-Stimmen für den Ausbau der Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle ausgesprochen.