Noch ein CABB-Chlorgas-Zwischenfall: Strafuntersuchung

Pratteln, 7. Oktober 2016

Nach der Chlorgas-Havarie in der Prattler Chemiefirma CABB vom Mittwochabend kam es gestern Donnerstag erneut zu einem – ernsthafteren – Zwischenfall. Wie die Baselbieter Staatsanwaltschaft mitteilt, war das Unternehmen offenbar nicht in der Lage, das Leck korrekt abzudichten.

Als am Donnerstagmorgen drei Baselbieter Polizisten zusammen mit drei Firmen-Mitarbeitern zur Durchführung von Ermittlungshandlungen die Havarie-Räumlichkeiten betraten, stellten sie fest, dass offenbar noch immer Chlor aus dem System entwich. Sie verliessen das Gebäude umgehend und wurden sofort einer medizinischen Kontrolle zugeführt. Gleichtags hätten sie wieder nach Hause zurückkehren können.

Leck blieb unentdeckt

Der Zwischenfall ereignete sich, nachdem das Gebäude durch den Betrieb zum Betreten frei gegeben worden war. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung eröffnet.

Das am Vorabend offenbar unentdeckt gebliebene Leck konnte geschlossen werden. Ein Defekt an den betroffenen Anlagen könne "als Ursache für das Leck ausgeschlossen werden", schreibt die Staatsanwaltschaft. Im Fokus stehe vielmehr menschliches Versagen. Laut Informationen von OnlineReports sei ein Riss in einer Plasticabdeckung unentdeckt geblieben.

Merkwürdige Informationspoltiik: Ein von einer Kommunikations-Agentur aus Frankfurt verschicktes Firmen-Communiqué von gestern Donnerstagabend erwähnte den neuerlichen Zwischenfall vom Morgen jenes Tages nicht.

Ein Musterbeispiel für Betriebssicherheit ist die Firma CABB nicht. Laut der "TagesWoche" ist es auf dem Firmengelände innert zwei Wochen zu drei Chemieunfällen gekommen. Seit 2010 häuften sich die Vorfälle im Betrieb, ein Zwischenfall habe 2014 sogar tödliche Folgen gehabt.


Info
Pratteln ist der grösste Produktionsstandort des multinationalen Chemiekonzerns CABB. Ausgehend von Chlor und Schwefel werden Reagenzien, Zwischenprodukte und höher veredelte Folgeprodukte hergestellt.




Weiterführende Links:
- Chlorgas aus Chemie-Produktionssystem entwichen


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