Drei Tage Friedenssuche an der Uni Basel

Basel, 12. September 2007

Der Kanton Basel-Stadt mausert sich zu einem Zentrum für Konfliktforschung. Mit ihrer Universität profiliert sich die Humanistenstadt zusehends zu einem Ort, der sich intensiv mit Kriegen, Gewalt und Konflikten auseinandersetzt.

So wurde heute auch der drei Tage dauernde internationale Kongress "Krieg" der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie (SGS) eröffnet. An ihm beteiligen sich über 300 Interessierte mit 80 Fachleuten, worunter auch der Friedensforscher und alternative Nobelpreisträger Johan Galtung aus Oslo. Am Kongress, der von Lesungen und Ausstellungen umrahmt ist, werden besonders die neuen Kriegsformen und ihre zahlreichen Facetten, Ursachen und Auswirkungen mit den Schwerpunkten Naher Osten, Afrika und Tschetschenien diskutiert. Man wolle aber auch neue Erkenntnisse für die konkrete Friedensförderung erarbeiten, erklärten an der heutigen Medienkonferenz die Organisierenden – Ueli Mäder, Dekan der Philosophisch Historischen Fakultät und Professor am Institut für Soziologie, Sarah Schilliger, Wissenschaftliche Assistentin am Institut, und SGS-Präsident Christoph Maeder.

Dieser und sein Namensvetter stellten sich die Frage: "Wenn wir sehen, mit welch stupender Geschwindigkeit und mit industriell organisierter Medien- und Militärmaschinerie die ideologischen Gegensätze des kalten Krieges durch einen neuen Feind, den weltweiten Terrorismus ersetzt werden konnten, so stellt sich uns Soziologinnen und Soziologen die Frage: Warum beschäftigen wir uns doch vergleichsweise wenig mit diesem wichtigen Thema?" Der Kongress in Basel soll eine Wende herbeiführen, aber nicht aus der Vogelperspektive des Elfenbeinturms, eher schon aus der Froschperspektive des Schützengrabens. Und auch nicht aus der Warte jener junger Konfliktforschenden, welche Realitäten als Konstruktionen empfinden, sondern aus der Warte der "alten Garde" (Mäder) von Konfliktforschenden, die keinesfalls die Ursachen der Kriege und Konflikte auszublenden bereit sind.

Bereits in den siebziger Jahren versuchten in Basel die Philosophen Arnold Künzli und Hans Saner ein Zentrum für Konfliktforschung einzurichten. Vergebens. Die Initiative von damals fiel trotzdem auf fruchtbaren Boden: Letztes Jahr wurde in Basel mit dem Zentrum für interdisziplinäre Konfliktanalysen das erste Konfliktforschungs-Institut der Schweiz eröffnet. Der aktuelle Kongress dürfte ein weiterer Weckruf sein, die Eidgenossenschaft in Sachen Lehre und Friedensforschung aus dem Dornröschenschlaf zu schrecken. Denn von den notwendigen und weltweit rund 500 Friedensinstituten, meinte Johan Galtung während seinem mittäglichen Vortrag in der Uni-Aula mit leicht sarkastischem Unterton, stehe nicht ein einziges in der Schweiz.




Weiterführende Links:
- "Ich glaube nicht an das Böse im Menschen"
- "Die Gewalt hat viele Gesichter"


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