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"Eine Attacke auf das Herz Amazoniens"

Brasiliens Zukunft liegt für die Regierung im Amazonas, dieser Wildnis mit den riesigen Wäldern, Flüssen und Rohstoffvorkommen. Wie die Zukunft bald zur Gegenwart werden soll, darüber sprach heute Montagabend Telma Monteri im Basler Institut für Soziologie. Im Zentrum stand der projektierte Riesenstaudamm Belo Monte, der ab 2015 Strom liefern soll.
Basel, 6. Juni 2011

Die aus Brasilien angereiste Spezialistin zur wirtschaftlichen Entwicklung des Amazonas zeigte anhand von Karten, wie der Urwald zum Wohle des Landes, ja des ganzen südamerikanischen Kontinents baldmöglichst "umgestaltet" werden soll. Mit zahlreichen Staudämmen, worunter jener von Belo Monte, diesem eben bewilligten drittgrössten Wasserkraftwerk der Welt am Xingu-Fluss. Aber auch mit neuen Land- und Wasserstrassen, mit Minen für die Gewinnung von so wertvollen Stoffen wie beispielsweise Gold, Bauxit, Eisen und Aluminium, mit breitflächigem Holzschlag und grossen Plantagen für Palmöl, Soja oder Agrotreibstoffe und weiteren Gewinne versprechenden Plänen mehr. Klar, dass der Fortschritt auch neue Städte aus dem Boden schiessen lassen würde, mit mehr  mehr Menschen, mehr Flächenbedarf, mehr Verkehr.

Ein wahres "Wachstumsbeschleunigungsprogramm" habe die Regierung in Brasilia ausgeheckt, berichtete Telma Monteri (Bild). Vorab für die bewaldeten Bundesstaaten Pará und Matto Grosso, in die Milliarden Dollar investiert und von denen weite Teile unter Wasser gesetzt werden sollen. Doch begeistert ist die  Brasilianerin in keiner Art und Weise. Sie ist nach Europa gereist, um hier Parlamente und Bevölkerungen zu sensibilisieren. Und zwar gegen die für sie und viele internationalen Organisationen als "wahnwitzig" eingestuften Pläne. Die Klimaerewärmung aufgrund der Waldvernichtung nannte Monteri nie, dafür aber die Menschenrechtsverletzungen an den indianischen Urvölkern, von denen etliche immer noch in freiwilliger Isolation (Indigenas em isolamento voluntario) lebten und nicht gestört werden wollten.

Keine Chance ohne internationaler Beistand

"Was heute geschieht in Brasilien, ist eindeutig gegen die Indigenen gerichtet", erklärte Monteri in ihrer sanften Art. Die Waldvölker hätten keinerlei echte Mitsprache- noch Entscheidungsrechte. "Diese Projekte basieren alle auf Enteignung und Privatisierung", kritisierte die Brasilianerin mit dem Hinweis, dass 90 Prozent des Kapitals von brasilianischer Seite bereitgestellt würde. Und ihr Gastgeber, Christoph Wiedmer, Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Schweiz sekundierte: "Es geht hier um das Herz des Amazonas. Wenn dort die Zerstörung Fuss fasst, wird sie sich rasch über den Rest des Amazonas-Waldes ausbreiten." Ohne internationale Unterstützung, da sind sich Monteri und Wiedmer einig, seien die oftmals isoliert lebenden Indigenen dem Ansturm der Konzerne und Regierungsorganisationen hilflos ausgeliefert. Dies zeige allein schon die Ermordung verschiedener brasilianischer Umweltschützer und Menschenrechtler in den letzten zwei Wochen.

Zur Erinnerung: Im Gliedstaat Pará wurde das Ehepaar José Cláudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo Silva umgebracht, beide Regenwaldschützer. Erschossen wurde in der Nähe des getöteten Ehepaars überdies der Kleinbauer Marcos Gomes da Silvia, der sich gegen Ausbeutung  zu wehren versuchte. Und im Teilstaat Rondônia starb Adelino Ramos, ein Aktivist der Landlosen, an einer Kugel. Morde oder massive Einschüchterungen gehörten zum Alltag jener Menschen im umkämpften Amazonas, die sich gegen die vorrückenden Konzerne und Grossfarmer zur Wehr setzten, sagte Telma Monteiro. Laut der Neuen Zürcher Zeitung wurden allein 2010  34 Umweltschützer und Menschenrechtler ermordet. Nun hat die Regierung letzte Woche Militäreiheiten in die Region geschickt und 165 mit Morddrohungen konfrontierte Menschen unter Polizeischutz gestellt.

"Ein zerstörter Amazonas trifft alle"

"Unsere Hoffnung für einen Gesinnungswandel der Regierung", schliesst Telma Monteri tapfer lächelnd, "ruht auf der immer noch möglichen Einsicht der Staatengemeinschaft, dass die Auswirkungen eines zerstörten Amazonas alle treffen würden." Deshalb versuche sie zurzeit in Europa zu schildern, was den Amazonaswäldern Unwiderbringliches drohe.

Die Brasilianerin kann sich der Unterstützung von 53 Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sicher sein. Diese schrieben im Mai einen Brief an die leitenden Verantwortlichen von Alstom Schweiz im aargauischen Baden, Andreas Koopmann und Philippe Joubert, mit dem Appell, sie müssten ihr Engagement für Belo Monte aus ethischen Gründen zurückziehen. Alstom Power soll am 9. Februar 2011 mit der brasilianischen Firma Norte Energia einen Vertrag für Energieanlagen im Wert von 500 Millionen Euro unterzeichnet haben.

Ob sich damit und mit ähnlichen Aktionen die auf den Amazonas und seine Urvölker zurollende Walze brachialer Entwicklungen bremsen oder gar stoppen lässt, muss  allerdings in Frage gestellt werden.




Weiterführende Links:
- Wenig Hoffnung für das Stehenlassen der Indianerwälder
- Alternativer Nobelpreis für "Indianerbischof" Kräutler
- Riesenstaudamm Belo Monte bedroht 20'000 Indianer
- Dem "Grossen Jagdgrund" droht die Invasion der Wilderer
- Bei den Waldvölkern wüten jeden Tag technische Orkane


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"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
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Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


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Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

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In einem Satz


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• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.