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Alfred Oberer: Graue Eminenz der Baselbieter FDP ist tot

Liestal, 30. September 2014

Alfred Oberer, während Jahrzehnten die graue Eminenz der Baselbieter Freisinnigen, ist gestern Montagabend im Alter von 87 Jahren im Kantonsspital Liestal an den Folgen eines Sturzes im Kreise seiner Familie gestorben. Der Vater von vier Kindern litt seit einiger Zeit an Herzproblemen, war aber bis vor wenigen Tagen in bester geistiger Verfassung. Täglich informierte er sich aus drei Zeitungen, aber auch aus dem Internet über das aktuelle Geschehen.

Der gebürtige Frenkendörfer Alfred Oberer, eine durch und durch politische Figur, war ein Phänomen der Art, die es heute kaum noch gibt: Er hatte – obschon er auch für den Landrat und den Nationalrat kandidierte – nie ein politisches Mandat inne und zählte innerhalb der Baselbieter FDP und der bürgerlichen Parteien dennoch über viele Jahre hinweg als sehr einflussreiche, wenn nicht einflussreichste Persönlichkeit. Er war von stillem Wesen, ging aber offen auf die Menschen zu, die ihm nie in Vergessenheit gerieten.

Beruflich als Versicherungsagent tätig, galt seine grosse Leidenschaft der Mechanik der Politik: An seiner Analyse, seinen strategischen Überlegungen und an seinem Elefantengedächtnis kam keiner vorbei, der sich mit der Vergangenheit und dem Zustand der Baselbieter Politik beschäftigte. So wusste beispielsweise kaum einer die Entstehung und Geschichte der "Bürgerlichen Zusammenarbeit" (BüZa) im Baselbiet – der traditionellen Wahlallianz von FDP, CVP und SVP – so fundiert aus dem Stand zu memorieren wie er. Über die letzten Jahre hinweg geordnet, liegen seine umfangreichen Dokumente nun im Baselbieter Staatsarchiv.

Wenn er, perfekt vernetzt, in Hinterzimmern Pläne schmiedete, war er ein Meister der Diskretion, der alles suchte, nur nicht das Licht der Öffentlichkeit. Alfred Oberer wurde auch nachgesagt, dass wichtige Karrieren innerhalb der Partei entscheidend von seiner Gunst abhängig waren.

Im November 2012 hatte der Gründer des ersten Baselbieter Jugendparlaments – Mitte der vierziger Jahre, Alfred Oberer war damals 18-jährig – seinen letzten grossen Auftritt (Bild oben) an der Vernissage des Buches mit dem schmeichelhaften Titel "Der Baselbieter Königsmacher", in dem engste Parteifreunde (Roger Blum, Robert Bösiger, René Rhinow und Thomas Schweizer) das politische Leben und Wirken des Arbeitersohns im Baselbieter Machtzentrum umfassend darstellten. > Buchbesprechung hier. Er gehörte den Parteileitungen der FDP Baselland und der FDP Schweiz an, ebenso redigierte er auch das kantonale Parteiblatt "Baselbieter Post".

So sehr Alfred Oberer mit der Organisation der bürgerlichen Macht befasst war, so stark war auch sein soziales Engagement – sei es als Gründer und Finanzbeschaffer der Liestaler Eingliederungsstätten oder als Mitarchitekt der Zweiten Säule. Mit dem damaligen SVP-Regierungsrat Paul Manz verband ihn eine enge Freundschaft und die Fähigkeit, Entwicklungen vorauszusehen und früh die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen.




Weiterführende Links:
- Alfred Oberer – per Buch als "Königsmacher" geadelt


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