© Foto by Christof Wamister, OnlineReports.ch


Schon fast ein Wunder: Ein Haus verschwindet ersatzlos

Ein seltenes Ereignis: Der Kanton Basel-Stadt will ein Haus an der Hochstrasse abbrechen lassen, ohne dass an dessen Stelle ein Neubau vorgesehen ist. Damit verschwindet – zu Gunsten einer Grünanlage – ein Stück Quartier- und Wirtschaftsgeschichte.
Basel, 10. Dezember 2014

Kaum jemand beachtet das etwas besprayte, aber solide Haus an der Hochstrasse 111/113 im Gundeldinger-Quartier. Es steht am Brückenkopf der Münchensteinerbrücke direkt über der Stützmauer, wleche die Grenze zu den SBB-Geleisen bildet. Es gehört dem Kanton, wird von Immobilien Basel verwaltet und enthält Büros einer Werbeagentur.

In der Zone für Grünanlagen
 
Doch seine Tage sind gezählt. Der Abbruch ist für 2017 geplant, wie von Brigitte Vogel, der Mediensprecherin der Stadtgärtnerei, zu erfahren war. Das Haus steht in der Grünanlagen-Zone und soll einem Ausbau des benachbarten Spielplatzes zu einer Parkanlage weichen. Dies im Rahmen des Grün- und Freiraumkonzeptes für das Gundeldinger-Quartier, zu dem kürzlich erste Resultate präsentiert wurden. Das Gundeli mit seinen überbauten Hinterhöfen ist nicht gerade mit viel grünen Oasen gesegnet. Die grossen Grünanlagen, der Margarethenpark und die Pruntrutermatte, befinden sich am Rande des Quartiers.
 
Von Grün ist allerdings an der Hochstrasse im jetzigen noch Zustand nicht viel zu sehen. Der Spielplatz besteht zur Hauptsache aus den Grundmauern eines Hauses, die zum Herumklettern einladen. Doch diese Ruinen haben eine Geschichte, die mit dem Kopfbau an der Hochstrasse verbunden ist.

Die Bomben von 1945

Auf beiden Seiten der Strasse befanden sich hier die Gebäude des vom deutschen Einwanderer Joachim Rapp (1825-1897) gegründeten Bauunternehmens. Auf dem heutigen Spielplatz stand bis zum Beginn der 1980er Jahre ein Wohnhaus mit Annexgebäuden, das Rapp 1881/82 als Ersatz für ein Gebäude von 1862 errichten liess. Das Bau- und Planungsunternehmen Rapp (Rapp-Gruppe) hat heute seinen Standort auf der andern Seite der Hochstrasse.

Als US-Bomber am 4. März 1945 über den Geleise-Arealen auf dem Wolf und dem Gundeldingerquartier versehentlich Bomben fallen liessen, wurden auch die Rapp-Liegenschaften getroffen und brannten teilweise aus. Das Wohnhaus blieb aber offenbar verschont, wie Fotos im Basler Staatsarchiv belegen, die es kurz vor dem Abbruch zeigen.

Denkmalpflege nicht gegen Abbruch

Im Zeichen des Wideraufbaus nach dem Krieg (1945/46) erstellte die Firma Rapp das heute zur Disposition gestellte Haus 111/113 als Verwaltungsgebäude mit Abwartwohnung. Der Entwurf stammte vom Architekturbüro Bräuning/Leu/Dürig, die in Basel eine Reihe von öffentlichen und Gewerbebauten erstellten (Stadtcasino, Kantonsspital Klinikum I, Elefantenhaus Zoo, Drachen-Center). Die Denkmalpflege hat den unscheinbaren, aber harmonischen Zweckbau registriert, widerspricht dem Abbruch aber nicht.
 
Wie das Parkprojekt aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Aber das jetzt noch stehende Haus schützt die kleine Anlage gegen die überbreite Verkehrsfläche bei der Münchensteinerbrücke und setzt auch einen gewissen Akzent. Für den Schutz gegen Lärm und Abgase müssen sich die Gartenplaner somit noch etwas einfallen lassen.



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