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Roche wehrt sich gegen Organhandel-Vorwürfe

Mit den Organen Hingerichteter für Transplantationen will Roche nichts zu tun haben. Das Basler Unternehmen weigerte sich heute zum dritten Mal, von der Organisation Erklärung von Bern zwei heikle Preise entgegenzunehmen. Die Demonstranten wurden höflich empfangen, doch trennte man sich unversöhnt.
Basel, 28. April 2010

Was tun, wenn Preisgekrönte ihren Preis schon zweimal nicht in Empfang nehmen wollten? Die Erklärung von Bern (EvB) reist den Gekrönten hinterher und versucht ihnen "daheim" den Preis zu übergeben. So geschehen heute Mittwochmorgen, an der Grenzacherstrasse 124 zu Basel. Hier ist der Sitz des Basler Pharmakonzerns Roche, dem im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos Ende Januar am elften Public Eye von Greenpeace und der EvB der "Swiss Award" und der "People's Award" verliehen wurden.

Doch von Roche wollte weder in Davos noch später an der Generalversammlung jemand die beiden "Public Eye Awards 2010" entgegennehmen: Es waren Schmähpreise für ein besonders widerliches Geschäftsgebaren, wie die Preisverleiher argumentieren. Sie werfen dem Konzern vor, in China für sein Medikament "Cell Cept" – dieses soll die Abstossung von transplantierten Organen verhindern – fragwürdige Studien durchzuführen. Grund: Die den Patienten verpassten Ersatzorgane könnten mit grosser Wahrscheinlichkeit hingerichteten Gefangenen entnommen worden sein. Ein Vorwurf, den Roche schon mehrfach indigniert zurückgewiesen hat.

Rapper "Greis" und Julia Jentsch als "Ärzte"

So näherten sich heute um 11 Uhr ein "Arzt" und eine "Arztin" in weissen Kitteln und mit Stethoskopen der Roche-Eingangspforte. Zwischen sich trugen sie eine Kühltruhe mit der Aufschrift "Human Organ", welche die beiden Weisskittel (Bild: Rapper Greis und Schauspielerin Julia Jentsch) der Roche-Leitung übergeben wollten. In der Box werde das "Organ Moral" und ein "Dialogangebot" kühl gehalten, verriet EvB-Pressesprecher Oliver Classen der kleinen Medienschar.

Es gehe den Demonstranten ja auch nicht um die Schuldfrage, sondern um das Auslösen eines fruchtbaren Dialogs, präzisierte Classen mit dem Hinweis, man habe sich deshalb auch anständig angemeldet. Tatsächlich wurde die Delegation von "Media Spokesman" Alexander Klauser freundlich empfangen und zu einem Gespräch mit Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung, gebeten. Derweil warteten die Medienleute vor dem Eingang, bald betreut von Martina Rupp.

Roche will Menschenleben retten

Die Roche-Pressesprecherin erklärte auf Anfrage von OnlineReports höflich aber bestimmt, ihr Unternehmen könne keinesfalls für die Beschaffung der Organe verantwortlich gemacht werden. Roche sichere lediglich den rund 600 chinesischen Patienten und Patientinnen, welche eine Organtransplantation hinter sich haben, mit ihrem Medikament "Cell Cept" das Überleben. Überdies arbeite Roche in China nur mit gut geprüften und seriösen Partnern und Institutionen zusammen, welche alle ethischen Vorgaben, auch jene der WHO, strikte einhielten. "Wir verdienen diesen Schmähpreis nicht", sagte Martina Rupp entschieden.

Es sei "absolut falsch", dass Roche mit dem Problem des chinesischen Organhandels in Verbindung gebracht werde, erklärte später auch Alexander Klauser. Es gehe bei der Studie einzig darum, zu garantieren, dass das Medikament auch bei asiatischen Menschen gut anspricht. Und man wolle nicht mit der Einstellung der Studie Menschenleben zu gefährden: "Wir wollen, dass die Menschen in China ein sicheres Medikament bekommen."

"Das ist angekommen"

Nach rund einer halben Stunde kehrte die EvB-Delegation aus der Chefetage zurück. Oliver Classen meinte lediglich, das Anliegen der Organisation sei zur Kenntnis genommen worden. "Ich glaube, das ist angekommen." Doch angenommen hat der Pharmakonzern Roche die beiden Preise wiederum nicht.

Für Arne Schwarz, den EvB-Rechercheur des chinesischen Organhandels, ist diese Haltung eine herbe Enttäuschung. Da es in China aus kulturellen Gründen kaum freiwillige Organspenden gebe, könne es sich doch Roche als ein Schweizer Konzern mit angeblich hohen ethischen Werten einfach nicht leisten, diese Frage nach der Herkunft der Organe weiterhin einfach auszublenden. So gilt es bereits heute als sicher, dass die Erklärung von Bern in dieser Sache bald wieder bei Roche anklopfen wird.



Weiterführende Links:
- Schandpreise für Roche wegen Organbeschaffungen
- Uiguren-Präsidentin bittet Schweiz um Barmherzigkeit
- Bei den Exekutionen hält China den Weltrekord
- Immer nur Lächeln: Kein Ärger für Jiang Zemin in Basel
- Panchen Lama: Der jüngste Polit-Gefangene der Welt
- Kindersicherung zum Schutz von Gewissens-Gefangenen für China
- Chinas Staatspräsident wegen Folterungen verklagt
- Sars: Sperre für 3'000 Fernost-Verkäufer an Uhren- und Schmuckmesse
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- Ciba: Umsatz sinkt um 6 Prozent, starkes Wachstum in China
- Ciba SC: Verstärktes Engagement in China
- Lonza baut Forschungszentrum in China
- UNO sagt Todesstrafe das Ende an
- Jörg Schild zu Tibet: "Dialog statt Gewalt"
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Andrea Strahm

Alles mit scharf

Schweiz ist geil



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"FÜR ONLINEREPORTS RECHERCHIERFONDS, ALS
GEGENMASSNAHME ZUM ANSCHLUSS
DER BAZ AN DIE WELTWOCHE"

OnlineReports-Leser
Kommentar auf einem Einzahlungsschein
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Danke sehr.


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