Freiheitsstrafe: Drei Jahre für Pädo-Lehrer "Camilla"

Das Basler Strafgericht hat heute Donnerstagmorgen einen 37-jährigen ehemaligen Sekundarlehrer wegen sexuellen Handlungen mit Kindern und illegaler Pornografie verurteilt: Er erhielt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Davon muss er ein Jahr absitzen.
Basel, 11. April 2019

Zudem muss der Beschuldigte erhebliche Verfahrenskosten und Urteilsgebühren übernehmen. Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von 6 1/4 Jahren gefordert, der Verteidiger eine bedingte Strafe von 15 Monaten. Die Fall führende Staatsanwältin war bei der Urteilsverkündung heute Morgen krankheitshalber abwesend.

Roland Strauss, der Präsident der Fünferkammer, übte in seiner Urteilsbegründung beträchtliche Kritik an der Staatsanwaltschaft. So rügte er, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden sei, als nach ersten Interpol-Hinweisen auf illegale Pornografie "über zwei Jahre nichts mehr ging".

Viele Fälle sind verjährt

Dass der damalige als junge Frau getarnte Sekundarlehrer, der pubertierende Buben über Chat-Plattformen zu sexuellen Handlungen und pornografischen Selbst-Aufnahmen verleitete, drei Einvernahmen ohne Anwalt zu bestehen hatte, sei eine "strafprozessuale Verletzung". Die organisatorische Trennung von Kriminalkommissariat und Staatsanwaltschaft, die zu diesen Verletzungen geführt habe, sei "nicht ideal".

Die überaus lange Ermittlungsdauer führte dazu, dass viele der 246 angeklagten Fälle verjährt sind und eingestellt werden mussten. Beurteilt wurden noch 193 Fälle, wovon deren 19 mit Drohungen verbunden waren. In etlichen Fällen seien weder die Opfer noch der Tatzeitraum identifiziert worden, sagte Strauss: "Das ist schlicht und einfach zu wenig, um strafbares Verhalten einzugrenzen."

Richter relativiert Verschulden

In seiner Beurteilung der während rund zehn Jahren begangenen Taten des ehemaligen Lehrers betonte Richter Strauss mehrere entlastende Elemente. Dass der Täter "kein einziges Hands-on-Delikt" – direkten Körperkontakt mit einem Kind – begangen habe, "relativiert sein Verschulden". Ausserdem sei "kein einziges Opfer traumatisiert" worden, da "alle freiwillig mitmachten".

Der Gerichtspräsident: "Eine gewisse Eigenverantwortung muss man auch bei den Buben sehen." Man habe es hier "nur mit Delikten in Internet zu tun, nicht mit schlimmen Fällen wie Vergewaltigung". Die von der männlichen "Camilla" missbrauchten heterosexuellen Buben seien "nicht völlig naiv" gewesen.

Anderseits habe der Angeklagte "grosse kriminelle Energie an den Tag gelegt", indem er sich als Mädchen ausgab und die Opfer täuschte. Besonders perfide sei der Vertrauensbruch gegenüber neun Buben, die er persönlich kannte – darunter sieben als seine eigenen Schüler. Damit habe er seine "berufliche Tätigkeit missbraucht". Erschwerend ins Gewicht falle auch die lange Deliktdauer.

Zweifelhafte Einsichtigkeit

Zugunsten des Beschuldigten wertete das Gericht das Geständnis, seine Entschuldigung bei den Opfern und die "tätige Reue" durch eine fünfjährige Psychotherapie. Allerdings sei "nicht sicher, ob er wirklich einsichtig ist". Das Gericht sei "nicht überzeugt", dass der Täter "in der Psychotherapie viel Deliktaufarbeitung geleistet" habe. Angemessen sei ein auf fünf Jahre beschränktes Berufsverbot.

Die Urteilsbegründung fiel differenziert aus. Angesichts der relativ starken Betonung der Strafmilderung durch virtuellen und nicht physischen Missbrauch wäre aus der Optik des Berichterstatters ein Hinweis auf die verwerfliche Drohung des anonymen Täters, bei Nicht-Lieferung weiterer Nacktaufnahmen die bisher erhaltenen Dateien zu veröffentlichen, sehr angebracht gewesen.

Wenn ein pubertierender Jugendlicher von Angst und Panik-Attacken berichtet, dann handelt es sich dabei um virtuellen Psycho-Terror, der eine angemessene verbale Würdigung verdient hätte. Es gibt in anderem Zusammenhang Jugendliche, die als Folge davon Suizid verübt haben.




Weiterführende Links:
- Männliche "Porno-Camilla": Anklage fordert 6 1/4 Jahre
- Internet-Plattform: Die scharfe "Camilla" war der Sekundarlehrer
- Freiheitsstrafe: Drei Jahre für Pädo-Lehrer "Camilla"
- Pädophiler Lehrer: Staatsanwaltschaft legt Berufung ein


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"Wer nicht begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

Basler Zeitung
vom 2. Oktober 2019
über ein Manser-Zitat
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Wer richtig gelesen und korrekt geschrieben hätte, hätte das authentische Zitat dokumentiert: "Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

RückSpiegel


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Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

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Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.

Die SP Baselland empfahl an ihrer Delegiertenversammlung vom 22. Oktober, im zweiten Ständerats-Wahlgang die grüne Maya Graf zu wählen.

Die Grünen Liestal und Umgebung haben Marie-Theres Beeler an der Mitgliederversammlung vom 22. Oktober für die Legislatur 2020-2024 für den Stadtrat nominiert.

Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebenen Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.