© Foto by Christine Schneider
"Barockmusik auf der Opernbühne": Countertenor Valer Sabadus

Ein Theater-Juni, der es faustdick hinter den Ohren hat

Im letzten Monat der Saison lassen es Basels Theaterdirektor Andreas Beck und seine Crew auf den Bühnen nochmals krachen


Von Jürg Erni


Nicht genug der Ehrungen für Produktionen vom Theater Basel beim Berliner Theatertreffen. Den namhaften Alfred Kerr-Preis erhielt der Schauspieler Michael Wächter für den männlichen Part in Simon Stones preisgekrönter "Drei Schwestern"-Inszenierung, die im Schauspielhaus ausverkaufte Vorstellungen beschert.

Ehrenvoll ist auch die Ernennung von Opernchefin Laura Berman zur Intendantin der Staatsoper Hannover. Das Ballett Basel zeigt mit dem Handlungsballett "Peer Gynt" des Gastchoreographen Johan Inger einen konträren Tanzstil zu demjenigen des sportiven Hauschoreographen Richard Wherlock. Und die "Humanistische Theaterserie" mit Schriften von Erasmus von Rotterdam geht in der Stadt auf Spurensuche zum Leben des berühmten Gelehrten, der in Basel gestorben ist.

Zum Saisonschluss präsentiert das fünfköpfige Ensemble des Opernstudios "Operavenir" auf der Kleinen Bühne die Partien und Szenen, die die Studierenden im Laufe der Saison einstudiert haben.  Schliesslich zeigen 150 Eleven der Ballettschule auf der Grossen Bühne Choreographien von Heinz Spoerli und Richard Wherlock. Die Früchte der weitherum beachteten Produktionen können also zum Saisonschluss nochmals gepflückt werden.

Nicht nur auf der Grossen Bühne in der minimal-musikalischen "Satyagraha"-Oper von Phil Glass und im Schauspielhaus mit Stefan Bachmanns deftiger "Wilhelm Tell"-Inszenierung passieren auf den hiesigen Bühnen erfolgreiche Produktionen Revue. Auch an kurzen Abenden kann man sich amüsieren, so bei Studienleiterin Ansi Verwey, wenn sie vom Flügel aus die Handlungsstränge der Zwerge und Riesen, der Helden und Walküren in Richard Wagners "Ring des Nibelungen"-Tetralogie auf eine einstündige Spieldauer reduziert.


"Die meist ausverkauften Produktionen
machen auch international Furore."



D
as Musiktheater hat sich einen besonderen Leckerbissen aufgespart: Georg Friedrich Händels Barockoper "Alcina", die in der Inszenierung des früh verstorbenen Herbert Wernicke in bester Erinnerung bleibt. Regie führt diesmal die junge Amerikanerin Lydia Steier, die in Basel mit Karlheinz Stockhausens Avantgarde-Oper "Donnerstag aus Licht" und jüngst in Köln mit Puccinis "Turandot" Aufsehen erregt hat.

Die "Alcina" ist eine szenisch wie musikalisch verführerische Oper mit der Zauberin als Titelheldin, die die Männer bezirzt und sie in Felsen und Tiere verwandelt, sobald sie nichts mehr taugen. Einer, der ihr die Zauberkraft raubt, ist Ritter Ruggiero. Auch stimmlich geraten die Figuren mit ihren starken Affekten arg durcheinander. Ruggiero singt in der hohen Lage eines Altus. Als Alcinas Bruder verkleidet, bewegt sich Ruggieros frühere Braut Bradamante stimmlich in der gleichen Lage. Die Partie verkörpert die serbische Mezzosopranistin Katarina Bradic, mit der sie vor zwei Jahren in Aix-en-Provence ihr Debut gefeiert hat.

Als Alcina debutiert die Amerikanerin Nicole Heaston. Erstmals in Basel singt der junge Countertenor Valer Sabadus (Bild oben) den Ruggiero. Im rumänischen Arad geboren, begann er seine Karriere als Sänger bereits mit 17 Jahren, als er nach dem Stimmbruch in der hohen Lage weitersang. In München studierte er das seltene Fach der Falsett-Stimme bei Gabriele Fuchs.

Bereits zum zweiten Mal erhielt er den Echo-Klassik-Preis und gehört damit zu den gefragtesten Countertenören. Mittlerweile singt er die hohen, dramatischen Partien in den Opern und Oratorien von Gluck bis Händel, Cavalli bis Vivaldi an den Häusern von Frankfurt bis Paris, von Salzburg bis Wien.

Ein Faszinosum ist die hohe Männerstimme, an die sich das auf die Heldentenöre eingeschworene Opernpublikum erst noch gewöhnen muss. Doch der Countertenor gehört mittlerweile zur alten Musik, wie das Zupfen beim Cembalo oder die aufgezogenen Darmsaiten bei den Streichinstrumenten. Barockmusik auf der Opernbühne.

In Basel ist die historisch orientierte Aufführungspraxis durch die Schola Cantorum Basiliensis längst zur Tradition geworden. Spezialisiert auf das Opernfach hat sich das Barockorchester „La Cetra“ unter seinem Maestro di cappella Andrea Marcon bei den jährlichen Einstudierungen im Orchestergraben des Theater Basel.

6. Juni 2017

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