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"Ich gebe die Garantie": Basler Medienunternehmer Martin Wagner, Medienhaus am Fischmarkt

"Basilisk"-Medienhaus am Fischmarkt: BaZ-Tochter zeigt Interesse

Der neue "Basilisk"-Besitzer Martin Wagner will von der "Basler Zeitung" künftig "völlig unabhängig" sein


Von Peter Knechtli


Eine Tochterfirma der "Basler Zeitung" möchte das Medienhaus am Basler Fischmarkt kaufen. Verwaltungsratspräsident dieser Firma war einmal der Anwalt Martin Wagner, der im Begriff ist, das noch im Medienhaus domizilierte "Radio Basilisk" zu übernehmen. Ist Wagner Strohmann der BaZ oder vielmehr Garant von Medienvielfalt und Meinungspluralität am Rheinknie? OnlineReports bringt den Wagner-Report.


Die Gerüchte schiessen ins Kraut, seit das Zürcher Medienunternehmen Tamedia am 24. September den Verkauf des Basler Lokalsenders "Radio Basilisk" bekannt gab. Zu diesem Schritt war Tamedia nach der Übernahme der Berner Espace Media Groupe aufgrund des neuen Radio- und Fernsehgesetzes gezwungen, weil ein Unternehmen nicht mehr als zwei Lokalradio-Stationen halten darf.

Grund des Rumorens: Neuer 100-prozentiger Eigentümer des Basler Senders ist der Basler Anwalt Martin Wagner (47). Häufig gehörte Vermutung: Wagner sei nur Strohmann, tatsächlich übe die "Basler Zeitung" (BaZ) neuerdings die Kontrolle über "das Basler Radio" (Selbstdeklaration) aus.

Gute Beziehungen zur "Basler Zeitung"

Laut einigen Indizien entbehrt diese Annahme nicht der Plausibilität: Wagner ist den "Basler Zeitung Medien" tatsächlich freundlich verbunden - als langjähriger Konzernanwalt und Vertrauensperson. Sein spektakulärster BaZ-Auftrag als Deal-Maker war der Aufsehen erregende Verkauf der Jean-Frey-Gruppe an die damalige Swissfirst-Bank unter Ausschaltung des Interessenten Ringier. Tatsächlich trifft auch zu, dass Martin Wagner nicht nur zu den Architekten der von "Radio Basel 1" (BaZ), "Radio Basilisk" (Tamedia) und "Radio Regenbogen" gemeinsamen betriebenen Vermarktungsgesellschaft "Radio Vision AG" - domiziliert am BaZ-Hauptsitz an der Hochbergerstrasse - ist, sondern nach dem "Basilisk"-Verkauf auch die 50-prozentige Tamedia-Beteiligung an der Werbegesellschaft übernehmen und "voraussichtlich" (so die Tamedia-Medienmitteilung vom 24. September) in deren Verwaltungsrat Einsitz nehmen soll.

Doch diese Ankündigung ist schon Makulatur, denn die BaZ und "Radio Regenbogen" haben ein Vorkaufsrecht auf die Tamedia-Beteiligung an der "Radio Vision". Wie Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident der "Basler Zeitung Medien", gegenüber OnlineReports erklärte, beabsichtigt die BaZ denn auch, das 50-Prozent-Paket der Tamedia an der "Radio Vision" zu erwerben. Die BaZ hält an der Vermarktungsgesellschaft bereits 33 Prozent, "Radio Regenbogen" 17 Prozent.

Fazit: Wagner wird an der "Radio Vision" keine Beteiligung halten. Zudem, so erklärte er OnlineReports, werde er entgegen der Tamedia-Medienmitteilung auch nicht in den Verwaltungsrat eintreten. Seine Beziehung zu "Radio Vision" bestehe nur noch in einem "kündbaren Vermarktungsvertrag". Wagner: "Das macht mich noch unabhängiger."

"Naheliegend, aber abwegig"

Ein weiterer Link zur "Basler Zeitung" besteht aus Verbindungen in gemeinsamen Verwaltungsräten. So war Wagner Mitglied des Verwaltungsrates von "Radio Edelweiss" (früher: "Radio Raurach", heute: "Basel 1"), als es sich schon im BaZ-Besitz befand. Vor allem aber gehörte Wagner nicht weniger als fünf Verwaltungsräten von BaZ-Tochterunternehmen an: Druckerei Birkhäuser+GBC AG  (vorübergehend als deren Präsident), der Birkhäuser+GBC Spezialprodukte AG, der Multipress AG, der Adic Insurance Services AG und der bc best connect ag. 

"Völlig absurd!", reagierte Wagner, die Hände verwerfend, auf die Frage, was er von der Strohmann-These halte. Für den Kaufpreis - über den Stillschweigen vereinbart wurde und den OnlineReports auf rund 15 Millionen Franken schätzt - "muss ich bei Banken, gegebenenfalls Freunden oder Bekannten Fremdgeld aufnehmen", beteuerte Wagner und schloss Medienunternehmen als Geldgeber ausdrücklich aus. Wagner weiter: "Ich bin von der Basler Zeitung völlig unabhängig. Es gibt keine Absprachen und und keine Planung einer operativen Zusammenarbeit im publizistischen Bereich." Auch BaZ-Kapitän Matthias Hagemann ("wir stehen gut zu Wagner") winkte gegenüber OnlineReports ab: "Es gibt keine Abmachungen." Die Annahme, das Tamedia-Paket sei bei Wagner "nur parkiert", sei "naheliegend, aber abwegig".

Tatsache ist, dass das Wagner aus zahlreichen Verwaltungsräten zurücktrat, als sich der Kauf von "Basilisk" abzeichnete. Dazu gehören auch die Birkhäuser-Mandate.

Tamedia will Liegenschaft verkaufen

Birkhäuser kommt jedoch im Zusammenhang mit dem sogenannten "Medienhaus" am Fischmarkt, dem Noch-Domizil von "Radio Basilisk", wieder ins Spiel. Schon seit längerer Zeit versucht Tamedia die denkmalgeschützte alte Börse, in die das damals noch junge Basler Lokalradio Mitte der achtziger Jahre nach einem spektakulären, aber heute als hinderlich empfundenen Redesign der Innenarchitektur einzog, zu verkaufen. Sie ist nicht Bestandteil des Verkaufs der Radio-Betriebsgesellschaft an Martin Wagner, aber ein Verkauf scheint nicht einfach - nicht zuletzt auch deshalb, weil in die bauliche Innensubstanz seit einiger Zeit kaum mehr investiert wurde.

Die Verkaufsbemühungen sind geheimnisumwittert. Laut Andreas Meili, Leiter elektronische Medien von Tamedia, werden derzeit immer noch Käufer gesucht. OnlineReports liegt jedoch ein Mail von Tamedia-Liegenschafts-Chef Christoph Ziegler vor, in dem er schrieb, "gleichzeitig" mit dem Radio-Verkauf "konnten wir auch die Liegenschaft am Fischmarkt verkaufen".

Börse an Birkhäuser-Pensionskasse?

Diese Formulierung stimmt so nicht. Da die Liegenschaft im Baurecht genutzt wird, hat Basel-Stadt nicht nur ein Vorkaufsrecht, der Staat muss eine allfällige Handänderung auch bewilligen. Ob der Kanton von diesem Recht Gebrauch machen wird, liess sich bei der staatlichen Liegenschaftsverwaltung "Immobilien Basel" nicht verifizieren. Hingegen steht fest, dass das Finanzdepartement einer Handänderung bisher nicht zugestimmt hat. Departementssekretärin Luzia Meister: "Dieses Geschäft müsste über meinen Tisch. Und da ist es bisher nicht."

Laut Recherchen von OnlineReports signalisierte die Pensionskasse von Birkhäuser Interesse an der alten Börse. Stiftungsratspräsidentin Ruth Ludwig, BaZ-Verwaltungsrätin und Cousine von BaZ-Chef Matthias Hagemann, zu OnlineReports: "Das kann ich bestätigen. Wir suchen etwas in dieser Preislage als Geschäftsliegenschaft." Das Geschäft sei "über den Notar an uns herangetragen worden". OnlineReports weiss: Der Notar war nicht Martin Wagner - aber ein Partner seiner Kanzlei, kontaktiert durch Tamedia-Kadermann Andreas Meili.

"Basilisk"-Redaktion sucht neuen Standort

Sicher ist, dass "Basilisk"-Redaktionsleiter Raphael Suter seit längerer Zeit einen neuen Standort sucht, um die Mietkosten zu reduzieren. Beobachter munkeln, dass die BaZ-Redaktion am Aeschenplatz auch das neue Domizil der Radio-Redaktion sein könnte. Laut Martin Wagner muss Suter nun Standort-Vorschläge unterbreiten. Käme auch das Domizil der BaZ-Redaktion in Frage? "Wenn Suter das aus Gründen des klar objektiven Standort-Vorteils beantragt - warum nicht?"

Gegenüber OnlineReports bestätigte Raphael Suter die Standortsuche. Als bisherige Optionen nannte er die neue Markthalle oder Räume an der Kornhausgasse. "Im Fokus" habe er "die Achse Bahnhof-Claraplatz", an welcher der Aeschenplatz liegt. Doch Suter präzisiert: "Vom Standort Aeschenplatz weiss ich nichts." Auch von der Spekulation, die Redaktion werde provisorisch ausgelagert, und später unter dem Dach der "Basler Zeitung" einziehen, will Suter nichts wissen: "Es wäre wahnsinnig naiv zu glauben, man könne das Bakom umdribbeln."

Heikle Konzessionierungsphase

Brisant wäre eine offensichtliche oder faktische Nähe der "Radio Basilisk Betriebs AG" zur "Basler Zeitung", weil die Radiostation am 28. September beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) das Gesuch stellte, die Tamedia-Aktien und somit die Radiokonzession auf Martin Wagner zu übertragen. Im Rahmen dieses Verfahrens achten die Bundesbehörden sensibel darauf, eine gewisse regionale Meinungs-Pluralität erhalten und nicht etwa unterminiert wird. Wagner anderseits ist daran interessiert, den Besitzerwechsel noch amtlich testieren zu lassen, bevor er sich wie alle andern Anbieter um die neu ausgeschriebene UKW-Radiokonzession bewerben muss.

So ist nicht erstaunlich, dass sich das aktuelle Gesuch um Konzessions-Übertragung bemüht, Wagners Autonomie seit Abschluss des Aktienkaufvertrags und seinem sofortigen Rücktritt aus den Verwaltungsräten der BaZ-Tochterfirmen zu dokumentieren: "Martin Wagner nimmt somit per sofort keinen Einfluss mehr auf die Willensbildung der Basler Mediengruppe oder einer ihrer Tochterunternehmungen." Ob sein medienrechtliches Beratungsmandat der BaZ aufrecht erhalten werde, bleibe noch offen.

Etwas gar opulent betont das Gesuch die zu erhaltende "Meinungs- und Angebotsvielfalt" und "eigenständige und starke Stimme im Medienmarkt Basel": Durch brisante Recherchen und unerschrockene Hintergründe fiel das musiklastige Formatradio bisher nicht auf. Dennoch will sich Wagner zusammen mit Bernhard Burgener und Roger Köppel ("voll gegen den Mainstream") auf die Funktion als Verwaltungsrat konzentrieren. Die mehrfach gehörte Befürchtung, aus "Basilisk" könnte ein SVP-Sender werden, kontert er mit dem Versprechen, die "publizistische Freiheit als unantastbares Gut zu garantieren".

Für BaZ die "zweitbeste Lösung"

Am liebsten allerdings hätten die "Basler Zeitung Medien" den Basler Stadtsender übernommen. Doch Signale des Bakom hätten gezeigt, dass die Medienbehörden die Konzession vorzugsweise einem "andern, gleichwertigen Bewerber" übertrügen, so Matthias Hagemann zu OnlineReports: "Das ist für uns die zweitbeste Lösung."

In der Tat: Hagemann kann mit Wagner gut – sogar sehr gut - leben. Den ersten Schock erlebte er vor fünf Jahren, als die "Basilisk"-Gründer Christian Heeb und Hansruedi Ledermann ihren Sender an Tamedia verkauften. Den zweiten Schock hätte es abgesetzt, wenn beim neulichen Verkauf wieder ein auswärtiger Anbieter wie das Badener BaZ-Konkurrenzhaus Wanner ("Mittelland-Zeitung", "Basellandschaftliche Zeitung") zum Zug gekommen wäre. Wagner ist ein langjähriger Vertrauter des marktmächtigen Basler Medienhauses, wovon seine fünf bisherigen Verwaltungsratsmandate und die Beratungsmandate zeugen. Mit ihm wird sich Duzfreund Hagemann weiterhin gut arrangieren oder gar absprechen, solange er die strategischen Pläne der BaZ nicht durchkreuzt. Zudem ist Wagner eingebunden in eine clevere Vermarktungsstruktur, die die Position der BaZ stärkt: Die "Radio Vision" ist Partner des "Swiss Radio Pool", über den die landesweiten Werbekampagnen in gegen einem Dutzend Privatradios gesteuert werden - ein Konstrukt, an dem auch Tamedia mit ihren Lokalradios in Zürich und Bern Interesse hat.

Wagner - ein internationaler Medien-Player

Es lässt sich nicht wegdiskutieren: Wagner war über viele Jahre hinweg ein BaZ-Mann. Seine Verbindungen zum Hause Hagemann sind so offensichtlich, dass jeder Versuch scheitern müsste, sie zu verwedeln oder herunter zu reden. Dennoch wird der Beweis schwierig sein, in Wagner bloss einen Strohmann der "Basler Zeitung" zu sehen, der faktisch ein "Radio BaZilisk" sein eigen nennt.

Wer so argumentiert, ignoriert Wagners beachtliche berufliche Entwicklung: Aus dem ursprünglichen Medienanwalt und gewerblichen Rechtskonsulenten, der von Mandaten lebte, wurde ein vorzüglich vernetzter internationaler Medien-Player.

Clevere Deals und zufriedene Kunden katapultierten ihn als Knowhow-Träger in höhere medienstrategische Sphären - auch in solche, die, wie sein Einsitz im Verwaltungsrat der Swissfirst, nicht zur Erfolgsgeschichte gerieten: Er ist Verwaltungsratspräsident der "Weltwoche" und Verwaltungsrat der in Axel Springer Schweiz AG umbenannten Jean Frey AG. Mehr noch: Als Vizepräsident von Bernhard Burgeners Highlight Communications AG und als Aufsichtsrat der "Constantin Film" sowie der "EM.Sport Media" steckt er mitten im internationalen Geschäft mit Filmproduktionen und der Verwertung von Fernsehrechten wie jene an der Uefa Champions League. Seine Mandatsstruktur sei "völlig transparent". Wagner zu OnlineReports: "Ich führe keine versteckte Agenda."

"Ich bin der Wunschpartner"

Eher im Stillen und fernab von gesellschaftlicher Prominenz arbeitete sich Wagner ("ich lasse mich nicht als Steigbügelhalter benützen") in eine medienpolitische Schlüsselposition vor, deren Bedeutung sich mit jener der regionalen Medien-Mogule mindestens vergleichen lässt. Aus früheren Auftraggebern wurden Bittsteller oder Unternehmen, die Wagner in ihre strategische Führung beriefen. "Ich bin der Wunschpartner für Tamedia", sagt Wagner selbstbewusst und meint damit sein Versprechen, eine "gute Basler Lösung" zu bieten und durch den Verbleib im "Swiss Radio Pool" das "Ertragspotenzial die Radioaktivitäten" der Tamedia-Sender "Radio 24" und "Radio Capital" zu erhalten.

Wunschpartner der Tamedia ist Axel-Springer-Mann Wagner noch aus mindestens einem andern Grund: Tamedia sucht, wie die jüngste Abonnement-Kooperation zwischen "SonntagsZeitung" und "Basler Zeitung" zeigt, deutlich stärker als auch schon die Nähe zum dominierenden Basler Medienunternehmen. Da können gute Bezehungen zu Deal-Maker Wagner nützlich sein wie generell ein pfleglicher Umgang mit den schlagkräftigen Schweizer Springer-Repräsentanten.

Und so hält Wagner den Verfechtern der Strohmann-These eine Methapher aus dem Tierreich entgegen: "Mich auf die 'Basler Zeitung' zu reduzieren, wäre das Gleiche, wie zu behaupten, im Affenhaus gebe es nur einen Schimpansen."

19. Oktober 2007

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Dem Text nach scheint er es eilig gehabt zu haben.

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