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Wind-Energie: BL-Regierung will im März entscheiden

Den Trend der Windenergie-Debatte im Baselbiet zeigte gestern Donnerstagabend eine Podiumsdiskussion in Zeglingen auf: Grundsätzliche Versäumnisse des Kantons sorgen für Verstimmung im Lager der Naturschützer. In den Gemeinden dagegen herrscht Interesse an Windkraft-Anlagen.
Zeglingen, 7. Februar 2014

"Um in der Sache voranzukommen", soll die Baselbieter Regierung Mitte März über "zehn Szenarien von je drei bis neun Windparks" im Kantonsgebiet entscheiden, erklärte Kantonsplaner Martin Kolb (Bild links). Der Mitarbeiter der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion führte dies an einer Windenergie-Diskussion des Vereins "Erlebnisraum Tafeljura" gestern Donnerstagabend in Zeglingen aus. Vom regierungsrätlichen Entscheid erhofft sich der Kanton, so Kolb, dass man die für Windenergie geeignetsten Areale rasch auf ihre genauere Tauglichkeit hin abklären kann.

Mit der Verabschiedung eines Wind-Richtplanes durch die Regierung, der aber noch vom Landrat bewilligt werden müsste, hofft Kolb bis frühestens Ende Jahr den Gemeinden einen "kantonalen Rahmen für Windenergie" zu bieten.

Naturschutz-Organisationen ausgebootet

Vor anderthalb Jahren hatte die Bau- und Umweltschutzdirektion eine planungstechnische Betrachtung der Windenergie im Baselbieter vorgelegt, auf welcher der nun angekündigte Windenergie-Richtplan basieren soll. An der Diskussion in Zeglingen trat indes ein Zerwürfnis zwischen Umweltschutz-Organisationen und kantonaler Verwaltung zutage: Die Geschäftsführerin des Natur- und Vogelschutzverbands (BNV), Susanne Brêchet (Bild Mitte), griff Kolb an, die Umwelt- und Naturschutzorganisationen vom Beginn weg übergangen, oder nur pro forma um Mitarbeit angegangen zu sein.

So seien die für die Bewertung entscheidenden Umweltbelastungs-Kriterien durch Windkraftanlagen vom Amt für Raumplanung fragwürdig und einseitig festgelegt und die Einwände und Verbesserungsvorschläge der Naturschützer mit unglaubwürdigen Argumenten ignoriert worden.

Der so angegriffene Kantonsplaner, der zeitweise mit hochrotem Kopf auf dem Podium sass, dementierte dies nicht und verteidigte sein Vorgehen damit, man solle in einem so frühen Planungsstadium "nicht in Fundamental-Opposition" machen. Matthias Rapp (Bild rechts), der die Stiftung Landschaft vertrat, die sich anders als der BNV mehr oder minder offen prinzipiell gegen Windkraftwerke im Baselbiet stellt, warnte davor, die "lieblichen Baselbieter Berge und Täli" zu einer "Industrielandschaft" verkommen zu lassen.

EBL will Naturschutzgebiete schonen

Seitens der Elektra Baselland (EBL) forderte Geschäftsleiter Urs Steiner einen Beitrag zur Energiewende ein. Die EBL will von vier Windenergie-Standorten im mittleren Kantonsteil mindestens einen näher prüfen. Die EBL lasse allerdings "die Hände von Naturschutzgebieten" und konzentriere sich auf siedlungsnahe Areale, sagte Steiner.

Reto Rigassi vom Windenergieverband "Suisse Eole" forderte in Zeglingen dagegen "mehr Flexibilität" von den Landschaftsschützern: "Es geht nicht darum, unsere Erfolge im Natur- und Landschaftsschutz aus den letzten Jahrzehnten zu gefährden, aber wenn mit etwas Flexibilität und ohne sichtbaren Schaden für die Natur und Landschaft mehr erneuerbare Energie erzeugt werden kann, sollte dies doch möglich sein."

Windräder auf die Schafmatt?

Die Diskussion in Zeglingen verlief zeitweise hitzig, aber das Publikum war mehrheitlich kritisch-konstruktiv eingestellt. So wurde der Vorschlag gemacht, die Schafmatt oberhalb Zeglingen für die Windenergie nutzbar zu machen und stattdessen die bestehende Hochspannungsleitung im Boden zu versenken. In Zeglingen jedenfalls weht für die Windenergie so gesehen ein günstiger Wind.




Weiterführende Links:
- Windkraft-Turbinen im Baselbiet: Die Hit-Liste
- Wind um AKW-Ausstieg: Rechsteiner in der Höhle des Löwen
- EBM: 70 Millionen für Solar- und Windenergieprojekte


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