Chloroform-Attacke: Panik in der Disco "Prince"

Basel, 27. August 2005

Es muss eine Horror-Situation gewesen sein: In der Basler Disco "Prince" wurde heute Samstagmorgen gegen 1.45 Uhr - offenbar nach einem Versuch sexueller Belästigung - Chloroform freigesetzt. Unter den Gästen brach Panik aus. Zahlreiche verletzte Disco-Besuchende mussten der Notfall- oder Spitalpflege anvertraut werden.

Die Disco "Prince" Auf dem Wolf 4 war mit 400 Personen voll besetzt, als eine noch unbekannte Täterschaft mitten im Lokal das Reizgas Chloroform freisetzte. Die ausbrechende Panik führte zu einem Grosseinsatz von Sanität und Polizei. Vor Ort behandelten Berufssanitäter 25 Personen wegen Atembeschwerden, Kopfweh und Augenbrennen. 16 davon wurden zur weiteren Beobachtung und Behandlung ins Universitätsspital Basel, ins Bruderholzspital, ins Claraspital und in die Spitäler von Liestal und Rheinfelden eingeliefert. Die Polizei, so heist es in einer Medienmitteilung, habe "mit starken Kräften für Ordnung sorgen" müssen.

"Ich glaubte, jetzt habe mein letztes Stündchen geschlagen", meinte eine betroffene Disco-Besucherin (22) gegenüber OnlineReports. "Alle haben abgetanzt. Plötzlich ging ein Geschrei los und alle drängten nach aussen. Auch ich versuchte es und trampelte über Leute, die schon mit aufgeschlagenen Köpfen am Boden lagen, doch mir stockte sogleich der Atem und ich fiel in Ohnmacht. Ich erwachte wieder draussen, nachdem mir jemand kaltes Wasser über den Kopf geleert hatte. Meine Freundin konnte das Lokal über einen Notausgang verlassen."

Einen Reim konnte sich das Anschlags-Opfer nicht machen. "Es waren nur ganz junge Leute in der Disco. Ich zählte zu den Ältesten." Nach seiner Meinung war das Chloroform "gezielt" vor dem Ausgang, allenfalls auch in den Ecken des Lokals freigesetzt worden.

Die Diskothek wurde von der Berufsfeuerwehr mit dem Hochleistungslüfter gelüftet. Der diensthabende Polizeioffizier verfügte die vorläufige Schliessung des Lokals.

Erste Ermittlungen des Kriminalkommissariates ergaben, dass eine Polizeipatrouille zur Disco gerufen wurde, weil eine Frau Anzeige wegen sexueller Belästigung erstatten wollte. Beim Aufnehmen der Anzeige strömten unvermittelt mehrere Dutzend Personen aus der Disco. Ob es sich dabei um die potenziellen Urheber handelte, ist nicht klar.

Wie die Firma Carbotech AG und der Kantonschemiker analysierten, handelte es sich bei freigesetzten Stoff um Chloroform. Die Dosis sei "nicht lebensgefährlich" gewesen. Chloroform wurde früher im medizinischen Bereich für Narkosen verwendet. Mehrere Personen befinden sich immer noch in Spitalpflege.

Die Täterschaft konnte bis anhin nicht eruiert werden. Nähere Angaben erbeten an Telefon 061 267 71 11.



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