© Foto by Pierre Güntert
"Ich war paralysiert": Paula Iten, Pierre Güntert mit Freunden in Haiti

In Haiti herrschte schon vor dem Erdbeben bitteres Elend

Der Schweizer Ingenieur Pierre Güntert versucht nach der Rückkehr aus Haiti seine dortigen Bekannten zu erreichen


Von Ruedi Suter


Der in Basel lebende Ingenieur Pierre Güntert hatte kurz vor dem verheerenden Erdbeben Haitis Lebensbedingungen studiert und diese als erschreckend desolat empfunden. Jetzt versucht er von der Schweiz aus, den Kontakt zu seinen haitianischen Bekannten und vermissten Landsleuten aufzunehmen.


Als sein Linienjet in Haiti abhob, ahnte "le blanc" aus Basel nicht, dass unter ihm Tage später die Hauptstadt Port-au-Prince wie ein Kartenhaus einstürzen würde. Doch genau dies ist geschehen, zum Entsetzen des weissen Besuchers und aller mitfühlenden Menschen. "Mir bleibt die Sprache weg. Ein Land, ein Volk hat so viel Elend zu erleiden – und nun auch noch dieses verheerende Erdbeben. Da bleibt nur eine einzige Frage: Warum?" Immer wieder  fragt sich dies heute Pierre Güntert (51), Fachmann für nachhaltiges Bauen. Drei Wochen war er durch Haiti gereist, um ein allfälliges Betätigungsfeld zu prüfen.

In dieser Zeit war der Energie-Ingenieur und Kubakenner in dem bitterarmen Karibikstaat für seine "Suche nach einer neuen Aufgabe als Zeichen und Dank für mein wohlbehütetes und erfülltes Dasein in der Schweiz" unterwegs. Er begleitete die kleine Organisation "Hand in Hand" der Winterthurerin Paula Iten (65), besuchte Projekte zu Naturschutzparks, Wiederaufforstung, Einsatz von erneuerbaren Energien, Fischzucht, Umweltbildung, Kleinkassenwesen, Abfallwirtschaft, Trinkwasser- und Kohleherstellung. Der allgemeine Zustand des Landes bestürzte den ehemaligen Mitarbeiter des Ökozentrums Langenbruck: "Gegen zwei der neun Millionen Menschen haben Hunger, und die Lebensgrundlagen sind so gut wie zerstört."

Was geschah mit Paula Iten?

Das jähe Aufbäumen der Erde am 13. Januar mit seinen gewaltigen Verheerungen und den noch ungezählten Toten und Verwundeten haben jetzt alles noch aussichtsloser gemacht. "Mein erster Gedanke war: Das Leben ist ungerecht!", sagt Pierre Güntert – ohne an sein eigenes Glück zu denken, rechtzeitig abgereist zu sein. Obwohl wieder in Basel, ist aber auch er von den Auswirkungen der Erdkrustenverwerfungen betroffen.

So versucht er seit  Tagen direkten Kontakt zu seinen Freunden und Projektpartnern aufzunehmen, via Telefon und Emails. Aber von Paula Iten, die sich seit 40 Jahren mit Leib und Seele in Haiti einsetzt, hat er noch kein Lebenszeichen erhalten. "Bis dato fehlt jede Spur von Paula, und ihr letztes E-Mail vom 11. Januar berichtet nur, dass sie nun gerade nach Port-au-Prince zurückgekehrt ist - genau einen Tag vor dem verheerenden Erdbeben", sagt Güntert besorgt.

Keine Nachricht vom "Wasserguru"

Auch von einem weiteren in Haiti engagierten Schweizer fehle eine erlösende Nachricht: Von Harry Zehnder, der seit über 20 Jahren in Haiti engagiert ist und mit der Trinkwasserversorgung und seiner Firma "Eau Miracle" im Lande eine zentrale Aufgabe übernommen hat. Ob der von den Einheimischen als "Wasserguru" bezeichnete Unternehmer noch lebt, ist ungewiss. Erdstösse dieser Dimension begraben Menschen und Tiere wahllos, es kann jede und jeden treffen.

Die Beschaffung und Verteilung des Trinkwassers, vor dem Beben bereits eine grosse Aufgabe, dürfte jetzt um einiges schwieriger werden, befürchtet Güntert. Vor allem der Transport mit Lastwagen auf den verschütteten Strassen der Hauptstadt, die bereits vor der Katastrophe eher wie Bachbette aussahen und Geländewagen oder Laster erforderlich machten.

"Hoffnungslose Länder"

Von OnlineReports befragt, wie er denn den Wiederaufbau und die Zukunftschancen Haitis beurteile, antwortet Pierre Güntert wenig optimistisch. Es fehle – nicht zuletzt auch durch die Absenz von Führungspersönlichkeiten, das langjährige Gewährenlassen von Diktatoren durch die Weltgemeinschaft, die Abhängigkeit von Abermillionen von Hilfsgeldern und die oft unkoordiniert agierenden Hilfs- und Entwicklungsorganisationen – offensichtlich der Wille, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Im Vergleich zu Kuba, wo beispielsweise die Katastrophenhilfe bis ins letzte Detail organisiert sei, werde in Haiti vor allem einfach nur erduldet statt gehandelt.

Die Eindrücke in dem vom Beben noch nicht zerstörten Haiti hätten ihn zuerst "paralysiert", erklärt Güntert ungeschminkt. "Man müsste dort an allen Ecken und Enden etwas machen. Und jetzt noch dieses verheerende Erdbeben! Es traf wiederum jene, die vorher schon nichts hatten." Und dann sagt Pierre Güntert etwas, das die vom Prinzip Hoffnung lebenden Mitarbeitenden der Hilfs- und Entwicklungsorganisationen nie sagen wollen oder dürfen: "Ich kam mit dem Gedanken zurück, dass gewissen Ländern und Gebieten nicht mehr zu helfen ist, weil die Probleme zu gigantisch geworden sind – Überbevölkerung, Umweltzerstörung und Lethargie zum Beispiel."

Erlösendes SMS von Maria

Das Herz, schränkt Güntert ein, sage ihm jedoch, die vom Dauerpech verfolgten Nachfahren afrikanischer Sklaven in Haiti nicht im Stich zu lassen. Zu viele wohltuende Begegnungen habe er erlebt mit Überlebenskünstlern beiderlei Geschlechts, die anstelle der notwendigen 11 Franken Taglohn nur 2 Franken verdienten und trotz häufiger Willkür und Gewalt ihr Lachen nicht verlieren wollen. Und auch wenn 90 Prozent der Wälder für Kochen, Heizen und Bauen bereits abgeholzt worden seien und sich die Köhler nun an die letzten Mangroven zu schaffen machten, gebe es keine Alternative als den Menschen Haitis zu helfen. Vor allem jetzt, in den Trümmern ihres Landes.

So versucht nun Pierre Güntert von Basel aus mehrmals am Tag, seine Bekannten in Port-au-Prince zu erreichen. Am Mittwoch traf  aus der Todeszone endlich ein erstes Lebenszeichen ein: Das SMS von Maria, einer guten Freundin, die ein kleines Restaurant im Vorort Petionville betrieb. Dieses existiert nicht mehr, hingegen kam das weiter in der Höhe liegende Wohnhaus Marias mit einigen Rissen davon. Es dient nun zahlreichen Menschen als Unterschlupf. "Ich bin so froh, dass es Maria gut geht", sagt Pierre Güntert erleichtert. Jetzt könne er sich darauf konzentrieren, das Schicksal von Paula Iten und Harry Zehnder in Erfahrung zu bringen.

Vorderhand aber seien die Kommunikationswege unterbrochen oder einfach überlastet, erklärt Güntert. Dies sei zu erwarten gewesen. Was ihn ärgere, sei einzig die Swisscom, welche nun kräftig Roaming-Gebühr kassiere – selbst für ein nicht erwidertes Klingeln.

Nachtrag vom 18. Januar 2010: Paula Iten und Harry Zehnder haben laut Meldungen aus Haiti das Erdbeben unversehrt überlebt und leisteten Hilfe.

So bebte die Erde in Haiti:


15. Januar 2010

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"Das Baselbiet will den Atomausstieg und will den Weg zur Energiewende ohne Kompromi."

Grüne Baselland
in einem Communiqué
vom 1. Dezember 2016
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Mindestens ein "s" wäre dem Kompromiss angemessen gewesen.

RückSpiegel


In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozent auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über dubioses Geld aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB an Leonardo DiCaprio auf.

Die TagesWoche bezog sich in einem Artikel über Umbau-Probleme im Theater Basel auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen die OnlineReports-Recherche über verschlampte Lohnausweise im Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement auf.

Die Basler Zeitung verwies in ihren Zusatz-Recherchen über den inhaftierten Basler Dschihadisten A.J. auf die Erstmeldung in OnlineReports.

Die NZZ am Sonntag zitierte OnlineReports in ihrem Artikel über den Tod des Basler Buchhändlers und Verlegers Dieter Hagenbach.

Die Basler Zeitung ging auf das Komfort-Reisli der landrätlichen Personalkommission des Baselbieter ein, die OnlineReports publik gemacht hatte.

Das Radio-Regionaljournal von SRF befragte OnlineReports in seiner Analyse zu den politischen Mehrheits-Verhältnissen in Basel im Vorfeld der Gesamterneuerungs-Wahlen.

In ihrer Meldung über den Brand des denkmalgeschützten Hauses an der Gundeldingerstrsasse in Basel bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über das bedrohte Eglin-Werk im Basler Sandgruben-Schulhaus nach.

20 Minuten
und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-Recherche über den Basler Dschihadisten im Ausschaffungs-Gefängnis aufgenommen.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung zogen die OnlineReports-News über Dieter Leutwyler als neuer Schlosswart von Wildenstein nach.

Die OnlineReports-News über das Konkursverfahren gegen die Oliver Kreuzer GmbH in Muttenz des ehemaligen FC Basel-Verteidigers wurde von der Basellandschaftlichen Zeitung aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Leila Straumann, die Leiterin der baselstädtischen Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, übernimmt ab 1. Dezember 2017 das Präsidium der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG).

• Die Stimmberechtigten von Sissach haben sich mit 1‘583 Ja- gegen 985 Nein-Stimmen für den Ausbau der Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle ausgesprochen.

• Grossrätin Beatrice Isler übernimmt den Vorsitz der CVP-Frauen Basel-Stadt als Nachfolgerin der langjährigen Präsidentin Jenny Ch. Wüst.

• Das Budget 2017 von Riehen lässt bei Ausgaben von 112 Millionen Franken einen Überschuss von rund 0,7 Millionen Franken erwarten.

• Weiterhin gleich bleibende Konditionen für Baselbieter Steuerzahlende: Der Vergütungszins für das Jahr 2017 bleibt bei 0,2 Prozent, der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Das aus Vertretern von BDP, FDP, LDP und SVP bestehende überparteiliche Komitee "Nein zum überteuerten Kasernen-Umbau" hat mit knapp 2'900 Unterschriften das Referendum gegen das vom Grossen Rat beschlossene Projekt eingereicht.

Markus Balmer wird neues Mitglied der IWB-Geschäftsleitung und neuer Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Patrick Schünemann.

• Die Reinacher Gemeinderätin Bianca Maag-Streit wird ab 1. Januar 2017 Präsidentin des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) und damit Nachfolgerin von Peter Vogt, Gemeindepräsident von Muttenz.

• Die Stadt Liestal budgetiert für das Jahr 2017 ein Defizit von 610'000 Franken.

• Die Starke Schule Baselland zieht die Initiative "Ausstieg aus dem überteuerten und gescheiterten Harmos-Konkordat" zurück und reicht im Gegenzug die Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" ein.

• Knapp zwölf Wochen nach Start der Arbeiten ist die Basler Klybeckstrasse ab 29. Oktober für den Tram- und Individualverkehr wieder geöffnet, nachdem die Gleise zwischen Klingentalgraben und Amerbachstrasse ersetzt und die Tramlinien 8 und 17 umgeleitet wurden.

• Der Physiker Martin Eschle (50) wird per 1. Dezember dieses Jahres Mitglied der IWB-Geschäftsleitung und neuer Leiter des Geschäftsbereichs Beschaffung gewählt – als Nachfolger von Bernhard Brodbeck, der die IWB Ende Oktober auf eigenen Wunsch verlässt.

• Der Basler Grosse Rat hat einem Staatsbeitrag von 4,4 Millionen Franken an eine neue Basler Stadtgeschichte mit 70 zu 11 Stimmen (8 Enthaltungen) zugestimmt.

Markus Sennhauser (51) leitet seit Anfang Oktober den Dienst für Prävention der Kantonspolizei Basel-Stadt als Nachfolger von Stefan Gasser, der seit Anfang Juli den Bezirk Kleinbasel der Sicherheitspolizei leitet.

• Die Basler SVP hat mit über 4'800 Unterschiften ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern (Einbürgerungsinitiative)" eingereicht, die unter anderem verlangt, dass keine Kriminellen und Sozialhilfeempfänger eingebürgert werden können und dass kein Rechtsanspruch auf eine Einbürgerung besteht.

• Die Basler Jungsozialisten (Juso) haben ihre kantonale Initiative "Topverdienersteuer – Für gerechte Einkommenssteuern in Basel" bei der Staatskanzlei eingereicht.

• Die "Bau- und Umweltzeitung" der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion erscheint aus Spargründen nur noch in elektronischer Form.

Novartis schenkt dem Kanton Basel-Stadt einen Hafenkran, der bis 2010 im ehemaligen Hafen St. Johann in Betrieb stand.