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"Mehrmalige Klärungsversuche": Geschwisterzwist um Sterbehilfe

Sterbebegleiterin Erika Preisig verlässt ihren Standort in Liestal

Weil ihr Bruder am selben Standort eine eigene Sterbehilfe-Möglichkeit anbietet


Von Peter Knechtli


Die mit ihrer Sterbebegleitung bekannt gewordene Ärztin Erika Preisig verlässt den bisherigen Standort in Liestal. Grund: Weil sich auch ihr Bruder mit einem eigenen Angebot dort eingemietet hat, will sie einer "Verwechslungsgefahr" vorbeugen.


Die Stiftung "Eternal Spirit", die in Liestal seit drei Jahren Freitod-Begleitungen durchführt und von Erika Preisig präsidiert wird, macht den Konflikt unter den beiden Geschwistern mit einer aktuellen Medienmitteilung öffentlich. Danach hat sich in derselben Liegenschaft eine weitere Sterbehilfe-Organisation mit Namen "Pegasos Swiss Association" eingemietet. Deren Gründer Rudolf Habegger ist Erika Preisigs Bruder. Seit Ende August führe diese Firma an derselben Adresse Freitod-Begleitungen durch.

Innerfamiliäre Konkurrenz

Wie aus der Verlautbarung hervorgeht, hätten "mehrmalige Klärungsversuche" stattgefunden, doch die Organisation habe "nicht zu einem Wegzug bewogen" werden können. Dadurch sei die Situation für Erika Preisigs Angebot "untragbar" geworden, weil einerseits durch die enge familiäre Verwandtschaft und anderseits durch die Benutzung der gleichen Liegenschaft eine "Verwechslungsgefahr" entstanden sei. Dabei bestünden zwischen den beiden Organisationen "keine Verbindungen" und Erika Preisig sei "in keiner Weise" in die "Pegasos Swiss Association" involviert.

Offensichtlich sind dem angekündigten Wegzug der Preisig-Institution Spannungen zwischen den Geschwistern vorausgegangen. Trotz der Verwandtschaft sei weder die Ärztin noch der "Eternal Spirit"-Stiftungsrat im Voraus über die Planung, die Gründung der "Pegasos Swiss Association" und deren Einmietung in dieselbe Liegenschaft informiert worden. Deshalb habe sich Preisigs Stiftung veranlasst gesehen, "selbst neue Räumlichkeiten für die Durchführung der Freitod-Begleitungen zu suchen. Eine Anhäufung von Organisationen an einem Ort sei "weder für die Stiftung noch für die Behörden wünschenswert".

Ob Erika Preisig noch am Suchen ist oder bereits eine neue Standortgemeinde in Aussicht hat, ist nicht bekannt. Auf Fragen von OnlineReports an den Rechtsvertreter der Stiftung gingen bisher keine Antworten ein.

Gute Zusammenarbeit mit Behörden

Hingegen bestätigt Preisigs Bruder Rudolf Habegger die Gründung des Vereins "Pegasos Swiss Association". Die ersten Freitod-Begleitungen in Liestal seien bereits durchgeführt worden. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden – Kantonspolizei, Staatsanwaltschaft und Institut für Rechtsmedizin – gestalte sich "ohne jegliche Beanstandung". Seine Aktivitäten übe er "in Übereinstimmung mit den einschlägigen Gesetzen und Richtlinien" aus.

Habeggers Verein ist als Non-Profit-Organisation konstituiert. Er ist im Basler Handelsregister eingetragen und verfügt über eine Revisionsstelle. Es wird beabsichtigt, den Verein zu einem späteren Zeitpunkt in eine Stiftung umzuwandeln.

Auch der Verein "Pegasos Swiss Association" betont, dass seine Tätigkeit "gänzlich unabhängig" von der Tätigkeit anderer Organisationen im Bereich der Freitod-Begleitung wie insbesondere von den Aktivitäten von Erika Preisigs Vereins "Life Circle" und der Stiftung "Eternal Spirit" ist.

Strafverfahren für Ärztin

Die Ärztin bekam es im Baselbiet mit der Justiz und einem vielbeachteten Strafverfahren zu tun, nachdem sie 2016 eine psychisch kranke Frau in den Tod begleitet hatte, ohne dass sie vorher ein psychiatrisches Fachgutachten über die Urteilsfähigkeit der Sterbewilligen eingeholt hatte.

Vergangenen Juli wurde sie vom Baselbieter Strafgericht wegen Verstössen gegen das Heilmittelrecht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und einer Busse von 20'000 Franken verurteilt. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Ein Freispruch hingegen erfolgte vom Vorwurf der Tötung.

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4. Oktober 2019


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