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"Gewisse Ratlosigkeit Regierung": Grün-Kämpfer Wallimann, Trueb

Private "Stadtgärtner" werden zur gesellschaftlichen Kraft

Basler Stadtgärtner Emanuel Trueb will Vorgärten und Höfe zur Nahrungsmittel-Produktion nutzen


Von Peter Knechtli


In Basel wächst eine zivilgesellschaftliche Bewegung für städtische Landwirtschaft heran, die auch politisch mehrheitsfähig werden könnte. Das wurde heute Freitagabend an einem Podiumsgespräch mit Fachleuten in der "Mission 21" deutlich. Stadtgärtner Emanuel Trueb äusserte die Idee, Vorgärten und Höfe zur Nahrungsmittel-Produktion zu nutzen.


Die Vision ist nicht neu: In den Grossstädten der USA oder Kanadas eroberte die verdrängte Landwirtschaft ihren Platz zurück. Auch in Basel konstituierte sich ein Verein namens "Urban Agriculture", dessen sichtbares Ziel es ist, städtische Grünflächen ausserhab der traditionellen Familiengärten im grösseren Stil landwirtschaftlich zu nutzen. Im weiteren Sinn aber geht es darum, "die Kontrolle über sein Leben wieder zu übernehmen" und die "gesellschaftliche Struktur" anzupassen, wie ein jüngerer Votant im zahlreich erschienenen Publikum meinte.

Urbane Gemüse-Gärten weltweit im Trend

Ihre Wurzeln hat die Bewegung der "städtischen Landwirtschaft" in den offensichtlichen globalen Problemen: Nahrungsmittel-Knappheit, Verstädterung der Welt, Klimawandel, Industrialisierung der Lebensmittel-Herstellung, Ressourcen-Verschwendung zur Fleischproduktion, Verknappung der Landreserven, Entfremdung von den Grundlagen der Ernährung, um nur einige zu nennen. Bis im Jahr 2050 leben auf diesem Planeten neun Milliarden Menschen, sechs Milliarden davon in den Grossstädten des Südens. Gleichzeitig liegen urbane Gärten zur dezentralen Lebensmittelherstellung – vor allem Gemüse, aber in bestimmtem Ausmass auch Kleintierhaltung – "in allen Kontinenten im Trend", wie Monika Jäggi, OnlineReports-Autorin und Geografin, in ihrem Einführungsreferat berichtete.

Auch in Basel hat die Bewegung "Urban Agriculture" in kürzester Zeit eine beträchtliche Bedeutung erlangt. Das zeigt sich daran, dass ein politischer Vorstoss zur Förderung der städtischen Landwirtschaft vor wenigen Tagen von einer Mehrheit des Grossen Rates gutgeheissen wurde, woran Moderator Patrik Tschudin erinnerte.

Stadtgärtner Trueb überraschte positiv

Wenn sich, wie im Kleinbasel oder im St. Johanns-Quartier plötzlich die private Garten-Guerilla im Dunkeln über öffentliche Grünflächen hermacht und Gemüsesetzlinge in den Boden vergräbt, ist das nicht zwingenderweise nach dem Geschmack des staatlich mandatierten Stadtgärtners Emanuel Trueb (Aufmacher-Bild rechts). Der Soziologe Isidor Wallimann (Bild links), Präsident des Vereins "Urban Agriculture Basel" und Vordenker der Bewegung, verschwieg denn auch nicht, dass es "manchmal auch etwas Diskussionen" mit dem Staat gebe.

Erstaunlicherweise zeigte Trueb, der sich seiner Funktion getreu nicht blindlings auf eine Seite schlägt, zum offensichtlichen Wohlwollen des applaudierenden Publikums eine beträchtliche Portion Verständnis für die Initiative der städtischen Landwirtschaft. Zunächst schlug er vor, die stadtnahen Landwirtschaftsbetriebe stärker in die Nahrungsmittelproduktion einzubinden. Dann liess er Ideen erkennen, die teils als geschlossene Gesellschaft agierenden 6'000 Basler Familiengärten "umzustrukturieren" (wie, präzisierte Trueb nicht).

Vorgärten-Ratlosigkeit und "Cotoneaster-Kultur"

Als eine "neue Dimension" brachte Trueb, kreativster Vertreter auf dem Podium, das grosse Potenzial der Basler Vorgärten ins Spiel, in denen heute "eine gewisse Ratlosgkeit regiert". Spontanen Beifall erntete der Chefbeamte, als er die "Cotoneaster-Kultur" in Gärten und Höfen von Liegenschaften in den Händen von Immobilienverwaltungen aufs Korn nahm. Im Publikum provozierte die Vision der Basler Gemüse-Vorgärten die Frage, ob wir dann angesichts der schadstoffbelasteten Böden "nicht plötzlich Blei auf dem Teller haben". Auf die Frage des Moderators nach der Bodenpolitik und der Erhaltung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen musste Trueb passen: "Ich kann den Königsweg nicht aufzeigen. Die Sache ist zu komplex."

Auch was das Guerilla Gardening betrifft, weiss Trueb "nicht, wohin die Reise geht". Wenn "der öffentliche Raum umgestaltet wird", sei eine "tragfähige Struktur" erforderlich, sofern es das Ziel sei, "mehr als nur kurzfristig öffentliches Interesse zu wecken". Trueb äusserte sich erfrischend offen auch über bürokratische Hemmnisse, die einer städtischen Landwirtschaft entgegen stehen. Für "Grünfragen" seien in Basel-Stadt "zu viele Departemente zuständig". Trueb: "Wenn wir eine Ernährungspolitik wollen, dass müssen wir hier die Kräfte bündeln."

Stadtgärtnern mit gesellschaftlicher Tiefe

Deutliche politische Forderungen stellte Wallimann: "Grün muss grün und öffentlicher Boden muss öffentlich bleiben." Schon 25 Projekte, teils unter Einbezug von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern, betreut sein "Agriculture"-Verein in Basel. Auf diese Weise würden "die Ausgegrenzten zu Eingegrenzten". Wallimann ist auch der Auffassung, dass Urban Agriculture eine Bürgerinitiative sei, die mit ihrem wachsenden Einfluss "Konsequenzen auf die politischen Gremien" habe. Ein Referenzprojekt ist der Gemeinschaftsgarten "Landhof" (von Trueb als "wunderbar" und "auch ein Menschen-Garten" bezeichnet).

Die grüne Baselbieter Nationalrätin und Biobäuerin Maya  Graf erinnerte daran, dass in der Schweiz gerade noch drei Prozent der Bevölkerung bäuerlicher Herkunft sind. "Dadurch geht ganz viel Wissen, aber auch der Bezug jüngerer Menschen zu den Nahrungsmitteln und der Tierhaltung verloren." Die Politikerin forderte den Schutz des Kulturlandes, aber auch eine "Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise". Was heute von den Grossverteilern angeboten werde, seien immer häufiger "Industrieprodukte".

"Mission 21" unterstützt afrikanische Stadt-Farmer

Den Bogen zu Afrika, insbesondere in Kenia und Tansania, spannte der "Mission 21"-Agronom Armin Zimmermann, der zwanzig Jahre in diesen Gebieten gelebt hat. In diesen Ländern des Südens wird auch städtische Landwirtschaft betrieben. Ökologie wird noch nicht gross geschrieben. Probleme sind aber oft der Landzugang und die Haltung der reservierten, "teils feindseligen" Behörden. Zum Erstaunen des Publikums erklärte Zimmermann, in den Fernen Osten schweifend, Hongkong produziere 100 Prozent seines Geflügelbedarfs selbst. Es sei der Anspruch der Mission und ihrer Projekte, die Interessen der städtischen Gemüse-Produzenten – mehrheitlich Frauen – gegenüber den Behörden zu vertreten.

Dies ganz im Sinne des von der Urban Agriculture-Bewegung vertretenen stärkeren Ausgleichs von arm und reich: Globalisierung von unten.

2. November 2012

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"Vielleicht wird Stadtgärtnern zur Notwendigkeit"

Heute mag das für manche alles noch nach exotischer Spinnerei tönen, aber vielleicht wird das Stadtgärtnern langfristig zu einer Notwendigkeit. Das hatten wir nämlich schon mal, während des Zweiten Weltkriegs, als der internationale Handel zum Erliegen kam und die Schweiz auf Selbstversorgung zurückgreifen musste. Lebensmittel waren rationiert und es wurden möglichst viele städtische Grünflächen zum Gemüsebeeten. Es gibt noch Senioren, die das miterlebt haben. In Zukunft wird eher die Überbevölkerung und das Abnehmen der Ressourcen das Problem sein. Wer mag darüber nachdenken, wie es einmal sein wird, wenn wir nicht mehr genug Lebensmittel importieren können? Und wenn Trinkwasser knapp wird? Ist nur eine Frage der Zeit.


Esther Murbach, Basel


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"Sandra Sollberger (SVP) in Basler Festtagstracht"

Blick
Bildlegende vom
7. Juni 2017
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Uuuhhh, das tut der Baselbieter SVP-Nationalrätin und Kantonsfusions-Gegnerin aber weh!

RückSpiegel


Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrem Bericht über die "Maulwurfjagd gegen Mitarbeiter der Basler Verkehrs-Betriebe" auf einen OnlineReports-Artikel.

Im Artikel über die Versetzung eines Kadermanns im Basler Jusitz- und Sicherheitsdepartement nimmt die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

In den BaZ-Standpunkten des Schweizer Fernsehens nennt NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler OnlineReports als Element der Basler Medienvielfalt.

Die Basler Zeitung und die Volksstimme zogen die OnlineReports-Nachricht über den Massen-Exodus aus der Parteileitung der FDP Baselland nach.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über die Wahl von Beatriz Greuter zur neuen "Birshof"-Direktorin auf.

Barfi
nahm im Bericht über Waschbären in der Stadt Bezug auf eine OnlineReports-Reportage über Waschbären, die Toronto bevölkern.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Erstmeldung über den Tod des früheren FDP BL-Präsidenten und Untersuchungsrichters Ernst Heimann auf.

Barfi und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Schliessung des Nobel-Restaurants "Schifferhaus" auf.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrer Nachricht über die Absage von Saskia Schenker als FDP BL-Präsidentin auf OnlineReports.

Die NZZ nennt Pionier OnlineReports in ihrem Beitrag über die Finanzierung von Online-Medien.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung berichteten unter Bezugnahme auf OnlineReports über die Trennung der BVB von zwei Kaderleuten.

Das OnlineReports-Interview mit dem designierten FCB-Besitzer Bernhard Burgener nahmen die Fussball-Plattform 4-4-2.com, die Basellandschaftliche Zeitung und die Schweiz am Wochenende auf.

Telebasel berief sich in seinem Bericht über die Interpellation von "Basta"-Grossrat Beat Leuthardt über den designierten FCB-Präsidenten Bernhard Burgener auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrer Meldung über Betriebs-Wegweiser-Posse auf OnlineReports.

Die Schweiz am Wochenende nahm eine OnlineReports-Story über den Gang der BVB ans Bundesgericht wegen einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf.

In ihrem Bericht über den Streit um die schmale Treppe im neuen Gelterkinder Hallenbad bezogen sich die Basler Zeitung und die Volksstimme auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die von der UNICEF erst kürzlich rezertifizierte "kinderfreundliche Gemeinde" Riehen gibt ihr Wissen an 40 Bürgermeister aus Südkorea weiter, die die Basler Landgemeinde besuchen.

• Da der Vereinszweck erfüllt sei, hat die Generalversammlung den "Verein Kunschti Eglisee" am 16. Juni mit 30 zu 4 Stimmen aufgelöst.

• Nationalrat Christoph Eymann, der ehemalige Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements, wurde als neues Mitglied in den Verwaltungsrat des Karger Verlags gewählt.

• Der Kanton Basel-Stadt führt eine neue, zusammenhängende Fussgängerorientierung ein, mit der sich ortsunkundige Gäste, aber auch Einheimische in Basel künftig durch neue Stadtpläne auf Stelen besser zurechtfinden sollen.

• Die kantonale Volksinitiative "Recht auf Wohnen" wurde mit bisher 3'188 gültigen Stimmen der Basler Staatskanzlei überreicht.

• Der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf löst kommenden September Elisabeth Schneider-Schneiter im Präsidium der "Starken Region Basel/Nordwestschweiz" ab.

Dominik Prétôt, der frühere CEO von Telebasel, wird per 1. Januar 2018 mit einem 50 Prozent-Pensum neuer Informations-Beauftragter der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, die formulierte Gesetzesinitiative "zum Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes" für rechtsgültig zu erklären.

Massimo Di Nucci übernimmt am 1. Juni die Leitung des Basler Zivilstandsamtes und folgt damit auf Mirjam Cattin, die Ende Mai in den Ruhestand tritt.

Ruedi Illes wird ab 1. Juli neuer Leiter der Sozialhilfe Basel-Stadt und damit Nachfolger von Nicole Wagner.

• Für die Ende Jahr zurücktretende Beatrice Inglin-Buomberger sollen sich die Juristin Elisabeth Burger Bell und der Ökonom Thomas Riedtmann in derkommenden sechsjährigen Amtsdauer in der Funktion der Ombudsstelle teilen.

• Das dreitägige Hafenfest zum 75-jährigen Bestehen der Hafenanlagen in Birsfelden lockte mit seinen vielseitigen Attraktionen rund 40'000 Besuchende an.

Peter F. Rapp (71) tritt als Verwaltungsrats-Präsident der Rapp-Gruppe zurück und übergibt die Funktion Daniel Kramer (58), der dem Verwaltungsrat seit vergangenem Jahr angehört.

• Nach Auswertung der Erfahrungen aus dem ersten Jahr hat der Allschwiler Gemeinderat entschieden, die separate Kunststoffsammlung per 2018 definitiv einzuführen.

• Nach zwei Tarifsenkungen in den Jahren 2015 und 2016 erhöhen die IWB die Erdgastarife diesen Monat: Biogas-Erdgas um 0,8 Rappen pro Kilowattstunde für die Kunden im Kleinbezugstarif (Gas zum Kochen und für Durchlauferhitzer) und um 1 Rappen pro Kilowattstunde im Allgemeinen Tarif (Gas zum Heizen).

• Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland hat die Volksinitiativen "Bildungsressourcen gerecht verteilen und für das Wesentliche einsetzen!" und "Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen!" eingereicht.

• Dank eines Jahresgewinns von 107 Millionen Franken können die Industriellen Werke Basel (IWB) dem Kanton Basel-Stadt eine Gewinnausschüttung von 37 Millionen Franken (Vorjahr: 20 Millionen Franken) abliefern.

• Der 24-jährige Kleinbasler Marco Natoli ist als Nachfolger von Patrick Huber neuer Präsident der Jungen CVP Basel-Stadt.

• Die LDP Riehen/Bettingen nominiert Daniel Hettich als Kandidat für die kommenden Wahlen in den Riehemer  Gemeinderat.

• Per 1. Januar 2019 stellen die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) neu auch das Fahrpersonal der Buslinie 50 ("Flughafen-Bus"), die bisher durch das PostAuto-Fahrpersonal betrieben wurde.

• Das Beschaffungsvolumen der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion fiel letztes Jahr mit rund 117 Millionen Franken gegenüber den Vorjahren "eher bescheiden" aus, wobei 60 Prozent auf Bau- und 30 Prozent auf Dienstleistungsaufträge entfielen.