© Foto by Pola Museum of Art, Pola Art Foundation
"Unbeschreibliche Eindrücklichkeit": Monet-Werk "Coucher de soleil sur la Seine, l’hiver"

Warum war Claude Monet ein grosser Künstler?

Versuch einer Antwort: Sein Werk ist einer sensationellen Ausstellung in der Fondation Beyeler zu sehen


Von Aurel Schmidt


Die Fondation Beyeler in Riehen ist zwanzig Jahre alt geworden. Mit Claude Monet präsentiert sie den wichtigsten Vertreter der impressionistischen Malerei. Die Ausstellung ist schlicht sensationell.


Beim Betreten der Ausstellung "Monet" in der Fondation Beyler tritt der Künstler dem Besucher auf einer Fotografie entgegen, die die Höhe des Raums einnimmt. Besser könnte man nicht ausdrücken, dass hier der Urahne der modernen Kunst gefeiert wird, der ihre Richtung bis zur Action Painting und dem Informel vorgegeben hat. Für Monet war es ausgemacht, dass Malerei nicht Darstellung eines Motivs ist, sondern im Akt des Malens selbst besteht, wie Ulf Küster, der Kurator der Ausstellung, dazu sagt.

Monet also. Reden wir von ihm im Besonderen und über die Kunst seiner Zeit im Allgemeinen. Die Verwendung von Primär- und Komplementärfarben hat dazu geführt, dass der Impressionismus, die vorherrschende Kunstrichtung ab ungefähr 1874, auf die Maltechnik reduziert worden ist.

Dabei ging es den Malern wie Claude Monet ("Impression. Soleil levant", 1872) und vielen seiner Zeitgenossen darum zu malen, was sie sahen, was vor ihren Augen lag, und das war das moderne und urbane Leben mit den grossen Boulevards, die zu der Zeit Paris ein neues Gesicht verliehen; es waren Bahnhöfe und Eisenbahnen; Orte, wo sich die Bourgeoisie an den Wochenenden und im Sommer traf, im Garten der Moulin de la Galette oder der Badeinsel La Grenouillère bei Bougival an der Seine; es waren Ausflügen aufs Land und nicht zuletzt das familiäre Leben.

Das Atmosphärische, das sich entzieht
 
Befasst man sich näher mit den Motiven in Monets Werk, fällt dieser direkte Bezug zum täglichen Leben, das nichts Spektakuläres aufweist, immer wieder auf. Erst als sich der Künstler 1883 in Giverny niederliess, änderten sich seine Motive ebenso wie seine Malweise in auffälliger Weise. Auch da könnte man meinen, dass er sich endlich der impressionistischen Technik mit den aufgelösten Farben angeschlossen hat, aber das ist ebenfalls nur ein vorschneller Eindruck.

Was Monet im Sinn hatte, war sein Versuch, das Licht, die Farben, Schatten und Schattierungen wiederzugeben, die changierende atmosphärische Stimmung, das, was er als "enveloppe" bezeichnete, stets um den Preis der Überwindung grosser Mühen.
 
In Giverny liess Monet das städtisch orientierte Leben hinter sich und ging dafür auf die ländlichen Orte und die Umgebung seines neuen Wohnsitzes ein. Er malte die bekannten "Meules" (Heuschober); die Pappeln an der Epte, die in der Nähe seines Grundstücks vorbeifloss; später die dreissig Variationen der Kathedrale von Rouen; und zuletzt nur noch seinen "Jardin d'eau", den berühmten Seerosenteich. Aber er merkte bald, dass das Atmosphärische, auf das es ihm so sehr ankam, ihm immer wieder entglitt, weil es einem ständigen Wechsel unterliegt. Auf dieses Problem ein wenig näher einzugehen heisst, dem Geheimnis des schöpferischen Vorgangs in Monets Schaffen auf die Spur zu kommen.

Die Stimmung des Augenblicks

Die Nuancen von Schattenpartien oder die Veränderungen der Farben im hellen Licht waren für den Künstler eine Herausforderung. Kein Wunder, dass die Impressionisten so viele Schneelandschaften malten, aber dazu muss man auch bemerken, dass die Winter damals extrem kalt waren. Auf dem Werk "La Pie" mit der auf einem Gatter sitzende Elster in einer Schneelandschaft (1868-69, Musée d'Orsay) meint man, die klirrende Kälte leibhaft zu spüren. Im Winter 1879-80 sank die Temperatur bis auf -25°, die Seine war zum Teil zugefroren, dicke Eisschollen trieben flussabwärts.

Monet wohnte damals in Vétheuil und malte den nahegelegenen winterlichen Fluss in einigen grossartigen Gemälden unter dem Titel "La Débacle" (Der Eisgang). Drei Werke aus dieser Gruppe sind in Riehen zu sehen, eines davon mit dem Titel "Coucher de soleil sur la Seine, l'hiver" (Pola Museum of Art, Japan, siehe Abbildung) mit im Fluss schwimmenden Eisstücken, aber vor allem einem Sonnenuntergang in rot leuchtenden Farben, die die Eiseskälte genau so eindrücklich wiedergeben wie alle anderen Gemälde mit dem gleichen Thema.
 
In einem Brief vom 7. Oktober 1890 an den Kunstkritiker Gustave Geffroy hat Monet seine Absicht erklärt. Er wollte "l'instantanéité" einfangen und die Farben der augenblicklichen Stimmung festhalten, doch er musste einsehen, dass die Sonne ihren Standort so schnell wechselte, dass er ihr mit seiner Arbeit nicht folgen konnte. Aber da er sich die Aufgabe nun einmal in den Kopf gesetzt hatte, konnte er davon nicht mehr abzulassen. Das Gleiche traf später bei den Seerosen-Bildern zu. "C'est à rendre fou de vouloir faire ça", schrieb er Geffroy bei dieser Gelegenheit, es ist zum Verrückwerden. Die Arbeit wurde für ihn zu einer "Tortur".

De Landschaft in Bewegung

In einer Parenthese liesse sich darauf hinweisen, dass der Schriftsteller Gustave Flaubert sein Leben lang ebenfalls unter den selbst auferlegten Stilanforderungen stöhnte, besonders, wenn es ihm, je weiter er vorankam, nicht wirklich gelingen wollte, "die Idee" wiederzugeben, das Eigentliche, die Essenz. Gut möglich, dass mit Flauberts "Idee" wie Monets "instantanéité" das Ziel gemeint ist, das erreicht werden soll, der vollkommene Ausdruck, um den die Beiden rangen, Enttäuschung und Verzweiflung eingeschlossen.

Monet freilich wusste sich zu helfen. Die Art, die er wählte, ist bekannt. Er malte in Serien, das heisst an mehren Gemälden gleichzeitig, je nachdem wie sie zur momentanen meteorologischen Lage passten. Als er sich zum Beispiel in Rouen mit der Wiedergabe der Kathedrale befasste, hatte er in den gegenüberliegenden Häusern, wo er sich im ersten Stock eingemietet hatte, mehrere Leinwände um sich, die er in Rhythmus der voranschreitenden Tageszeit und der wechselnden Licht- und Farbverhältnisse auswechselte.

Bäume; das im Wasser sich spiegelnde Licht; die Seerosen im Weiher; die Kathedralen; Meeresküsten – alles flimmert im Licht, aber kann auch in Nebel verschwinden oder einer morgendlichen Überlichtung aufgehen. Die Landschaft ist in Bewegung, getragen von den Wellen des sich ausbreitenden Lichts. Auf dem Werk der Kathedrale von Rouen, das sich im Besitz der Fondation Beyeler befindet, "La Cathédrale de Rouen: Le portail, effet du matin" (1894), kann man buchstäblich sehen, wie Licht und Farben über die Fassade des Bauwerks gleiten, während der Uhrzeiger vorrückt.

Dichte und Überblick

Monet ist gross. Nur ist nicht sicher, ob wir die Höhe je erreichen werden, die erforderlich ist, um ihn, um sein Werk je zu sehen, wie es sich gebührt, aber versuchen können wir es. Eine andere Wahl gibt es nicht. Dabei sind in Riehen die Seerosen-Bilder und das Spätwerk, in dem die gegenständliche Welt sich vollends aufgelöst hat und allein ein Farbrausch zurückbleibt, nur mit wenigen Beispielen angedeutet.

Die Auswahl von 62 Werken des Künstlers, die Ulf Küster dank der Bereitschaft der Leihgeber zusammenstellen konnte, ist, zurückhaltend ausgedrückt, einfach sensationell. Dass sie nur bis an die Grenze der "Nymphéas" heranreicht, ist eine Konzession, die erlaubt, in Monets mittlerer Schaffensperiode eine Dichte und einen Überblick von unbeschreiblicher Eindrücklichkeit für die Ausstellung zu erzielen.

Auch ist es möglich zu vergleichen, wie vielfältig Monet die Seine gemalt hat, die Landschaft von Etretat, Pourville und Varengeville an der Küste der Normandie, die Wiesen in der Umgebung von Giverny, die Ansichten von London, meist im Nebel, durch den manchmal ein Sonnenstrahl dringt. Genau in diesem diffusen Licht liebte Monet die Stadt am meisten. So hat er sie gemalt, so sehen wir sie und so hat sie sich in das Gedächtnis der Kunst eingeprägt.

Auch der Katalog ist prächtig geraten. Nur die Ausstellungsräume hätten etwas besucherfreundlicher möbliert werden können, mit bequemen Sitzgelegenheiten, weil an den Werken niemand vorbei schleichen möchte.

Ausstellung Fondation Beyeler, Riehen. Monet. Licht, Schatten und Reflexion. Bis 28. Mai.

20. Januar 2017


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.