Gelterkinden will eigenständige Mobilfunkantennen-Politik

Gelterkinden, 22. Oktober 2010

Nach zahlreichen Einsprachen und Protest gegen zwei weitere Mobilfunk-Antennen im Dorf will Gelterkinden dem Wildwuchs den Kampf ansagen: Eine gut besuchte Gemeindeversammlung beschloss gestern Donnerstagabend nahezu einhellig eine proaktive Mobilfunk-Politik.

Ausgelöst wurde die lebhafte Diskussion durch einen Stimmbürger-Antrag, der die Zahl der Antennen auf dem Stand vom Mai dieses Jahres einfrieren wollte. Weil dies aus gesetzlichen Gründen nicht möglich sei, legte der Gemeinderat einen Gegenvorschlag vor. Danach soll die Praxis weitergeführt werden, "auf gemeindeeigenen Parzellen keine Mobilfunk-Anlagen zuzulassen". Ausserdem soll der Gemeinderat die notwendigen Abklärungen, die "Voraussetzung für eine möglichst weitgehende Beschränkung der Anzahl neuer Mobilfunkanlagen im Rahmen des geltenden übergeordneten Rechts sind, umgehend an die Hand" nehmen. Schliesslich soll eine allfällige Reglementsänderung zur Anlagen-Beschränkung der Gemeindeversammlung "so rasch wie möglich unterbreitet" werden.

Als erster Votant aus dem Stimmvolk trat Hans "Johnson" Buess auf. Der betagte Gewerbetreibende hatte der Firma Sunrise gestattet auf seiner Wohnliegenschaft an der Rickenbacherstrasse 11 eine stark strahlende UMTS-Antennen aufzustellen. Vor der Versammlung gestand Buess, mehrfach von Applaus unterbrochen, seine Unterzeichnung des Antennen-Mietvertrags sei ein "grosser Fehler" gewesen. Er sei entschlossen, den Widerruf seiner Unterschrift unter das Antennen-Baugesuch beizubehalten.

In der Debatte kündigte Gemeindepräsidentin Christine Mangold (FDP) ausserdem an, eine Mobilfunk-Kommission einsetzen zu wollen. Ein weiterer Antrag verlangte Abklärungen zur Errichtung einer "Planungszone Mobilfunk" auf dem gesamten Gemeindegebiet von Gelterkinden nach dem neuen kantonalen Raumplanungs- und Baugesetz. Als die Diskussion um Anträge und Erheblicherklärung formal zu keinem Ende führte und die Gemeindepräsidentin über dieAnträge nicht abstmmen lassen wollte, kam es doch noch zu einer Konsultativ-Abstimmung, die eine überwältigende Zustimmung zum gemeinderätlichen Gegenvorschlag, zur Prüfung einer Mobilfunk-Planungszone sowie zur Einsetzung einer Sonderkommission ergab.

Planungszonen für das ganze Gemeindegebiet oder Teile davon können laut Gesetz beschlossen werden, "um Vorkehren zu verhindern, welche die Verwirklichung der laufenden Planung verunmöglichen oder erschweren könnten". 

Die Gemeindeversammlung gab ein klares Richtungs-Signal: Während der Debatte fielen zahlreiche Voten, die sich kritisch über den drohenden Antennen-Salat äusserten. Keine einzige Wortmeldung billigte einen weiteren Antennen-Ausbau in der bisherigen Kadenz.

Transprarenz: Der Autor ist Mitglied des Komitees "Kein Strahlen-Meer im Wohnquartier




Weiterführende Links:
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"Nach Sumpftour in Keller gelockt und ausgeraut"

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vom 23. August 2019
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