Bundespolizeilich sauber: Heiri Strubs Walross-Kinderbuch

Allschwil/Basel, 2. Juni 2011

Heiri Strub ist ist Künstler und Grafiker, der in der Region Basel nicht mehr vorgestellt zu werden braucht: Als Kommunist war er Bürgerschreck und fleissig fichiertes Objekt des Staatssicherheit, als bissiger Illustrator und liebenswürdiger Kinderbücherautor ist er grandios. Einer ganzen Generation dürften die eindrücklichen Riesen-Bilder aus Strubs Werk "Das tapfere Schneiderlein" nicht mehr aus dem Kopf gegangen sein. Der Kleine setzte sich mit List allein gegen die Riesen durch.

Zu Heiri Strubs geschichtsträchtigsten Werken für Kinder gehört auch "Das Walross und das Veilchen". Dieses Buch, im Jahr 1951 in Aarau erschienen, hat es in sich: Es blieb eine Rarität, weil die Bundespolizei behinderte den Verkauf – der Inhalt schien scheinbar höchst subversiv und suspekt. Es geht um Standesdünkel, Rechthaberei, Versöhnung und Happy End.

Am Anfang steht ein Streit zwischen einem Professor und einem Gärtner um die Frage, ob am Nordpol Melonen und Veilchen gezüchtet werden können. Wenn ihm dies gelinge, erhalte er eine Million Franken als Superpreis der Melonenkernbrotforschungsstiftung, versprach der Professor dem Gärtner. Es geht – Strub, immer auf der Seite der Unterprivilegierten, schlüpft auch hier nicht aus seiner Haut – auch um Profiteure, Mitläufer und dunkle Gestalten. Wie die Geschichte, in der ein gutgläubiges Walross eine zentrale Rolle spielt, kann erahnt werden.

Dieses 56-seitige Buch des heute 95-jährigen Illustrators ist jetzt im Atlantis-Verlag textlich überarbeitet neu erschienen. Die Original-Illustrationen zeichnete Strub direkt auf Zinkplatten, während er für die Kolorierung die Linolschnitttechnik verwendete. Das Thema seines Märchens ist ist keiner Weise angejahrt, es ist so aktuell wie damals. Dass sich die Bundespolizei mit dem Werk beschäftigte, kann aus heutiger Sicht bestenfalls noch als Amusement gelten. Das ebenso metaphern- wie geistreiche und witzige Werk darf heute ohne staatliche Bedenken Kindern ab sechs Jahren zugemutet werden. Wir haben es von A bis Z mit Genuss gelesen: Empfehlenswert.

Heinri Strub: "Das Walross und das Veilchen". Atlantis-Verlag, Zürich. 26.50 Franken.




Weiterführende Links:
- Späte Anerkennung für einen lange Zeit Verfemten
- Heiri Strub, unbeugsamer Chronist und bissiger Kommentator


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