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Familie Kogon: Der Vater im KZ – und doch präsent

Michael Kogon, der in Füllinsdorf wohnhafte frühere Medienchef der in Basel domizilierten BIZ, schildert in einer Neuerscheinung, wie er seinen Vater Eugen Kogon 1938 verlor und 1945 wiedergewann.
Füllinsdorf, 23. September 2014

Menschen in fortgeschrittenem Alter erinnern sich stärker an ihre Jugendzeit und die Beziehung zu den Eltern. Manche halten ihre Erinnerungen auch schriftlich fest. Das ist oft nur für die nähere Verwandtschaft von Interesse, auch wenn solch persönlichen Lebensdokumenten heute in der Geschichtsforschung eine grössere Bedeutung zuerkannt wird.

Zeuge der Anklage

Michael Kogon (Jg. 1928, Bild), der in Füllinsdorf wohnhafte frühere Medienbeauftagte der in Basel domizilierten Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), erzählt in seinen Erinnerungen an seinen Vater aber eine ausserordentliche Geschichte. Denn sein Vater Eugen Kogon (1903-1987) war als  politischer Publizist und Universitätsdozent eine eminente Figur der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sein Name ist heute allerdings nur noch den historisch Interessierten ein Begriff. Kogon wurde gleich nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich 1938 verhaftet, überlebte die Haft im Konzentrationslager Buchenwald und kam erst im April 1945 unter abenteuerlichen Umständen frei. Danach wurde er zum Kronzeugen für das nationalsozialistische Unterdrückungssystem und schrieb dessen erste Analyse, die noch heute ein Klassiker ist: "Der SS-Staat."

Eine Jugend ohne Vater

Der Katholik Kogon stand in den dreissiger Jahren eher auf der rechten Seite des politischen Spektrums, war aber aber durch diverse Aktivitäten gegen die NSDAP auf die Verhaftungsliste der Gestapo geraten. Als später seine jüdische Abstammung, die ihm selber nicht bewusst war, nachgewiesen werden konnte, entkam er nur mit Glück und Hilfe der Deportation in ein Vernichtungslager. In der Zeit seiner Gefangenschaft konnte er aber immer wieder mit seiner Familie in Kontakt bleiben, und seine Briefe und Geheimbotschaften haben sich erhalten.

Michael Kogon schildert nun anhand dieses Materials und seiner Erinnerungen, wie seine Familie überlebte, und was es hiess, in der Kriegszeit ohne Vater aufzuwachsen. Das bewerkstelligt der Autor mit einer Mischung aus Erlebnisbericht, längeren Briefzitaten und der Einordnung in die Ereignisse der Kriegsjahre.

KZ-Leidenskollege Stéphane Hessel

Ein sehr persönlicher Zugang, der aber auch Anlass bietet, sich wieder mit dem Werk und dem Wirken von Eugen Kogon zu befassen. Ein aktueller Bezug darf nicht vergessen werden. Der erst im letzten Jahr verstorbene französische Widerstandskämpfer und Publizist Stéphane Hessel war ein Leidenskollege von Kogon im KZ Buchenwald. Michael Kogon hat Hessels Aufsehen erregende Streitschrift "Indignez-vous" ("Empört euch", 2010) ins Deutsche übertragen.

Michael Kogon: Lieber Vati! Wie ist das Wetter bei Dir? Erinnerungen an meinen Vater Eugen Kogon. Briefe aus dem KZ Buchenwald, München 2014.



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