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Giftmüll-Entsorgung: Lindan-Wolken über Kleinbasel?

Schwere Vorwürfe erhebt der Basler Altlasten-Spezialist Martin Forter an den Pharmakonzern Novartis: Aus Hüninger Entsorgungszelten trieben stinkende Lindan-Wolken über den Rhein ins Untere Kleinbasel.
Basel/Huningue, 5. September 2013

Seit Juli gräbt Novartis auf Gelände einer stillgelegten Industriekläranlage im elsässischen Hüningen in Zusammenarbeit mit der Firma Sita-Remediation riesige Mengen von hochgiftigen Abfällen des berüchtigten Insektizids Lindan (HCH) aus. Seither, so behauptet Martin Forter, verbreite sich im Unteren Kleinbasel immer wieder penetranter Gestank von Lindan-Abfall. Das Risiko bestehe, dass Staub des Insektengifts in die Quartiere Klybeck und Kleinhünigen verfrachtet werde.

Flatter-Zelte statt dichte Hallen

Zu den Geruchs-Immissionen kommt es laut Forter, weil Novartis über den Gruben statt teure Hallen wie im jurassischen Bonfol oder im aargauischen Kölliken in Huningue bloss "grosse günstige Zelte über den Gift-Gruben" errichten liess. Zwar werde in den Zelten künstlicher Unterdruck erzeugt, doch bei starkem Wind würden die Zeltplanen aufgebläht, wodurch Immissionen an die Umwelt entweichen könnten, wie von Forter veröffentlichte Videos zeigen.

Lindan ist in der Region Basel keine unbekannte Substanz. Sie beschäftigte die Gesundheitsbehörden schon intensiv, woran Forter erinnert. Die Firma Ugine-Kohlmann, die am Rhein bis 1974 Lindan herstellte, lagerte zu Beginn der siebziger Jahre tonnenweise Abfall als grosse weisse Haufen unverpackt unter freiem Himmel auf ihrem Fabrikareal. "Der Wind verwehte den Gift-Staub über die Grenzen in die Region. In Riehen, Weil-am-Rhein, Haltingen und Merkt durfte die Kuhmilch nicht mehr getrunken werden, weil sie so stark mit Lindan und Lindan-Abfall kontaminiert war." Seither gebe es in Weil keine Kühe mehr. Sie seien damals alle notgeschlachtet worden. In einigen deutschen Grenzgemeinden hätten damals die Behörden die Mütter aufgefordert, ihre Säuglinge nicht mehr zu stillen.

Ein Thema ohne Ende

Das Gelände der Ugine Kuhlmann wurde später von der Novartis-Vorgänger-Firma Sandoz gekauft, die dort eine Kläranlage baute. Schon vergangenen Juni protestierten Aktivisten der Umweltorganisation Pingwin Planet dagegen, dass Feldwege Lindan-Rückstände aufwiesen.

Das Lufthygieneamt beider Basel verwies OnlineReports für Stellungnahmen an das Basler Amt für Umwelt und Energie. Dessen Leiter Jürg Hofer sagte zu OnlineReports, Geruch und Staub müssten getrennt beurteilt werden. Als Leiter einer Amtsstelle, die jenseits des Rheins ganz in der Nähe der Lindan-Grube liegt, habe er selbst den "modrigen Geruch" ("wie im Keller oder Estrich") auch schon wahrgenommen. "In dieser Entfernung und in dieser kleinen Konzentration müssen wir aber nicht von einer Gefährdung ausgehen."

Behörden wollen rasche Staub-Messungen

Auf Staubemissionen, die deutlich problematischer wären, gebe es, so Hofer, "wenig Hinweise". Beim Umpacken des Materials in den Zelten könne "kein Staub entweichen". Stark belastete Abfälle würden in luftdichte Stahlfässer verpackt, schwächer belastete in grosse Kunststoff-Kissen ("Big Bags"). Nur das schwach belastete Material werde über ein gedecktes Förderband direkt ins Schiff verladen. Er habe den "Verdacht, dass sich an der Schnittstelle zwischen Förderband und Schiff der Geruch ausbreitet". Hofer weiter: "Ich kann auch nicht ausschliessen, dass dort Staub entweicht."

Aufgrund von Forters Enthüllungen werde das Lufthygieneamt beider Basel am rechten Ufer des Rheins nun zügig Staub-Messungen durchführen. "Wenn wir einen Staub-Niederschlag haben, wird es heiklel."

Auch Kläranlage verursachte Umwelt-Probleme

Schon mit der Industrie-Kläranlage, unter der die Lindan-Rückstände lagern, hatte es Probleme gegeben. Sie lag auf französischem Gebiet, ihre Einleitung in den Rhein aber auf Schweizer Territorium, weil die Einleitungs-Anforderungen weniger streng waren als in Frankreich. Und dennoch bereitete die Anlage den Basler Behörden immer wieder Probleme, weil auch die tieferen Grenzwerte nicht eingehalten wurden.



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Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

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In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

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"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.