© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Wer sich zuerst bewegt, gewinnt": Umweltpolitiker Moritz Leuenberger, Symbol-Ball

Leuenberger geht mit "Uefakratie" ins Gericht

Umweltminister der deutschsprachigen Länder werfen "Euro 08"-Veranstalterin mangelhafte ökologische Verantwortung vor


Von Valerie Zaslawski


Unmissverständliche Kritik an der fehlenden Ökologie-Politik übte heute Montagmorgen in Basel der Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger an der Uefa als Veranstalterin der "Euro 08": Sie habe ihren Anspruch an eine "grüne Grossveranstaltung" nicht erfüllt. Im Gegensatz dazu sei die Zwischenbilanz der öffentlichen Instiutionen sehr positiv, sagte Leuenberger im Anschluss an eine Umweltkonferenz.


Erst war Vergnügen angesagt, dann knallharte Überlebens-Politik: Hochrangige Umweltpolitiker aus den deutschsprachigen Ländern Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein trafen sich heute Montagmorgen in Basel - nachdem sie sich gestern Sonntagabend den Fussball-Sieg der Schweiz gegen Portugal zu Gemüte geführt hatten. Ihre Themen: Klimaschutz, Biodiversität, Biotreibstoffe und Feinstaub. Ein weiteres Traktandum, das die deutsche Staatssekretärin Astrid Klug, den österreichischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll, den Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger und den Liechtensteiner Regierungsvertreter Hugo Quaderer beschäftigte: Die ökologische Bilanz der "Euro 08".

"Wie in der autonomen Republik Bunker"

Die Gastgeberländer Österreich und Schweiz versprachen "aus umweltpolitischer Sicht eine grüne Euro 08", was ihnen nach Leuenbergers Auffassung ("ein grosser Erfolg") auch gelungen sei: Der öffentliche Verkehr werde gut genutzt, wodurch es bisher keine grösseren Staus gegeben habe. Das Loblied, das Leuenberger auf die Organisation und die Ausführung des Fussballfests anstimmte, beschränkte sich aber lediglich auf den öffentlich genutzten Raum.

Ganz anders sein Urteil über die Fan-Zonen und die Stadien: Hier habe die Uefa ihre "Versprechen nicht erfüllt". Die "Uefakratie", so der Schweizer Umweltminister ungeschminkt an einer Medienkonferenz im Basler Rathaus, habe insbesondere in den Fan-Bereichen "Zustände wie in der autonomen Republik Bunker" geduldet. Die Veranstalterin es unterlassen, sich zu einer Emissions-Zertifizierung zu verpflichten, womit ein Beitrag zur Reduktion von CO2 hätte geleistet werden können. Diese ökologische Leistung wäre zu einem Beitrag von nur gerade 1,5 Millionen Franken erhältlich gewesen. Doch die Uefa, der die "Euro" einen Gewinn von über einer Milliarde beschert und die als "gemeinnütziger Verein" erst noch keinen Rappen Steuen zahle, habe sich darum foutiert.

Ein grüner Fussball als gelbe Karte

Weil auch ein grosser Fussballverband einen massgeblichen politischen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben ausübe, appellierte Leuenberger an die Veranstalterin, dieser Verantwortung künftig gerecht zu werden. Die Fifa, die an der letzten Weltmeisterschaft in Deutschland für das Reglement zuständig war, hatte dies, wie Öko-Experten bestätigen, auch geschafft. Die dort gemachten Erfahrungen, so Staatssekretärin Klug, müssten weitergegeben werden. An Grossveranstaltungen einen umweltfreundlichen Einsatz zu leisten, müsste eine Selbstverständlichkeit werden: "Die Idee soll sich durchsetzen."

Der österreichische Minister Josef Pröll, der symbolisch - und wohl auch als Fingerzeig an die gösste "Euro"-Profiteurin - einen grünen Fussball zur Medienkonferenz mitbrachte, teilte Leuenbergers kritische Meinung über die Umwelt-Unfreundlichkeit der Uefa, zeigte sich dabei aber eher pessimistisch: Die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich heute Montagabend im entscheidenden Spiel Deutschland schlagen werde, sei "leider" grösser als die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Uefa in Zukunft für grüne Spiele einsetzen werde.

Europa will Öko-Vorreiter werden

Das heutige Minister-Treffen drehte sich aber nicht nur um Fussball. Vielmehr bekräftigten die Umweltpolitiker, die globalen Probleme des Klimawandels, der Biodiversität und des Feinstaubs entschlossen anzugehen. Leuenberger lobte dabei das europäische Modell des Emissionshandels, durch das den Emittenten nur noch eine bestimmte Menge Kohlenstoffdioxid zur Verfügung steht. Damit werde insbesondere der CO2-Ausstoss reduziert und ein wichtiger Beitrag an die Biodiversität geleistet. Zudem kann sich der Schweizer Umweltminister so genannte "Feinstaub-Zonen" vorstellen, durch die der motorisierte Verkehr in bestimmten Gegenden eingeschränkt oder verboten werde. Als mögliche Region nannte Leuenberger den Mendrisiotto.

Auch Deutschland, dem aus dem Handel mit Emissionszertifikaten zusätzliche 400 Millionen Euro zur Finanzierung klimafreundlicher Technologien zur Verfügung steht, hat sich ein "ehrgeiziges Ziel" (Klug) gesetzt. Das Land will sich unter anderem mit 40 Millionen Euro für den internationalen Waldschutz einsetzen. Dabei soll, wie Klug auf eine OnlineReports-Frage präzisierte, mit "Instrumenten" sichergestellt werden, dass Länder, die den Regenwald schützen, mehr profitieren als Länder, welche die Sauerstoffreservate zerstören. Die deutsche Politikerin betonte wie ihr österreichischer Branchen-Kollege die Wichtigigkeit, dass Europa eine "ökologische Vorreiterrolle" übernehme. Ökologisch ausgerichtete Firmen profitierten schon bald von einem Wettbewerbsvorteil: "Wer sich zuerst bewegt, wird gewinnen."

Moritz Leuenberger liess es sich nicht nehmen, die Rolle von "Herrn Bush", der sich neuerdings ökologisch gebärde, kritisch zu hinterfragen: "Versprechen sind das Eine, Taten das Andere."

16. Juni 2008


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Weitere aktuelle News

News

Medien Liebe "Regi"-Kollegen: Sagt doch einfach "Du"!
Basel Einbruch in Bar an der Uferstrasse – Afghane verhaftet
Basel Auf Frage nach Zigarette folgte der Faustschlag ins Gesicht
Birsfelden Bienenfleiss zunichte gemacht: 400 kg Honig auf Strasse
Oberdorf Waldenburgerbahn auf einer Weiche entgleist
Bennwil Baselbieter alt-Regierungsrat Werner Spitteler gestorben
Basel Politiker von SP, FDP und SVP in nationalistischer Moschee

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Basler Verkehrsbetreibe"

OnlineReports.ch
am 15. Januar 2020
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Bunt treiben sie's.

RückSpiegel


In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Wegen des Baus eines neuen Kreisverkehrs im Schweizer Sektor der Basler Flughafenstrasse wurde eine temporäre Verkehrsumleitung auf der rechten Strassenseite auf der Höhe von dem Parkplatz S4 eingerichtet worden.

Die Gemeinde Riehen spendet 10'000 Franken zugunsten eines Nothilfe-Projekts des Roten Kreuzes für Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina.

Ein überparteiliches Komitee hat am 15. Januar bei der Basler Staatskanzlei die Unterschriften für die Initiative "für erschwingliche Parkgebühren" eingereicht.

Urs Bucher wird am 1. August 2020 die Leitung der Volksschulen Basel-Stadt übernehmen und damit die Nachfolge von Dieter Baur antreten, der zum Ende des Schuljahres in Pension geht.

Die 53-jährige Juristin Blanche Gilli ist seit Anfang 2020 neue Präsidentin des Vereins gemeinsame Opferhilfe beider Basel.

Der FC Basel leiht seinen 21-jährigen Innenverteidiger Yves Kaiser bis zum Ende der Saison 2019/2020 an den FC Schaffhausen aus der Challenge League aus.

Knut Schmidtke, Marc Schärer und Lucius Tamm werden per 1. April 2020 die Leitung des in Frick domizilierten Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL von Urs Niggli übernehmen.

Die Baselbieter Grünen reichten am 12. Dezember ihre mit rund 1700 Unterschriften versehene Klimaschutz-Initiative ein, die das Ziel des Pariser Abkommens gesetzlich verankern will.

Die Basler SP-Bürgergemeinderätin Canan Özden tritt auf Anfang 2020 die Nachfolge der zurücktretenden Gabriella Matefi (SP) als Basler Bürgerrätin (Exekutive der Bürgergemeinde) an.

Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.