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"Sämtliche Alarmglocken läuten": Tatwaffe Kampfmesser

Der Messer-Mörder von Frenkendorf: Lebenslänglich und Verwahrung

Das Baselbieter Strafgericht verurteilte rückfälligen Bluttäter zur höchstmöglichen Freiheitsstrafe


Von Peter Knechtli


Das Baselbieter Strafgericht hat heute Mittwochmorgen den Mörder einer in Frenkendorf wohnenden KV-Lehrerin zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer anschliessenden Verwahrung verurteilt. Es wandte damit die höchstmögliche Strafe an.


Es war von unvorstellbarer Brutalität, was sich am Abend des 12. November 2015 in einem Carport an der Bahnhofstrasse in Frenkendorf ereignete: Weil die von ihrem Ehemann seit acht Jahren getrennt lebende Lehrerin eine kurze heftige Beziehung mit einem heute 63-jährigen Kaufmann beenden wollte, metzelte er sie gegen 21 Uhr regelrecht nieder.

20 Stich- und Schnittverletzungen – erst mit einem Gertel, dann mit einem Kampfmesser zugefügt – führten zum Tod der damals 64-jährigen KV-Lehrerin. Sie verblutete nach innen und nach aussen. Bei Eintreffen der Polizei steckte die 18 Zentimeter lange Klinge bis zum Schaft in ihrem Rücken. (Hier detaillierter Beschrieb des Falles.)

Schon 1994 Doppelmord

Es war nicht die erste Bluttat, die der Täter zu verantworten hatte: Schon 1994 beging er im solothurnischen Hägendorf einen Doppelmord, indem er mit 40 Schüssen aus einem Sturmgewehr seine ehemalige Freundin und ihren Bruder niedermähte. Dafür musste er lebenslänglich ins Zuchthaus, kam im Sommer 2011 aber frei.

Nach dem erneuten Mord in Frenkendorf kannte das fünfköpfige Baselbieter Strafgericht unter dem Vorsitz von Andreas Schröder keine Gnade: Mit "lebenslänglich" und einer anschliessenden Verwahrung folgte es dem Antrag von Staatsanwältin Corina Darms. Ausserdem muss der Mörder dem Bruder, der Mutter und dem Ehemann der Getöteten eine Genugtuungssumme von je 30'000 Franken zahlen und die Verfahrenskosten von 100'000 Franken übernehmen.

Hass wegen abgebrochener Liebesbeziehung

Der Behauptung des Täters, er habe seine Geliebte nicht töten wollen, sondern kurz vor seinem geplanten Suizid "im Affekt gehandelt", schenkte das Gericht keinerlei Glauben. Vielmehr habe die Frau zu ihrem Ehemann, der im Gerichtssaal die eineinhalbstündige Urteilsbegründung mit gesenktem Kopf verfolgte, zurückkehren wollen, weil sie sich vom neuen Bekannten "beschattet", ja "gestalkt" fühlte.

Dabei habe der Angeklagte "eine tiefe Kränkung, Wut und Hass" auf das Opfer und dessen Ehemann entwickelt: "Es war eine geplante Tat aus Rache, weil die Lehrerin die Liebesbeziehung nicht mehr wollte", sagte Richter Schröder. Sie habe "nicht die geringste Chance" gehabt.

Er erkannte in der fürchterlichen Frenkendörfer Tat "deutliche Parallelen" zum Doppelmord von 1994: Beide Frauen wollten die Trennung und seien Wochen vor der Tat observiert worden, in beiden Fällen schilderte sich der Täter als Opfer und unterstellte den ex-Partnerinnen Untreue.

Therapie zeigte keine Wirkung

Die schärfste mögliche Strafe, die das schweizerische Recht bietet, sprach das Gericht aus, weil er in seinen ersten 17 Jahren Strafvollzug nichts gelernt habe, die Arbeit von nicht weniger als sieben Therapeuten (die er "als Schikane" betrachtet habe) ohne jede sichtbare Wirkung blieb, und weil er im aktuellen Prozess "keine Reue gezeigt" habe: "Sie waren ausgesprochen gefühlsarm, Ihr Geständnis war stereotyp", hielt ihm der Vorsitzende entgegen.

Da der psychiatrische Gutachter für den schuldfähigen Täter "keine Erfolg versprechende therapeutische Massnahme" erkannte und ihm eine "deutlich erhöhte Rückfallgefahr" attestierte, müssten jetzt "sämtliche Alarmglocken läuten", begründete Schröder die Anordnung einer Verwahrung. Der Täter könne in diesem Fall 15 Jahre nach der Verhaftung einen Antrag auf bedingte Entlassung stellen, aber darüber müsse nicht die Vollzugsbehörde entscheiden, sondern ein ordentliches Gericht.

Appellation noch offen

Die Prognosen, dass der Mitte November 2015 verhaftete, geständige Dreifachmörder somit schon nach zwölfeinhalb Jahren auf freien Fuss kommen wird, dürften angesichts der aussichtslosen Vorgeschichte gering sein.

Ob der Mörder gegen das Urteil ans Kantonsgericht appelliert, ist noch offen und soll nach Angaben seines Verteidigers Matthias Aeberli erst nächste Woche entschieden werden. Im Falle eines Weiterzugs würde auch Staatsanwältin Corina Darms Anschlussberufung einlegen, wie sie noch im Justizgebäude erklärte.

25. April 2018

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"Er geht noch in die Mittelschule, ins Kollegium."

Radio SRF1
vom 18. Oktober 2018
über den Poetry Slammer
und OnlineReports-
Kolumnisten Max Kaufmann
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Aha, Kollegium Oberwil. Wir ahnen, was gemeint ist.

RückSpiegel


Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

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Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.

Liestal hat den Bruttokredit in der Höhe von 4,96 Millionen Franken für den Bau der städtischen Velostation und den Bau der erhöhten Velospur in der Unterführung der Oristalstrasse mit 2'386 Ja-Stimmen gegen 732 Nein-Stimmen sehr deutlich angenommen.

• Der 33-jährige FCB-Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die hat den bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

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